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Ungewöhnliche Perspektiven im Werk von Jean Lurçat

Museumsleiter Matthias Marx und Katja von Bünau mit den zwei Lurçat-Neuerwerbungen: der Fischer und ein Stillleben. Foto: anika Meyer
Museumsleiter Matthias Marx und Katja von Bünau mit den zwei Lurçat-Neuerwerbungen: der Fischer und ein Stillleben. Foto: anika Meyer FOTO: anika Meyer
Eppelborn. Ungewöhnlich ist sie, eine Schildkröte im Werk des französischen Künstlers Jean Lurçat. Von unten ist sie unter Wasser ins Bild gesetzt. Das Werk ist nur eine von mehreren Neuerwerbungen, die in Eppelborn präsentiert wurden. ani

Drei Neuerwerbungen sollten am Montagabend vorgestellt werden: die "Schildkröte", der "Fischer" und die "Badenden Damen".


Doch beim Jean-Lurçat-Museum in Eppelborn überrascht man gerne. So hatten der Museumsleiter, Dechant Matthias Marx, sowie Günther und Katja von Bünau von der zugehörigen Stiftung noch ein Extra-Glanzstück in petto: ein Stillleben mit Pfeife, Äpfeln, Feige und Wasserglas. "Es ist heute erst eingetroffen", erklärte Marx, der über die Bilder referierte.

Undatiert ist es, allerdings hat der französische Maler, Keramiker und Bildwirker, dessen 50. Todesjahr das Museum 2016 würdigt, zwei Bilder hinterlassen, die ebenfalls einmal eine Tonpfeife und einmal ein Wasserglas zeigen - von 1926 beziehungsweise 1928. "Also stammt das Stillleben von 1927", schloss Marx scherzhaft. Eine Entstehung in diesem Zeitrahmen ist jedoch wahrscheinlich.



Mit der Wasserschildkröte hat die Sammlung ein weiteres besonderes Werk hinzugewonnen: Das Motiv ist aus der außergewöhnlichen Perspektive eines Tauchers oder Unterwasserlebewesens eingefangen. Zu sehen sind der Bauch der Schildkröte, drei Fische und hinter der Wasseroberfläche Bäume und Himmel. Aus dem Entstehungsjahr 1952 waren bisher gerade mal elf Bilder Lurçats bekannt - er hat damals bereits verstärkt Kartonagen für Tapisserien entworfen. Bei der Wasserschildkröte jedoch ist er ganz Maler: Farbe und Licht bestimmen das Bild.

Bei den menschlichen Motiven, dem Fischer und den Badenden, fällt auf, dass Lurçat keinen Wert auf Idyll oder Schönheit legte: "Es ging ihm um ganz gewöhnliche Menschen und ihre Tätigkeit", so Marx.

In den 30er Jahren, als Lurçat in der Nähe des Genfer Sees lebte, habe er verstärkt Fischer und Bauern gemalt. Die Badenden am Strand (erworben mit Mitteln der Union Stiftung Saar), vermutet Marx, könnten von Ferien in der Normandie inspiriert sein. Interessant ist: Lurçat malte nie in freier Natur, sondern nahm seine Eindrücke stets mit ins Atelier, um sie dort umzusetzen.