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Wieder toll
Wenn Puppen bis an die Grenzen gehen

Zur Eröffnung der Figuren-Theatertage in Eppelborn konnte sich das Publikum an dem Stück „Michael Kohlhaas“ begeistern.
Zur Eröffnung der Figuren-Theatertage in Eppelborn konnte sich das Publikum an dem Stück „Michael Kohlhaas“ begeistern. FOTO: Merkel Carolin / Carolin Merkel
Eppelborn. Mit der Novelle „Michael Kohlhaas“ durfte in diesem Jahr die Bühne Cipolla die Eppelborner Figurentheatertage eröffnen. Von Carolin Merkel

Recht haben und Recht bekommen – wer weiß das nicht – das sind zuweilen zwei Paar Schuhe. Wie schmerzhaft dieses Gefühl der Ohnmacht sein kann, wie sehr sich aber auch aus vielleicht berechtigter Empörung skrupellose Selbstjustiz werden kann, davon erzählt die Novelle „Michael Kohlhaas“ aus der Feder von Heinrich von Kleist.


Wahrlich keine einfache Lektüre, die sich die Bühne Cipolla aus Bremen da ausgesucht hat. Hochaktuell und überaus brisant begeisterte das Stück am Freitagabend die Gäste der Eröffnungsvorstellung zu den Figurentheatertagen in Eppelborn. Die locken noch bis zum kommenden Freitag Kinder und Erwachsene gleichermaßen mit einer riesigen Vielfalt an Puppenspiel. Schauspieler Sebastian Kautz schlüpfte am Freitag in die Rolle des Michael Kohlhaas, immer wieder verschmolz er mit dem Protagonisten, um ihn dann aber wieder ganz bewusst abzustreifen. Sowohl psychisch als auch physisch ging er dabei an seine Grenzen, 80 Minuten pausenlos hochkonzentriert in der Handlung, zugleich aber auch immer ein bisschen bei den Zuschauern, seine Leidenschaft war absolut spürbar.

Der ausgebildete Schauspieler, der auch in Film und Fernsehen Erfolge feiert, hauchte auch den übrigen Handelnden auf der Bühne Leben ein, überaus düster kam er zumeist daher, erschreckend die Szenen, als Kohlhaas erst um seine Rappen, dann um seine Frau trauert. Nur ein paar Mal setzte beim Publikum ein für den Moment befreiendes Lachen ein. Stück für Stück enthüllte Kautz die Bühne, die Figuren hinter der Folie wurden sichtbar und erwachten nach und nach zum Leben. Am Ende schließlich erwartete Kohlhaas nicht etwa das Tribunal aus den Zuschauerreihen. Das hatte auf Freispruch plädiert. Minutenlanger Beifall war den beiden Protagonisten auf der Bühne - neben Kautz sorgte Gero Jung mit seinem Violoncello für die perfekte musikalische Untermalung - gewiss. Begeistert von dem Auftakt des 29. Festivals zeigte sich Ortsvorsteher Berthold Schmitt. Er begrüßte vor der Aufführung, stellvertretend für Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset, die Gäste, allen voran die zahlreichen Sponsoren. Viele von ihnen, betonte er, halten dem Festival von Anfang an die Treue und machen so dieses außergewöhnliche Theatererlebnis in Eppelborn überhaupt erst möglich. „Neun Bühnen aus ganz Deutschland treten in diesem Jahr auf den Bühnen im Gemeindebezirk an, um die Vielfalt des Figurentheaters zu präsentieren“, sagte Schmitt.