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Kulturamtsleiter von Eppelborn Aloysius Scholtes geht 2019 in den Ruhestand

Alyosius Scholtes geht in Rente : Er lässt nicht nur die Puppen tanzen . . .

Die 30. Figurentheatertage sind auch seine letzten als Kulturamtsleiter von Eppelborn. Aloysius Scholtes geht 2019 in den Ruhestand.

Wer in einem hübschen Schlösschen seinen Arbeitsplatz hat, beklagt sich nicht über 40 knarzende Holzstufen und das Fehlen eines Aufzugs. Jammern ist ohnehin nicht das Ding von Aloysius Scholtes. Nach 33 Jahren Dienst bei der Gemeinde Eppelborn, davon die vergangenen 27 Jahre beim Kulturamt, geht der dann 65-Jährige Ende des Jahres in den Ruhestand. Ein paar Tage vor Beginn der 30. Eppelborner Figurentheatertage (siehe Info) hat sich der scheidende Kulturamtsleiter Zeit für ein Gespräch mit der SZ-Redakteurin im Schloss Buseck genommen.

Als Seiteneinsteiger hat der Hüttigweiler Aloysius Scholtes in der benachbarten Gemeindeverwaltung Eppelborn genau den Arbeitsbereich gefunden, der ihm bis heute Freude bereitet. Eigene Ideen umsetzen, kreativ sein, etwas ausprobieren und zu sehen, wie es bei den Leuten ankomme – das mache Spaß. Ab und an Künstler zu engagieren, die noch nicht so bekannt sind, das fällt in der Gemeinde Eppelborn vielleicht leichter als anderswo. Denn Eppelborn ist reich gesegnet an ungewöhnlichen, kleineren Veranstaltungsorten mit besonderem Flair. Die Alte Kirche in Wiesbach beispielsweise, die Dirminger Scheune oder eben das Schloss Buseck, dessen Dachgeschoss nicht nur das Kulturamt beherbergt, sondern auch noch einen kleinen Veranstaltungsraum. Maximal 50 Stühle finden in der ehemaligen Gesindeetage Platz. Die „Bühne“ ist einfach eine Stufe höher, die Konzerte in Wohnzimmeratmosphäre ohne viel technischen Schnickschnack sind längst kein Geheimtipp mehr. Regionale Künstler wie Nino Deda oder Michael Marx, deren jüngste Konzerte hier ausverkauft waren, wissen die intime Atmosphäre zu schätzen.

Nicht alle kulturellen Angebote seien in den vergangenen Jahrzehnten von Erfolg gekrönt gewesen, „manchmal macht man auch eine Bauchlandung“, sagt Scholtes mit einem feinen Lächeln. Kein Fehlschlag war allerdings der Versuch, das Spiel mit Puppen und Figuren wieder salonfähig und vor allem interessant für Erwachsene zu machen. Der Marionettenbauer Dieter Blass hatte die Idee dazu, nachdem eine polnische Gruppe, die beim Figurentheater-Festival in Schweich aufgetreten war, einen Anschlusstermin in der Nähe suchte. Der damalige Bürgermeister Fritz-Hermann Lutz war einverstanden, der Grundstein für ein eigenes Festival in Eppelborn gelegt.

Vom 22. bis 25. März 1990 fanden die ersten Eppelborner Figurentheatertage statt. Sechs Gruppen traten damals an neun Terminen auf, erinnert sich Aloysius Scholtes. Das Programm wurde jedes Jahr weiter entwickelt, das Netz an Kontakten in der Figurentheaterszene weiter gesponnen. Mühsam war es indes, das Klischee des „Kaschperletheaters“ für Kinder abzulegen. Erst im fünften Jahrgang gelang der Durchbruch bei den Erwachsenen mit der „Zauberflöte“ mit Marionetten und Live-Gesang. Seither bleiben auch viele Erwachsene dem Eppelborner Festival treu, ein Selbstläufer sei es jedoch keineswegs, sagt Scholtes. „Die Figurentheatertage sind unser wichtigstes, aber auch teuerstes Kulturprojekt der Gemeinde.“ Dabei ist der Etat mit 18 000 Euro seit Jahren gleichbleibend, ohne Sponsoren wäre das Angebot so nicht zu halten. Wenn am Abend des 5. April der Vorhang hinter dem Theater con Cuore im Big Eppel fällt, beginnt eigentlich schon die Vorbereitung für die 31. Figurentheatertage. So war es jedenfalls in den vergangenen Jahren. Aloysius Scholtes könnte sich vorstellen, auch nach seinem Ruhestand das Festival zu betreuen. Man wird sehen. Für seine Nachfolge im Kulturamt gibt es etliche Bewerbungen. Nicht nur seine langjährige Mitarbeiterin Anneliese Wark ist gespannt.

Der „Tag der Jugend“ in Eppelborn, Illtal-Pedal, die Geschäftsführungen in drei Eppelborner Stiftung wie etwa der Kossmann-Stiftung, das Jahresprogramm für den Big Eppel, touristische Angebote der Gemeinde und vieles mehr fällt Scholtes ein, wenn er die Arbeit im Kulturamt der Gemeinde Revue passieren lässt. Die „vielfältige, sehr abwechslungsreiche Arbeitsstelle“ wird er noch bis zum Herbst mit dem bekannten Engagement ausfüllen. Doch dann will Scholtes mit Ehefrau Melitta, die ihn über die Jahre unterstützt habe, die arbeitsfreie Zeit genießen. Ein Wochenende, an dem man sich die kulturelle Veranstaltung nach persönlichem Gusto aussuchen kann – Luxus für einen Kulturamtsleiter. Mehr Zeit bleibe dann auch für die Hobbys wie Schwimmen, Radfahren oder Krimis mit historischen Hintergrund lesen. Trotzdem bereut es Aloysius Scholtes nicht, auf eine geregelte Schreibtischtätigkeit verzichtet zu haben. Das direkte Feedback der Bürger – manchmal gut, manchmal nicht so gut – mache einfach Spaß. Und in seiner sympathischen, bescheidenen Art konstatiert er: „Ich finde es gut, dass es jetzt einen Schnitt gibt. Dass jemand mit neuen Ideen kommt, der die Gemeinde voranbringt.“