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Interview mit Eppelborner Bürgermeister Andreas Feld zu 2021

Eppelborns Bürgermeister Andreas Feld im Interview : Kindergartenplätze sind Chefsache

So schauen die Bürgermeister im Kreis auf das neue Jahr: Andreas Feld legt besonders wert auf die Betreuung der Jüngsten.

2020 war so ziemlich für jeden Einzelnen, aber auch für die Kommunen ein Jahr zum Vergessen. Was waren die größten Herausforderungen für das Rathaus?

Andreas Feld: Seit März spielt das Virus in unserem Berufsalltag, aber auch im privaten Bereich täglich eine Rolle. Sehr schnell haben wir gehandelt und das öffentliche Leben soweit wie möglich runtergefahren. Wir haben mit abwechselnder Präsenz im Rathaus gearbeitet, um zu jeder Zeit ein Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort zu haben. Viele Stunden, vor allem am Wochenende musste das Personal in den zuständigen Fachbereichen damit zubringen, die neueste Corona-Verordnung zu lesen und die entsprechenden Beschlüsse umzusetzen. Die zunächst als  Kraftakt gesehene Maskenverteilaktion verlief dank unserer Ortsvorsteher und den vielen ehrenamtlichen Bürgerinnen und Bürgern, die viele Stunden ihrer Freizeit geopfert haben,  in allen Ortsteilen reibungslos. Vor der schrittweisen Wiedereröffnung des Rathauses für den Publikumsverkehr galt es zunächst, den Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewährleisten. Mit Spuckschutz, Maskenpflicht, Desinfektionsspendern und Terminvergabe haben wir viel für die Gesundheit des Personals und der Besucher getan. Die Terminvergabe sowie eine zentrale Anmeldung am Eingang zum Rathaus haben sich bewährt. In den Monaten, in denen die ersten Veranstaltungen wieder stattfinden konnten, hatte unser Ordnungsamt alle Hände voll zu tun. Die Online Plattform zum Anmelden von privaten Feierlichkeiten wurde gut genutzt. Die wohl größte Herausforderung waren die zahlreichen Quarantäne-Bescheide, die unser Ordnungsamt ausstellen und zusenden musste. Eins haben die Herausforderungen gezeigt: Sowohl bei meinem Personal als auch in der Bevölkerung kann ich auf jede und jeden Einzelnen zählen.

Wie sind die  Mitarbeiter des Ordnungsamtes damit klargekommen, Maskentragen oder Abstand halten durchzusetzen?

Feld: In der Gemeinde Eppelborn gab und gibt es für die Ortspolizeibehörde in Bezug auf die Corona-Verordnungen kaum Handlungsbedarf. Die meisten Menschen zeigen Verständnis, tragen ihre Masken, halten Abstand und setzen auch die Kontaktbeschränkungen um. An den Wochenenden arbeiten wir mit einem Sicherheitsdienst zusammen. Hier hilft meist schon die Präsenz. Belastet sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch die zahlreichen zusätzlichen Aufgaben, die ich bereits erwähnt habe. Aber auch der Umstand, dass sie täglich „Kundenkontakt“ haben, belastet das Personal zusätzlich.

Die öffentlichen Haushalte waren zuletzt auf dem Weg der Konsolidierung. Mit dem Saarland-Pakt haben die Kommunen alte Schulden abgebaut. Was wird daraus jetzt? Wann schlagen einbrechende Gewerbesteuern richtig durch?

Feld: Die Gemeinde Eppelborn konnte im Rahmen des Saarlandpakts bisher rund 40 Prozent ihrer Kassenkredite an das Land abgeben. Aufgrund der erwarteten Auswirkungen der Corona-Krise auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung und somit auch auf die Kommunalfinanzen kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Gemeinde im kurz- und mittelfristigen Zeitraum wieder neue Kassenkredite benötigen wird. Die Vorgaben des Saarlandpaktgesetzes, wonach die Kommunen bis 2024 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen müssen, dürften nach ersten Einschätzungen meines Kämmerers ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung durch Bund und Land nicht einzuhalten sein. Hinsichtlich der erwarteten Ausfälle bei der Gewerbesteuer kann derzeit noch keine belastbare Aussage getroffen werden. Mit zuverlässigen Daten kann frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2021 gerechnet werden. Die Kommune wird aus eigener Kraft nicht in der Lage sein, die wegbrechenden Einnahmen auszugleichen. Wir werden uns sicherlich bemühen,  durch eigene Anstrengungen einen Teil der Einnahmeausfälle aufzufangen. Allerdings wird, denke ich, letztlich nur durch Unterstützung von Bund und Land ein Ausgleich möglich sein.

 Was sind trotz Corona entscheidende Projekte im Jahr 2021?

Feld: Gleich zu Beginn dieses Jahres rücken die Bagger an und die alte Tankstelle gegenüber des big Eppels ist Geschichte. Allerdings wird es Zeit brauchen, den kontaminierten Boden auszutauschen. Ich habe  den Ausbau der Krippen- und Kindergartenplätze in unserer Gemeinde zur Chefsache gemacht. Aufgrund der Pandemie muss zwar der öffentlichkeitswirksame Spatenstich an der Kita in Wiesbach ausfallen, aber die Bauarbeiten starten in diesen Tagen. Noch vor Sommer soll das Angebot in Dirmingen um eine Krippengruppe sowie eine Kindergartengruppe erweitert werden. Wir reaktivieren den ehemaligen katholischen Kindergarten Rothenberg. Mit dem Beschluss eines Neubaus ins Humes durch den Gemeinderat konnten auch hier die Weichen gestellt werden. Eine umfangreiche Sanierung steht dem Hellbergbad bevor. Große Investitionen gibt es in die Feuerwehr. Die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger ist mir sehr wichtig. Dank der Aufnahme in die Förderung durch das Land können wir den Bürgerbus an den Start bringen. Sobald es möglich ist, dass wir zu einem Arbeitstreffen einladen können, werden wir die rund 20 ehrenamtlichen Personen, die sich gemeldet haben, einladen und den Bürgerbus auf den Weg bringen.

 Kultur, Veranstaltungen, Altennachmittage – viele Dinge des öffentlichen Lebens haben massiv gelitten. Wie lässt sich das in den kommenden Monaten wieder in unser Leben zurückbringen?

Feld: Ich glaube, in Eppelborn ist nicht die Frage, wie wir die Veranstaltungen wieder ins Leben zurückbringen, sondern wann. Unsere Kulturveranstaltungen, aber auch die Konzerte und Theaterabende unserer Vereine waren vor der Pandemie ein Publikumsmagnet. Der Big Eppel war im Laufe des Jahres vielfach ausverkauft. Die Akteure stehen bereit, brennen darauf, wieder aktiv zu werden. Unsere Kulturabteilung und unser Kinder- und Jugendbüro haben viele Planungen gemacht, die vor allem kleinere Formate und regionale Künstler auf die Bühne bringen werden, sobald dies möglich ist. Hier hoffen wir auf den Sommer. Die Seniorentage werden von den Ortsräten durchgeführt. Sobald es die Zahlen zulassen und die Gesundheit der Gäste gesichert ist, wird es wieder losgehen.

 Bürgermeister besprechen sich untereinander oder besuchen Aufsichtsräte digital am Bildschirm. Hat das mehr Vor- oder Nachteile?

Feld: Ich treffe gerne Menschen und mag den persönlichen Austausch. Das ist digital nur sehr schwer möglich. Vor allem mussten wir uns alle am Anfang an diese Form der Kommunikation gewöhnen. Dazu haben auch technische Probleme gehört. Mittlerweile ist es fast Normalität geworden. Und die Videokonferenzen haben ganz klar auch ihre Vorteile. Es entfallen  Anfahrtszeiten, oftmals wird stringenter diskutiert.

 Home-Office ist von der Randerscheinung zu einem Modell für viele Arbeitnehmer geworden. Wie geht es damit weiter?

Feld: Im Frühjahr haben wir mit dem gesamten Rathausteam im wöchentlichen Wechsel im Schichtdienst gearbeitet. Das hat sich insbesondere im Bauhof über die gesamte Zeit durchgesetzt. Hier gewährleisten zwei gesonderte Teams zu jeder Zeit eine Einsatzbereitschaft. Unsere IT hatte viel zu tun, hat etliche Home-Office-Arbeitsplätze eingerichtet. Dieses Angebot wird von unserem Personal genutzt. Dort, wo Präsenz erforderlich ist, wie etwa beim Bürgeramt, ist es natürlich ein wenig schwierig. Ganz klar werden wir das Angebot zum  Home-Office fortsetzen. Es erleichtert die Arbeit für Personal, das Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu Hause hat.

 Was ist Ihr ganz persönlicher Wunsch für dieses 2021?

Feld: Ich würde mir wünschen, dass ich am Morgen in die Saarbrücker Zeitung schaue uns lese: „Wir haben Corona besiegt!“ Diese Hoffnung haben wir wohl alle. Für mich steht der Wunsch nach sozialen Kontakten ganz oben auf der Liste. Ich wünsche mir, dass es, sobald die Pandemie es zulässt, wieder ganz viele persönliche Begegnungen geben wird. Das wünsche  ich mir für unsere Kinder und Jugendlichen. Sie brauchen die Schule mit ihren Lehrer und Mitschülern, sie brauchen aber ebenso ihren Sport oder die Musik in den Vereinen und sie brauchen ihre Freunde. Das sehe ich an meiner Tochter. Ich wünsche mir aber genauso für die älteren Menschen, dass sie bald wieder ihre Familie, ihre Verwandten und Bekannten treffen können. Ich wünsche mir, dass die Menschen wieder in ihren Verein gehen können. Und natürlich wünsche ich mir auch für meine Familie, dass sich das Leben in diesem Jahr langsam wieder normalisiert.