Ganz ohne Worte

Jomi tourt regelmäßig durch Russland und Japan und ist Träger des Bundesverdienstkreuzes. Geboren ist er im Saarland und so kann man den Auftritt in Eppelborn quasi als Heimspiel werten.

. Läuft er gerade Ski? Schiebt er einen schweren Karren vor sich her? Ein paar Minuten brauchte man, um sich auf Jomis Sprache einzustellen. Um aus unserer Welt, in der oft nur der Lauteste gehört wird, in die des gehörlosen Pantomimekünstlers einzutauchen.

Vollkommen still war es am Sonntagabend im Big Eppel , so still, dass man Jomis Schritte hören konnte. Doch zusehends glaubte man, noch viel mehr zu hören und zu sehen, mehr als eigentlich da war. Bis man fast vergessen hatte, dass die lebendigen Geschichten, die sich auf der Bühne abspielten, von nur einer Person, mit nur Mimik und Gestik erzählt wurden.

Wenn einer bettelt und ein imaginärer zweiter legt ihm eine Münze in die Hand, kann man die Handlung des zweiten sehen? Bei Jomi kann man es. Auch glaubt man, die Musik zu hören, wenn er nicht nur Geige spielt, sondern mit seinem ganzen Körper den Takt wiedergibt und sich schließlich vor dem (offenbar tosend applaudierenden) Publikum verneigt.

Für Jomi, übrigens Träger des Bundesverdienstkreuzes für seine Bemühungen um interkulturelle Beziehungen, war der Abend in Eppelborn ein Heimspiel. Studiert hat er an der Pariser École de Mimodrame, auf Tournee war er in Russland, Japan und anderswo, geboren ist er jedoch im Saarland. Kurioserweise, das berichtete Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset bei der Begrüßung des Publikums, ist er in der Heimat weniger bekannt und weniger gebucht als in der weiten Welt.

In Eppelborn war man umso stolzer, Jomi zu Gast zu haben und das bewusst am Volkstrauertag. "Er schenkt uns einen Moment der Ruhe und Besinnung und gibt uns einen intensiven Einblick in die Seele eines Menschen", sagte Müller-Closset.

Manchmal sogar gleich mehrerer Menschen, so bei einer Geschichte, die die Schriftprojektion neben der Bühne als "Am Fenster" betitelte: Da es im Fernsehen offenbar nur belangloses Geplapper gibt, wendet sich Jomi dem Fenster zu, zupft an den Blumen auf der Fensterbank und erspäht dabei eine Person nach der anderen, die seine Aufmerksamkeit auf sich zieht. In einem Fall allerdings unfreiwillig: Jomi gießt seine Blumen und mit ihnen versehentlich einen Passanten. Schnell versteckte er sich neben dem Fenster. Das Licht geht aus und Jomi taucht vor dem Fenster, als der frisch Benetzte wieder auf. Und zwar mächtig wütend. Er schimpft und reckt die Fäuste. Das Publikum kichert. Ebenso beispielsweise als der Pantomime, offenbar als charmante Dame mit Hang zum Falschparken, einen Polizisten becirct.

Einfachste Requisiten reichten Jomi aus und oft waren selbst die Requisiten nur gemimt: so wie die Blumen am Fenster oder Marionettenschnüre.

Mehr von Saarbrücker Zeitung