Getanzte Flucht mit Heimatmusik

Sie erzählten, tanzten und sangen sich in die Herzen der Zuschauer: Die Mitglieder der Theatertruppe Mutanth erhielten im Eppelborner Big Eppel viel Beifall für ihr Stück „Kumbia 333“, das von einem Fluchtdrama in Mexiko handelt.

Die schlechte Nachricht gleich vorweg, nur rund 50 Zuschauer und damit ein fast intimer Kreis, hatten am Freitagabend den Weg in den Big Eppel nach Eppelborn gefunden. Dort gastierte mit dem Mutanth (Musiktanztheater) Theater aus Saarbrücken ein ganz besonderes Ensemble - eins, das sich Eppelborns Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset so sehr gewünscht hatte. Sowohl die Aufführung am Vormittag für Schulklassen als auch die Abendveranstaltung blieben leider hinter den Erwartungen der Verwaltungschefin und des Kulturamtes zurück.

Lebensfreude und Grauen

Am Inhalt des brandaktuellen Stücks, aber auch an den Akteuren konnte dies allerdings wohl kaum gelegen haben. Zur Aktualität trug nicht zuletzt die Verleihung des Friedensnobelpreises an Juan Manuel Santos bei, kolumbianischer Präsident, der sich unbeirrt für den Frieden in seinem Land einsetzt, und ambivalent dazu das erschreckende Ergebnis des Referendums, das eine Mehrheit gegen den Friedensvertrag in seinem Land brachte.

Die Truppe um Miguel Bejarano Bolivar erzählte, tanzte und sang sich am Freitagabend in Eppelborn mit dem Stück "Kumbia 333 - Mein Schicksal ist die Flucht - meine Heimat ist die Musik " ganz tief in die Herzen des Publikums. Das hatte es nicht leicht, Szenen mit voll überschäumender Lebensfreude wechselten sich mit dem nackten Grauen ab - eine Gratwanderung, die so manchem Zuschauer sichtlich schwer fiel. So wechselte sich immer wieder unbändige Lebensfreude , die von der kolumbianischen Musik und den Tänzen ausging mit schrecklichen Momenten auf der Flucht ab, die sprach- und atemlos machten. Ganz still, fast beklemmend, wurde es dann im Saal.

Bereits zu Beginn, als Margarita (Eliza Montes De Oca) das Leid ihrer Großmutter beklagte, wurde dem Zuschauer bewusst: Dieses schlimme Schicksal lässt sich nur mit dem unbändigen Lebensmut, der in Musik und Tanz Ausdruck findet, überstehen. Auf ihrer Flucht lernt Margarita den jungen Lorenzo (Miguel Bejarano Bolivar) kennen und lieben. Doch das Glück bleibt den beiden nicht holt. Wer sich in Kolumbien einer Gewerkschaft anschließt, ist mehr tot als lebendig.

Diese Erfahrung musste auch Lorenzo machen, seine Flucht über Mexiko führte schließlich nach Kuba. Dort lernte er eine Deutsche (Eva Lajko) kennen und floh mit ihr in ein graues und von Arbeit geprägtes Land. Doch selbst beim Einsammeln von gelben Säcken verliert Lorenzo seine Lebensfreude dank der Musik aus seiner Heimat nicht.

Malen mit Körpern

Kumbia 333 ist in spanischer Sprache, für die Übersetzung der Textpassagen sorgte eine Videoprojektion, die sich gut mitverfolgen ließ. Auf Requisiten verzichtet der Regisseur weitgehend, er malt mit den Körpern überaus beeindruckende Bilder. Damit lässt er spüren, wie sich Flucht und Heimweh anfühlen müssen.

Am Ende gab es viel Beifall für das außergewöhnliche Theatererlebnis. Allerdings hätte das Mutanth-Theater aus Saarbrücken deutlich mehr Zuschauer verdient gehabt, als letztlich den Weg in den Big Eppel nach Eppelborn gefunden hatten.

www.mutanth.de

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