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„Herr des Museums“ sitzt in der Mitte

Der Künstler Sebastian Kaps mit dem von ihm geschaffenen Abbild Jean Lurçat aus Beton, sowie Matthias Marx von der Jean-Lurçat-Gesellschaft (von links). Foto: A. Meyer
Der Künstler Sebastian Kaps mit dem von ihm geschaffenen Abbild Jean Lurçat aus Beton, sowie Matthias Marx von der Jean-Lurçat-Gesellschaft (von links). Foto: A. Meyer FOTO: A. Meyer
Eppelborn. Ein lebensnahes Abbild des französischen Malers, Keramikers und Bildwirkers Jean Lurçat hat jetzt die gleichnamige Eppelborner Gesellschaft vorgestellt. Die Beton-Skulptur hat der Künstler Sebastian Kaps gefertigt. Anika Meyer

. Was kann das nur sein? Ein neu erworbenes Kunstwerk für die Sammlung? "Irgendwie schon, aber nicht direkt." Von Lurçat ja sicher, oder? "Ja und nein." Dechant Matthias Marx und Katja von Bünau von der Jean-Lurçat-Gesellschaft machten es ganz schön spannend. Mitten im Ausstellungsraum des Lurçat-Museums Eppelborn stand ein verhülltes Etwas, um das sich die Besucher voller Neugierde versammelt hatten. Fünf langjährige ehrenamtliche Helferinnen des Vereins durften das Geheimnis schließlich lüften: Unter dem Leintuch zum Vorschein kam in der Tat ein Lurçat - ein lebensnahes Abbild des französischen Malers, Keramikers und Bildwirkers, aus Beton und 180 Kilo schwer.

Die Arme entspannt auf die Knie gelegt, die Hände locker um drei Pinsel gefaltet sitzt er da, den Blick leicht links gerichtet. Die Pose hat der Schöpfer der Skulptur, der Saarbrücker Künstler Sebastian Kaps, einem Foto abgeschaut, aufgenommen 1965, ein Jahr vor dem Tod Lurçats. Genauso wie er in seinem Atelier in Südfrankreich seine Werke betrachtete, betrachtet er sie jetzt in Eppelborn . Staunen und Entzücken bei den Besuchern des Sommerfestes des Museums, in dessen Rahmen die Enthüllung am Montagmittag stattfand. Von allen Seiten begutachtete man den Beton-Lurçat, schaute ihm tief in die Augen, zückte die Kameras. "Seit zweieinhalb Jahren mache ich solche Plastiken.", erklärte Sebastian Kaps. "Etwa zwei Wochen habe ich bei dieser für die Betonarbeit gebraucht, eine weitere für die Bemalung." Bei der Farbgebung hat Kaps etwas experimentiert, hat Lurçat die für dessen Tapisserien typischen Blätterranken aufs Hemd gemalt. Die Schuhe sind auf dem Foto nicht zu sehen, deshalb trägt der Eppelborner Lurçat ein Beton-Duplikat eines Paares seines Schöpfers. Der Schemel, auf dem er sitzt, wurde vervielfältigt, sodass sich die Museumsbesucher zu ihm gesellen können.

Das Sommerfest feierte die Lurçat-Gesellschaft bereits zum zwölften Mal, anlässlich des Jubiläums der Museumsgründung, wie Von Bünau erklärte. Über den gesamten Tag verteilt konnte man in Führungen Näheres über die Werke Lurçats erfahren, unter anderem über fünf jüngst ersteigerte Gemälde: Eine Hafenansicht, zwei Stillleben, das Portrait einer Bäuerin und "Nostromo" - Wasser, Ruinen, verlorene Pflänzchen, wüste Leere. Unheilvolle Zukunftsahnungen sollen damals, am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, das Gemüt des Künstlers beschwert haben.

Im Hof des Museums saß man derweil bei schönstem Sonnenschein, unterhielt sich und genoss das französisch angehauchte kulinarische Angebot. Gegen Abend wurden die Feierlichkeiten ins Haus verlegt. Obwohl das angekündigte Quartett Komplementär absagen musste, genoss man ein geselliges Beisammensein - erstmals mit dem "Herrn des Museums" in der Mitte.

Das Jean-Lurçat-Museum Eppelborn hat geöffnet mittwochs und sonntags zwischen 14.30 und 18 Uhr. Infos unter www.jean-lurcat.de oder Telefon (0 68 81) 89 78 88.