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Noch keine Schutzmaßnahmen gegen Wölfe

Noch keine Schutzmaßnahmen gegen Wölfe

Dass der Wolf ins Saarland kommt, sei nur eine Frage der Zeit, sagt Umweltminister Jost. Doch dass erst mit Schutzmaßnahmen begonnen werde, wenn der erste Wolf gesichtet wird, sorgt für Empörung unter Nutztierhaltern.

Fest steht: Wenn der Wolf kommt, will keiner das Rotkäppchen sein. Insbesondere saarländische Nutztierhalter sind inzwischen besorgt, wie sie ihre Vierbeiner vor dem Wolf schützen können. Denn dass Meister Isegrim im Saarland aufkreuzt, ist nach Expertenmeinung nur noch eine Frage der Zeit. Sein Vorkommen in der benachbarten Pfalz, im Elsass und in Lothringen ist bereits bestätigt. Kurzum: "Das Saarland ist ein Wolferwartungsland", wie "Wolfsmanager" Andreas Bettinger vom Umweltministerium auf einer Fachtagung bei Dirmingen jetzt vor rund 70 Nutztierhaltern und Vertretern von Naturschutzverbänden erklärte.

Umweltminister Reinhold Jost (SPD ) sicherte den Nutztierhaltern eine 100-prozentige Entschädigungszahlung zu, wenn ihre Tiere von einem Wolf gerissen werden. Zudem werde sich das Land an den Kosten für Schutzmaßnahmen wie etwa Elektrozäunen oder feste Koppeln zu 90 Prozent beteiligen. Auf Nachfragen räumte das Ministerium allerdings ein, dass diese Fördermaßnahmen "erst beginnen, wenn das Vorkommen des ersten Wolfes im Saarland nachgewiesen ist". Diese Klarstellung sowie die als unzureichend empfundenen Entschädigungszahlungen für gerissene Tiere riefen bei zahlreichen Nutztierhaltern lautstarke Unmutsäußerungen hervor. Nachbesserungen forderte hier unter anderem der Landesverband der Schaf- und Ziegenhalter. Nach dessen Angaben gibt es im Saarland rund 640 Schaf- und 200 Ziegenhalter. In den allermeisten Fällen seien dies Hobby-Tierhalter, deren Tierzucht jedoch "nur geringe wirtschaftliche Bedeutung" habe.

In Sachsen, wo derzeit zwölf Wolfsrudel leben sollen, zahlt das Land durchschnittlich 4000 Euro jährlich an Entschädigungen für gerissene Tiere und 23 000 Euro für Schutzmaßnahmen von Nutztierhaltern, wie Bernd Dankert vom Dresdner Umweltministerium mitteilte. Seit dem Jahr 2005 nimmt die Wolfspopulation in Sachsen kontinuierlich zu. Vorläufiger Höhepunkt: In diesem Jahr seien bereits 166 Tiere von Wölfen getötet oder verletzt worden, davon 155 Schafe . Der Schadensausgleich nur in diesem Jahr habe damit fast 62 000 Euro betragen.

Die Nutztierhalter im Saarland sind zwar in Sorge um ihr Kleinvieh, seit im September Schafe im Raum St. Wendel gerissen wurden (wir berichteten). Eine DNA-Test ergab allerdings, dass ein Hund die Tiere getötet hatte. Doch auch wenn das Auftauchen des Wolfes im Saarland nur noch eine Frage der Zeit ist, so mag doch eine wissenschaftliche Erkenntnis für ein wenig Entspannung sorgen: Auf dem Speiseplan von Meister Isegrim stehen vor allem Rehe, Rothirsche und Wildschweine. Haus- und Nutztiere verputzt er nur zu einem ganz geringen Prozentsatz. Und: Menschenkinder wie Rotkäppchen gehören überhaupt nicht in sein Beutespektrum.

wolf.saarland.de

In Lothringen und in der Pfalz wurde der Wolf bereits gesichtet. Experten rechnen daher mit seiner Ankunft im Saarland. Foto: dpa/Pleul