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Picasso, Matisse und Chagall als Ersatz

Museumsleiter Matthias Marx und Günther und Katja von Bünau von der Jean-Lurçat-Gesellschaft (v.l.) vor einem Werk von Jean Picart-le-Doux. Foto: Anika Meyer
Museumsleiter Matthias Marx und Günther und Katja von Bünau von der Jean-Lurçat-Gesellschaft (v.l.) vor einem Werk von Jean Picart-le-Doux. Foto: Anika Meyer FOTO: Anika Meyer
Eppelborn. Der Meister ist auf Tour. Denn zum 50. Todestag von Jean Lurçat werden seine Bilder in Halle gezeigt. Im Museum, das den Namen des Künstlers trägt, sind derweil die Werke seiner Freunde in einer Ausstellung zu sehen. Anika Meyer

. Vor einigen Tagen ist ein Großteil der Ausstellungsstücke des Eppelborner Jean-Lurçat-Museums verpackt und nach Halle verschickt worden - zur einer großen Jubiläumsausstellung zum 50. Todesjahr des Künstlers. Bis November bleiben die Leihgaben dort. So lange zu schließen war für das Museumsteam - vorneweg Leiter Matthias Marx sowie Günther und Katja von Bünau von der Jean-Lurçat-Gesellschaft - jedoch keine Option. Also hat man sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Während der Hausherr auf Reisen ist, dürfen es sich seine Freunde und Weggefährten in den Eppelborner Räumlichkeiten bequem machen. "Compagnons de route" heißt die Sonderausstellung, die am Dienstagabend in einer gut besuchten Vernissage eröffnet wurde.


Der Besucher trifft auf illustre Persönlichkeiten der Kunstgeschichte: Chagall und Matisse beispielsweise, mit denen Lurçat gut befreundet war. "Matisse hat sich auch von Lurçat Tapisserien ausgeliehen und in sein Atelier gehängt", erklärt Marx. Von Chagall sind unter anderem eine "Mythische Kreuzigung", von Matisse ein "Weinstock" zu sehen, alles Lithografien aus der Pariser Druckerei Mourlot. Auch Picasso ist vertreten, mit Holzschnitten, die er von einem anderen Meister von seinen eigenen Bildern anfertigen ließ. Mit ihm verband Lurçat große gegenseitige Anerkennung. Juan Mirò, Paul Klee oder Wassily Kandinsky sind weitere große Namen. Wie man an solche Werke herankommt? Alles aus Privatbesitz geliehen, erklärt Marx, vor allem aus zwei großen Beständen saarländischer Sammler.

Bei einigen der Ausstellungsstücke zeigen sich deutliche Verbindungen zu Lurçat, naturgemäß vor allem bei seinen Schülern. So könnte die Tapisserie "Sonnenlaub" von Dirk Holger fast vom Meister selbst stammen: leuchtende Farben, kantige Blätterranken, die kraftvoll in alle Richtungen treiben. Außerdem hat sich Jean Picart-le-Doux in zwei von vier ausgestellten Lithografien stark von Lurçat inspirieren lassen. An diesen erinnern eine züngelnde Sonne und von Fischen umschwärmte Wasserpflanzen. Auch Lehrer Lurçats sind vertreten und - besonders überraschend - seine Mutter. Denn auch Charlotte Lurçat war Künstlerin, wie Marx erklärt. Ihr Aquarell zeigt eine vom Jugendstil inspirierte Parklandschaft. Auch den zugehörigen Lederrahmen mit floralen Ornamenten hat sie selbst hergestellt. "Dieses Stück wird dauerhaft zu sehen sein, wir haben es gekauft", so Marx.



Die Ausstellung ist zu sehen bis Sonntag, 20. November.