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Nadine Keßler kickte für 1. FC Saarbrücken, Turbine Potsdam, VfL Wolfsburg

Nadine Keßler : Als das kleine Bubach die großen Bayern bezwang

Viele Saar-Vereine prägten das halbe Jahrhundert, in dem Frauenfußball in Deutschland erlaubt ist. Auch der SV Bubach/Calmesweiler.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) feiert 50 Jahre Frauenfußball. Von 1955 bis 1970 hatte er noch verboten, dass auch das weibliche Geschlecht um Punkte und Tore kämpfen darf. Bereits wenige Jahre nach dem Startschuss feierten saarländische Clubs Erfolge.

Beim SV Bubach/Calmesweiler entwickelte sich die Frauenabteilung unter Trainer Philipp Müller schnell. Und das, obwohl die Damen als „Attraktion“ im Rahmen einer Sportwerbewoche zum 50-jährigen Vereinsjubiläum erstmals spielen durften. „Anfangs haben alle nur über uns gelacht. Der Widerstand der Männer war groß“, erinnerte sich Margit Thewes, die auf der Libero-Position spielte, im Jahr 2011 im SZ-Gespräch. Das sollte sich aber ändern. Denn bei den Spielen zur deutschen Meisterschaft, die erstmals 1974 ausgetragen wurde, gelangen dem SV Bubach/Calmesweiler drei Siege – darunter ein 3:2 vor 2000 Zuschauern im Eppelborner Illtalstadion gegen Bayern München. Am Ende wurden die Saarländerinnen Dritte. 1989 wurde die Mannschaft wegen Spielerinnen-Mangel wieder abgemeldet.

Vier Jahre später erreichte Hellas Marpingen das Finale der deutschen Meisterschaft, das nun mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wurde. Nach dem 0:2 im Hinspiel beim SC Bad Neuenahr führten die Marpingerinnen im Rückspiel mit 1:0. Danach scheiterte Christel Schikofsky mit einem Elfmeter. Der Hellas gelang kein Tor mehr. So musste sich das Team mit der Vizemeisterschaft begnügen. Das Kapitel Frauenfußball war bei der Hellas in den Achtzigerjahren vorbei, nachdem sich Förderer zurückgezogen hatten.

1990 wurde die Bundesliga mit 20 Mannschaften in zwei Staffeln gegründet. Dies war ein weiterer Schritt in Richtung Akzeptanz des Frauenfußballs in Deutschland, dessen Ansehen sich mit dem EM-Sieg der Nationalelf ein Jahr zuvor verbessert hatte. Einziges saarländisches Gründungsmitglied der Bundesliga war der VfR Saarbrücken. Er belegte in der ersten Saison mit fünf Punkten Rückstand auf Staffelsieger FSV Frankfurt Rang drei. Für die Heimspiele musste der VfR ausweichen, weil er nur einen Hartplatz hatte. „Wir haben auf dem Platz des ATSV Saarbrücken gespielt“, erinnert sich die damalige Spielerin und spätere Trainerin Margit Kratz.

Es folgten gute Platzierungen, bis sich die Frauen-Abteilung des VfR Saarbrücken 1997 – mit der Zusammenlegung der zweigleisigen zur eingleisigen Bundesliga – dem 1. FC Saarbrücken anschloss. „Das wurde beim VfR natürlich kontrovers diskutiert. Aber der Verein konnte uns die benötigten finanziellen Mittel nicht zur Verfügung stellen, der FCS dagegen schon“, blickt Kratz zurück. Der VfR und der 1. FC Saarbrücken waren sozusagen Vorreiter eines Trends: Größere Vereine – oft Profi-Clubs aus dem Herren-Bereich – übernehmen Frauen-Abteilungen von kleineren. Der TuS Köln fusionierte mit Bayer Leverkusen, der FCR Duisburg schloss sich dem MSV Duisburg an. Vor der jetzigen Saison übernahm Eintracht Frankfurt die Frauen-Abteilung des viermaligen Champions-League-Siegers 1. FFC Frankfurt.

Vor 16 Jahren führte der DFB die 2. Liga ein. Neben dem FCS, der heute in der 2. Bundesliga Süd spielt, waren bisher drei Saar-Clubs zweitklassig: Der FSV Jägersburg spielte als Gründungsmitglied bis 2007 sowie in der Saison 2008/2009 in der 2. Liga, der SV Bardenbach in der Saison 2012/2013 und der SV Dirmingen von 2007 bis 2009.