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Kappensitzung: In Wiesbach sind die Nächte lang

Kappensitzung : In Wiesbach sind die Nächte lang

Nach der Sitzung mit Tänzen, Büttenreden und Musik war noch lange nicht Schluss.

Kappensitzungen sind und bleiben in unserer Region gesellschaftliche Großereignisse, die durch das gemeinsame ehrenamtliche Wirken vieler Beteiligter zum Fortbestand des Brauchtums wesentlich beitragen. Das trifft auch beim Vereinsring Wiesbach zu, der letzten Samstag zu seiner großen Galakappensitzung in die Wiesbachhalle eingeladen hatte. Der Vereinsring rief und alle kamen, die Halle war mit gut 400 Närrinnen und Narren ausverkauft; an der Kasse standen die Leute Schlange.

„Nahezu fast genau, und damit so gut wie nicht unpünktlich, so gegen nach etwas später als 19.11 Uhr“, so die sehr genau Beobachtung von Heiko Ehrhardt, zogen unter Begleitung des Musikvereins Wiesbach „Die Wilden Elf“, an der Spitze der Elferratspräsident Harald Fenrich, in Narrhalla in Wiesbach ein. Eine nennenswerte Besonderheit weisen die Wiesbacher Kappensitzungen auf: Der Vereinsring leistet sich nämlich mit der Blaskapelle „Die Wilden Elf“ ein vorzügliches Orchester, das pointensicher und tongenau die Sitzung orchestriert.

Durch einen Schunkelwalzer wurde dann auch die erste Bürgerin der Gemeinde, Birgit Müller-Closset, und der Wiesbacher Ortsvorsteher Stefan Löw begrüßt.

In der ersten Halbzeit zeigten Tanzmariechen und Minigarde das, was man mit viel Trainingsfleiß erreichen kann. Insbesondere, als sich die jungen Damen der Minigarde während ihres Showtanzes in der Mitte eines Boxrings zum Showdown trafen, blieb das Publikum nicht mehr auf den Stühlen sitzen.

Dass im Dorf alles seinen geregelten Gang geht, dafür sorgte der Dorfpolizist Atze Lambert. Aber auch für diesen wird es schwer, wenn wegen der behördlichen Unterstützung einer vollkommen unbekleideten Dame auf dem Outreau-Platz im digitalen Zeitalter Fake-News auf Facebook auftauchen.

Die Personalnot der heutigen Zeit bekamen auch die „7 Zwerge vom Spatzenberg“ zu spüren. Mit nur noch drei Zwergen (Theresa, Mathias und Peter Schikofsky) im Dienst, dafür mit spitzer Zunge und natürlich die Schwächen der Kollegen entlarvend, wurde klargestellt, was Mallorca, der Gipser, mehrere Stubbi und ein dralles „Sahnetörtchen“ miteinander zu tun haben.

Den zweiten Teil der Sitzung eröffnete der Fanfarenzug der Feuerwehr Eppelborn. Die schmissigen Fastnachtsrhythmen erhitzten das närrische Auditorium. Zudem hatte der Fanfarenzug dann auch noch das Prinzenpaar von Eppelborn mit einem kleinen Gefolge im Schlepptau.

Ein Jubiläum mit „1x11 Jahren“ in der Bütt feierte der Fernsehgraf, Timo Ehrhardt. Er zauberte wieder eine perfekte Mischung aus intelligentem politischen Humor und Standup-Comedy.

Wenn sie sich nicht gerade streiten oder unter ihren Schwiegermüttern leiden, dann kennen sich „Schmal und Schmächtich“ alias Thorsten Feiß und Heiko Ehrhardt bestens mit dem Ortsgeschehen aus. Was passiert auf der Gemeinde bei einer Neueinstellung? Kommt ein Ortsvorsteher in den Himmel? Warum nimmt man von Shampoo zu? Fragen, die ausführlich beantwortet wurden.

Die zweite Halbzeit forderte zum Ende hin von Elferrat und Publikum alle Reserven. Gut vorgewärmt von der Blasmusik der „Wilden Elf“, die mit Krachern wie „Dem Land Tirol“ den Saal zum Kochen brachten, musste gegen Ende der Sitzung einfach gestanden, getanzt und geklatscht werden. Die vielen Vögel im Schautanz der Aktivengarde, die blitzsauberen Flugbegleiterinnen des Habacher Männerballetts, die zweimal vom Großflughafen Wiesbach aus Passagiere um die Welt flogen und zum Schluss die Habacher Herold-Sänger sorgten dafür, das mal wieder keiner die Halle verlassen wollte.

Erst langsam, als sich herumsprach, dass in der berüchtigten Knickschussbar die Cocktails lecker und kalt sind, leerte sich der Saal und das närrische Volk feierte noch weiter bis in den frühen Morgen.