| 19:47 Uhr

Wiesbach will nicht in die Regionalliga

Wiesbach. Fußball-Oberligist wägt Risiko und Chancen ab – und entscheidet sich gegen einen eventuellen Aufstieg. Mirko Reuther

Beim FC Hertha Wiesbach könnte die Stimmung vor dem Heimspiel am Samstag um 15.30 Uhr gegen den SV Morlautern kaum besser sein. Die Gelb-Schwarzen sind in der Fußball-Oberliga seit acht Spielen ungeschlagen. Sechs der Partien haben sie gewonnen. Durch die Erfolgsserie hat sich Wiesbach auf Platz drei vorgekämpft. Der Rückstand auf Rang zwei beträgt nur noch drei Punkte. Dieser zweiten Platz würde zur Teilnahme an der Aufstiegsrelegation berechtigten, belegt wird er derzeit vom SV Röchling Völklingen.

Den SV Röchling empfängt Wiesbach am letzten Spieltag im heimischen Stadion am Wallenborn. Aber selbst wenn der FC Hertha die Völklinger auf der Zielgeraden der Saison noch abfangen sollte - aufsteigen will der Verein nicht. Vorgestern hätte Wiesbach bis 15.30 Uhr die Lizenz für die Regionalliga Südwest beantragen müssen. Das hat der Verein nicht getan, wie Sportvorstand Helmut Berg am Donnerstag bestätigte. Er hatte einen möglichen Aufstieg bereits im Winter ausgeschlossen. Aus der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar haben Tabellenführer TSV Schott Mainz, der SV Röchling Völklingen und der Vierte TuS Mechtersheim die Regionalliga-Lizenz beantragt. "Unser Etat bewegt sich in der Oberliga im unteren Bereich. In der Regionalliga werden bei manchen Vereinen Millionen bewegt. Wir sind Realisten und werden kein Wagnis eingehen, von dem sich der Verein womöglich nicht wieder erholt", sagt Berg.

Fast alle Spieler der Wiesbacher sind berufstätig und könnten den zeitlichen Aufwand in der Regionalliga kaum bewältigen. So treten in dieser Klasse auch viele Vereine ausschließlich mit Profis an. Zudem müsste Wiesbach neben höheren Kosten für den Kader auch zahlreiche Investitionen in die Infrastruktur leisten. In einen Naturrasenplatz, Parkplätze sowie Räumlichkeiten für sanitäre Anlagen und Medienmitarbeiter beispielsweise. "Wir sind noch nicht soweit", sagt Berg, der die jüngsten Regionalliga-Aufsteiger FC Nöttingen und Teutonia Watzenborn-Steinberg als warnende Beispiele heranzieht: "Das sind auch Dorfvereine, die in den meisten Bereichen schon einen Schritt weiter sind als wir. Trotzdem stehen sie am Tabellenende."

Hertha-Trainer Michael Petry hat für den Kurs der Vereinsführung Verständnis: "Als Spieler und Trainer hat man den Anspruch, so hoch zu spielen wie möglich. Aber Wollen und Können sind zwei Paar Schuhe. Wir werden nicht das Risiko eingehen, alles gegen die Wand zu fahren, nur um einmal ein Jahr Regionalliga gespielt zu haben." Und Berg ergänzt: "Wir wollen uns in den kommenden Jahren stetig weiterentwickeln. Die Jugend sowie die 2. Mannschaft stärken und Schritt für Schritt die Infrastruktur ausbauen. Das ist für uns der richtige Weg." Sportlich will sich der Verein im vorderen Drittel der Oberliga festsetzen, erklärt Petry.

Seine Elf überzeugte zuletzt trotz Personalproblemen. Bei den Siegen gegen den FSV Jägersburg beim 3:1 und beim 2:1 gegen Arminia Ludwigshafen saßen jeweils nur drei Feldspieler auf der Bank. In Ludwigshafen wurde sogar Niklas Alles reaktiviert. Der Außenverteidiger wohnt aufgrund seines Studiums nicht mehr im Saarland und war Anfang April bereits verabschiedet worden. Seitdem hat er nicht mehr mit der Mannschaft trainiert. "Mehr als drei Spieler kann ich doch sowieso nicht einwechseln", flachst Petry, der gegen den SV Morlautern eventuell auf Spieler der A-Jugend und der Zweiten zurückgreifen will. Den Aufsteiger beschreibt Petry als "körperbetonten und unbequemen Gegner mit groß gewachsenen Spielern". Der Trainer ergänzt: "Morlautern steckt seit Saisonbeginn im Abstiegskampf. Wir haben gegen Jägersburg und Ludwigshafen gesehen, dass solche Gegner bis zur 95. Minute alles raushauen." Petry ist sich sicher, dass seine Elf den Kampf annehmen wird: "Wir werden zwar nicht aufsteigen. Aber wir haben den Charakter und den Ehrgeiz, die Saison mit dem bestmöglichen Ergebnis abzuschließen."

Das könnte Sie auch interessieren