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Wildtier-Auffangstation Eppelborn betreut viele Igel.

Kreis Neunkirchen : Den Igeln wird es zu warm zum Schlafen

Die Wildtier-Auffangstation Eppelborn kümmert sich um die nachtaktiven Tiere. Gartenbesitzer können viel für sie tun.

Igel sind putzige Gesellen. Das würden wohl die meisten Leute so unterschreiben. Dennoch tut der Mensch viel dafür, den kugeligen Tieren das Leben schwer zu machen. Häufig werden sie überfahren, ihr Lebensraum zerschnitten. Unsere Gärten sind oft so akkurat, dass für sie kein Platz ist. Und die warmen Winter rauben ihnen auch noch den Winterschlaf.

Die Wildtier-Auffangstation Eppelborn (WTA) betreut viele der nachtaktiven Tiere. Sabine Schorr, Pressesprecherin im Umweltministerium in Saarbrücken: „Über die Hälfte der in der WTA aufgenommenen Tiere sind Igel.“ Im Jahr 2018 waren es demnach 333 Igel, 2019 wurden mehr als 350 in Eppelborn behandelt. Mehr als 50 Prozent der betreuten Igel kommen als Jungtiere in die WTA, erläutert Schorr, „sei es, weil sie ohne Mutter aufgefunden wurden oder Verletzungen aufweisen“. Die Experten behandeln dort abgemagerte oder dehydrierte Tiere mit Wärme, Infusionen, Medikamenten – immer mit dem Ziel, die Tiere so rasch wie möglich wieder auszuwildern.

Jennifer Knur-Schmidt von der Eppelborner Auffangstation berichtet, aktuell seien 45 Igel bei ihr zum Überwintern. Der Winterschlaf setze verzögert ein, ist ihre Beobachtung. Er verschiebe sich Richtung Januar. Knur-Schmidt: „Die vergangenen Jahre waren einfach zu mild.“ Üblicherweise wird die Zeit für die Ruhephase mit November bis März angegeben. Ab unter acht Grad Celsius bereiteten sich Igel auf den Winterschlaf vor. Für den Bau ihres Winterquartieres bräuchten sie etwa drei Wochen. Wenn es zu warm ist, kommen sie auch wieder aus ihrem Versteck heraus. Allerdings finden sie dann meist zu wenig Nahrung. Gartenbesitzer können etwas tun, wenn sie einen Igel in der Nähe vermuten. Knur-Schmidt: „Ich würde einen Igel erst einmal beobachten, wenn ich ihn im Garten sehe.“ Wenn er etwa sehr schwach wirke oder extrem dünn sei (dann wird aus der kugeligen eine langgezogene Form), helfe es, Futter bereitzustellen. Ein ausgewachsener Igel wiegt zwischen 800 und 1300 Gramm. Igelfutter gibt es zu kaufen, aber auch Katzenfutter nass oder trocken, Haferflocken und getrocknete Mehrwürmer eigneten sich. Bei Trockenfutter müsse aber auf jeden Fall auch Wasser bereitgestellt werden. „Wasser ist immer sinnvoll“, sagt Knur-Schmidt zudem. Und beim Füttern müsse man aufpassen, nicht ungebetene Gäste wie Ratten anzuziehen.

Die Eppelborner Auffangstation kümmert sich um Säugetiere, nicht um Vögel. Auch bei uns nicht heimische Tiere wie Nutria oder Waschbären nehme sie nicht an, erläutert Jennifer Knur-Schmidt. Neben den vielen Igeln sind es Füchse, Mader, Wildkatzen, Feldhasen und Rehkitze, die öfter mal in der Station landen. Alle Gäste, betont sie, werden auch wieder ausgewildert. Und noch etwas ist ihr wichtig: Nicht jedes Tier, das in Feld und Flur zu finden ist, brauche Hilfe: „Die Jungtiere des Feldhasen zum Beispiel sitzen schon im Februar alleine auf Wiesen und Äckern. Sie kauern reglos da und fliehen nicht, wenn sich jemand nähert.“ Das bedeute aber nicht, dass es ihnen schlecht gehe. Es sei vielmehr ein natürliches Verhalten, um Feinde nicht anzuziehen. Ihr extrem dichtes Fell schütze sie vor Kälte, die Muttertiere kämen von Zeit zu Zeit vorbei. Knur-Schmidt: „Es ist sinnvoll, uns zuerst zu kontaktieren, bevor man ein Tier mitnimmt.“