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Puppen werden zu Bühnenstars

Harold und Maude (Puppenspieler Volker Schrills und Eleen Dorner) genießen ihre Zweisamkeit. Foto: Anika Meyer
Harold und Maude (Puppenspieler Volker Schrills und Eleen Dorner) genießen ihre Zweisamkeit. Foto: Anika Meyer FOTO: Anika Meyer
Eppelborn. Mit dem Stück „Harold und Maude“ haben Eleen Dorner und Volker Schrills im Big Eppel die Eppelborner Figurentheatertage eröffnet. In den kommenden Tagen stehen zahlreiche Stücke auf dem Spielplan. Anika Meyer

Harold hat sich bereits erhängt, erschossen und in die Luft gesprengt - jedes Mal mit derart dramatischen Gesten, dass das eigentlich erschreckende Geschehen urkomisch wirkt. Mit vollem Einsatz lässt er sich auch beim nächsten fingierten Suizid wie in Zeitlupe vor seiner Mutter zusammensinken. Doch diese reagiert längst nicht mehr so, wie er es sich wünscht - wie damals, als die Polizei ihr fälschlicherweise die Nachricht von seinem Tod überbracht hatte und sie in Ohnmacht gefallen war. Heute schaut sie nicht mal mehr auf. Könnte an der Inflation liegen: "So 15 mal" habe er sich schon "umgebracht", schätzt Harold.

Eleen Dorner vom Dornerei Theater Neustadt und Volker Schrills vom Theater Blaues Haus Krefeld gaben am Freitagabend mit "Harold und Maude" im gut besetzten Big Eppel den Einstieg in die 26. Eppelborner Figurentheatertage. Immer wieder wechselten Dorner und Schrills sich in den Rollen ab, übernahmen mal diese, mal jene Puppe. Manchmal verwandelten sich die Puppen auch in die Schauspieler und wieder zurück.

Harolds von einer gewissen Todessehnsucht geprägte Grundstimmung äußert sich auch in seiner Vorliebe für Beerdigungen und der Umrüstung seines Autos zum Leichenwagen. Doch sein trister Alltag wird umgekrempelt, als er in einer Kirche Maude kennenlernt. Sie steckt voller Begeisterung für die Welt: "Versuche, jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Dafür ist uns das Leben gegeben und es dauert nicht ewig", sagt sie. Die beiden verlieben sich. Ein ungewöhnliches Paar: Er ist 18, sie 79. Doch gegen Maude hat keine der Mädchen vom "Computerclub", die Harolds Mutter ihm verzweifelt zu vermitteln versucht, eine Chance. Das Ende ist traurig und hoffnungsvoll zugleich: Maude bringt sich, wie immer geplant, mit 80 Jahren um. Harold leidet unter dem Verlust, doch ihm wurde auch etwas geschenkt: Liebe zum Leben.

Über 55 000 Menschen hat das Figurentheater Eppelborn insgesamt schon angezogen, wie die Eppelborner Bürgermeisterin am Eröffnungsabend erklärte. "Die Qualität hat sich noch gesteigert in den letzten Jahren", sagte Birgit Müller-Closset

Dienstag, 17. März: Theater September (Mühlheim Donau), "Das Grüffelo-Kind", Big Eppel , 9/10.30 Uhr; Theater Knuth (Holzheim ), "Käpten Knitterbart", Borrwieshalle Dirmingen, 10 Uhr und "Am Samstag kam das Sams zurück", Borrwieshalle, 15 Uhr; Mittwoch, 18. März: Theater Fiesemadände (Karlsruhe), "Die Schatzinsel", Big Eppel , 9/ 10.30/15 Uhr; Artisjok Theater (Schweighofen), "A-E-I-O-U - Raus bist du!", Kita Hierscheid, 10 Uhr; 19. März: August das starke Theater (Dresden), "Findus zieht um", Schulturnhalle Wiesbach, 10 Uhr; Artisjok Theater, "Max und Moritz", Big Eppel , 15 Uhr; 20. März: August das starke Theater: "Der kleine Maulwurf", Pfarrsaal Humes, 10 Uhr; Rosenfisch Figurenspiel (Eschweiler), "Casanova", Big Eppel , 20 Uhr. Infos: www.eppelborn.de , Tel. (0 68 81) 96 26 28.