Starthilfe beim Neuanfang

Die Saarbrücker Zeitung präsentiert wieder die Serie „Ich lebe gerne in . . .“. Eine Woche lang berichten wir jetzt über Menschen aus Eppelborn. Heute: Hugo Naumann, einer der Eppelborner Bürger, die Flüchtlinge in der Gemeinde mit Rat und Tat unterstützen.

Einer wie Hugo Naumann dürfte so etwas wie die Idealbesetzung sein, um Flüchtlingen bei den ersten Schritten in ihrem für sie völlig fremden Umfeld zu helfen. Der 67-Jährige hat als Diakon im Ruhestand soziale und seelsorgerische Kompetenzen. Und dank seiner beruflichen Vorgeschichte im saarländischen Verwaltungsdienst (unter anderem langjähriger stellvertretender Leiter der Justizvollzugsanstalt Neunkirchen) kennt er sich aus in der deutschen Bürokratie. Eine Welt, die Menschen, die eben erst aus Syrien oder Eritrea gekommen sind, noch völlig unbekannt ist und in der sie dringend einen kompetenten Begleiter brauchen.

Vor rund einem Jahr erreichte den Neu-Ruheständler Naumann die Anfrage der Gemeinde, ob er sich als ehrenamtlicher Flüchtlings-Betreuer noch einmal in die Pflicht nehmen lassen wolle. Hugo Naumann, der mit seiner Frau Ingrid in Humes zu Hause ist, wollte. Und wusste zu Beginn wohl kaum, was auf ihn und die rund 30 weiteren Eppelborner Flüchtlings-Helfer zukommen sollte.

Am 3. Juli 2014 hießen Naumann und seine Mitstreiter die erste syrische Familie mit deren vier Kindern willkommen. Die Eppelborner Verwaltung sorgt seitdem für die Unterbringung immer neuer Ankömmlinge in gemeindeeigenen Häusern und mittlerweile mehr als 20 angemieteten Privat-Wohnungen.

Auch wenn die Flüchtlinge schon im Aufnahmelager Lebach mit dem Notwendigsten versorgt werden, muss in den neuen Wohn-Gemeinden doch noch sehr viel organisiert werden. "Das fängt mit Kochtöpfen an und hört bei einem Flügelwäschetrockner noch lange nicht auf", sagt Hugo Naumann, der nicht nur bei sich daheim im Keller eine Sammelstelle für die nützlichen Dinge des Lebens eingerichtet hat, sondern auch immer mehr Koordinationsarbeit zu leisten hat.

Von den drei Kindern, die Frauen nach ihrer Flucht auf die Welt brachten, ist eines ein extremes Frühchen. "Da haben die katholischen Frauen in Wiesbach ganz toll geholfen", betont Naumann das Engagement vieler Eppelborner Bürger . Die Wiesbacherinnen besorgten nicht nur die erforderliche Milchpumpe, sondern organisierten auch einen Fahrdienst für Mutter und Milch zum Baby in einer Saarbrücker Klinik.

Naumann wird überhaupt nicht müde, über das Netzwerk der Hilfe in Eppelborn zu berichten. "Wir bekommen als Helfer aber auch viel zurück von den Menschen", sieht er das Engagement nicht als Einbahnstraße.

Er würde sich freuen, wenn noch mehr Hausbesitzer Wohnungen für Flüchtlinge der Gemeinde anbieten würden, wenn man einen Arzt und andere Unterstützer auftun könnte, die arabisch sprechen. Verwirklichen würden die Eppelborner Helfer auch gerne einen regelmäßigen Treff für Flüchtlings-Frauen, um denen die Umstellung in die ungewohnte Kultur und das hiesige Verhältnis der Geschlechter zueinander zu erleichtern. Für neue Helfer ist also noch jede Menge sinnvolle Beschäftigung da.

eppelborn.de