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Mit Ovid einen Teppich verstehen

Matthias Marx führte durch die neu gehängte Ausstellung. Höhepunkt war der Teppich „Metamorphosen“ aus 1939. Foto: Merkel
Matthias Marx führte durch die neu gehängte Ausstellung. Höhepunkt war der Teppich „Metamorphosen“ aus 1939. Foto: Merkel FOTO: Merkel
Eppelborn. Ein Teppich von anno 1939 ist eines der neuen Ausstellungsstücke, die ab sofort im Eppelborner Jean-Lurçat-Museum zu sehen sind. Museumsleiter Matthias Marx führte jetzt durch die neu gehängte Ausstellung. Carolin Merkel

. Noch immer kann Dechant Matthias Marx, Leiter des Jean-Lurçat-Museums, das Glück kaum fassen, das ihn und seine Mitstreiter der Paul-Ludwig-Stiftung im September ereilt hat. "Es ist oft ganz spannend, unverhofft tauchen plötzlich Stücke aus Nachlässen auf. Wir erhalten dann Mails von Menschen, die etwas entdeckt haben und natürlich auch wissen wollen, ob und was das Stück wert ist", erzählt Katja von Bünau, Vorstandsmitglied der Jean-Lurçat-Gesellschaft.

Sie hat sich auf den ersten Blick in das neue Stück verliebt. "Der Teppich ist ganz klar mein neues Lieblingsstück. Er kam in einem sehr guten Zustand bei uns an, und wir waren alle wirklich sehr überrascht von diesem tollen Exponat", sagt sie. Das ist irgendwo aufgetaucht, entdeckt und von einem großzügigen Unterstützer gekauft worden, wie Marx erzählt. "Jetzt hängt dieser Teppich aus dem Jahr 1939, also einer der frühesten Teppiche von Jean Lurçat, bei uns als Leihgabe. Wir hoffen, dass er eine Schenkung an das Museum wird", sagte er.

Um das Motiv der "Metamorphosen", der Verwandlungen, besser verstehen zu können, hatte Marx zur Vorstellung des neuen Teppichs am Montag mit Ovid einen römischen Klassiker mitgebracht. "Lurçat war humanistisch gebildet, ihm dürften diese uralten Geschichten um die Verwandlungen bestens bekannt gewesen sein", sagte der Leiter und Initiator des Museums. Ob sich aber auf dem Teppich zwei Wesen begegnen oder ob nicht doch nur eine Frau ihr Spiegelbild in einem Spiegel betrachtet, die Antwort auf diese Frage bleibt für den Betrachter offen. Ebenso ungeklärt ist auch, wie tief Lurçat auf einer Tapisserie in die Thematik einsteigen wollte. "Lurçat war ein lebenslustiger Künstler, der einfach auch Spaß an Farben hatte", ergänzte Katja von Bünau. Der Neuzugang korrespondiert in der neuen Hängung mit zwei weiteren frühen Werken. Alle drei sind noch durch einen Webrand gekennzeichnet. Außer der nun ältesten Tapisserie im Museum konnte auch noch erstmals ein Teller vorgestellt werden. Der Teller, der zwei Sirenen zeigt, wurde durch eine Erbschaft an das Museum übergeben.

Öffnungszeiten: mittwochs und sonntags von 14.30 bis 18 Uhr, Tel. (0 68 81) 89 78 88.