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Gibt es ein Leben ohne Aldi?

Eppelborn. Die Info-Veranstaltung zum Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Gemeinde Eppelborn am Dienstagabend im Big Eppel geriet beinahe zur Diskussion der Frage, ob ein Leben ohne Aldi möglich ist. Denn Aldi will vergrößern, was am aktuellen Standort wohl nicht machbar ist. Solveig Lenz-Engel

. Eigentlich hatte sich die Eppelborner Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset von diesem Abend neue Impulse und Ideen von Eppelborner Bürgern, Gewerbetreibenden und Geschäftsleuten hinsichtlich der Festlegung und Gestaltung eines zentralen Versorgungsbereichs (siehe Info) erhofft, doch - nicht ganz unerwartet nach der bisherigen Debatte um das Thema - ging es dem Publikum vor allem um Aldi. Wie berichtet, will der beliebte Discounter (seit August 2002 mit 750 Quadratmetern im rückseitigen Erdgeschoss des Big Eppel ) gewaltig wachsen. Aldi möchte daher einen neuen Standort in Eppelborn mit viel mehr Platz, auch für Parkflächen. So kam - vehement befeuert unter anderem von Ortsvorsteher und CDU-Fraktionschef im Gemeinderat, Berthold Schmitt - das bisher gewerblich nicht genutzte Areal am Güterbahnhof (hinter Steinkunst Pink) in den Fokus. Dort könnte problemlos Platz für Aldi (und mehr) nahe am Zentrum geschaffen werden, plädierten am Dienstagabend auch mehrere Sprecher aus dem Publikum. Für sie alle ist der Discounter unverzichtbar, nicht zuletzt, weil er als "Frequenzbringer" die Kunden, auch für die anderen Anbieter, nach Eppelborn bringe.

Als Experten hatte die Verwaltung Diplom-Betriebswirt Leander Wappler von der Industrie- und Handelskammer (IHK) und Diplom-Ingenieur Norbert Lingen vom Fachbüro Markt und Standort geladen. Lingen hatte bereits im November das von seinem Unternehmen erarbeitete Einzelhandelsgutachten für Eppelborn vorgestellt.

Die beiden Profis in Sachen Stadt- und Einzelhandelsentwicklung waren einig, dass es für die Eppelborner Entwicklung sehr gefährlich werden könnte, am Güterbahnhof große Märkte anzusiedeln. "Innen-Entwicklung geht vor Außen-Entwicklung", plädierte Wappler vehement für die Konzentration der Anstrengungen auf das alte, ohnehin nicht unproblematische Zentrum. Schließlich gehe es nicht nur um die Verbrauchermärkte, sondern auch um die kleinteiligen Geschäfte, um Gastronomie und sonstige Dienstleister. "Der Güterbahnhof ist kein integraler Standort", sieht Wappler wenig Chancen, dass die Landesplanung einer entsprechenden Vergrößerung des zentralen Versorgungsbereiches zustimmen würde.

Genauso deutlich wurde Norbert Lingen: "Der Güterbahnhof-Bereich wäre eine Konkurrenz für das bestehende Angebot." Zwar sei es durchaus sinnvoll Potenzialflächen als Reserve für Ansiedlungen im "unmittelbaren räumlichen Kontext" anzubieten, der Güterbahnhof, obendrein verkehrstechnisch problematisch, erfülle dieses Kriterium nicht. Dorthin kämmen die Leute mit dem Auto und würden ohne Gang in die Gemeinde wieder wegfahren. Wappler und Lingen wünschten den Entscheidern vor Ort den Mut, den mächtigen Discountern auch mal die Stirn zu bieten und nicht immer auf deren Forderungen einzugehen.

Birgit Müller-Closset zeigte sich angesichts der "guten Umsätze des Eppelborner Aldi" zuversichtlich, dass der Discounter am Ort bleiben werde. Man sei in Verhandlungen, welche Optionen sich zentral noch böten. Und für den von ganz vielen Kunden gewünschten Drogerie-Markt sieht sie gute Chancen in dem Neubau-Projekt (Wohnen und Gewerbe), das zwischen Big Eppel und Marktplatz entstehen soll. Dazu werde es auch noch eine Bürgerinformation geben.

Die Eppelborner Gremien werden sich weiter mit dem Ansiedlungs-Thema befassen. In Arbeit ist auch noch das städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) für Eppelborn , das bis Ende des Jahres im Rahmen des Städtebau-Förderprogrammes "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" erstellt sein soll. Die Festlegung des zentralen Versorgungsbereiches muss sinnvollerweise mit dem ISEK abgestimmt sein.

Zu berücksichtigen sind dabei auch Fakten - genannt am Dienstagabend - wie der dramatische Bevölkerungsschwund in Eppelborn : 17 350 Bürger waren es 2009, aktuell sind es 16 480, für das Jahr 2030 werden 14 500 Einwohner prognostiziert. Es verschwindet zahlenmäßig ein ganzer Ortsteil. Um die Ortsteile wird man sich auch Gedanken machen müssen. Das Einzelhandels-Gutachten empfiehlt zwar die Konzentration der Nahversorgungs-Angebote auf Eppelborn , dennoch müssen auch die Ortsteile noch Einkaufsmöglichkeiten haben. Womit, nicht nur in Eppelborn , nun wieder die rollenden Klein-Geschäfte im Lieferwagen interessant werden könnten.

Zum Thema:

Hintergrund"Zentrale Versorgungsbereiche" sind räumlich abgrenzbare Bereiche einer Gemeinde, denen aufgrund vorhandener Einzelhandelsnutzungen - häufig ergänzt durch diverse Dienstleistungen und gastronomische Angebote - eine bestimmte Versorgungsfunktion für die Gemeinde zukommt. Ein "Versorgungsbereich" setzt mithin vorhandene Nutzungen voraus, die für die Versorgung der Einwohner der Gemeinde - gegebenenfalls auch nur eines Teils des Gemeindegebietes - insbesondere mit Waren aller Art von Bedeutung sind. "Zentraler Versorgungsbereich" ist ein Rechtsbegriff , mit dessen Hilfe die dortigen Nutzungen geschützt werden, die Auswirkungen von Maßnahmen werden von der Landesplanung auch in Hinblick auf die Nachbar-Kommunen geprüft und bewertet. sl