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Lebendiges Thema
Gärten sind Lebensraum für Mensch und Tier

Monika Lambert-Debong.
Monika Lambert-Debong. FOTO: Norbert Becker
Seit Jahren gibt es den Tag der offenen Gartentür. Auch im Kreis Neunkirchen waren neben dem Freizeitzentrum Finkenrech (wir haben berichtet) acht Gärten für die Besucher geöffnet. Wir werden sie in loser Folge vorstellen. Von Carolin Merkel

  Seit wann gibt es den Tag der offenen Gartentür, wie motivieren Sie die Gartenbesitzer zur Teilnahme?


Lambert-Debong: Der Tag der offenen Gartentür wurde vom Verband der Gartenbauvereine Saarland / Rheinland-Pfalz 2001 zum ersten Mal veranstaltet. Damals noch regional nur in der Südpfalz. Der damalige Vorsitzende des Kreisverbandes Germersheim hatte die Idee. Die Saarländer im Vorstand des Verbandes fanden diese damals nicht so gut und so wurde einfach mal in der Südpfalz begonnen. 21 Gärten waren geöffnet. 2005 waren dann auch schon Gärten aus dem Saarland dabei. 2008 zog die erfolgreiche Veranstaltung weitere Kreise in Rheinland-Pfalz. 58 Gärten waren dabei. 2017 hatte der Tag der offenen Gartentür im Saarland und in Rheinland-Pfalz seine bisher höchste Teilnehmerzahl. 243 Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer öffneten ihre Gärten. Das war bisher die höchste Zahl. Der Verband möchte die Aktion Tag der offenen Gartentür natürlich dafür nutzen, seine satzungsgemäßen Aufgaben zu erfüllen und seine Ziele zu erreichen. Will heißen: Wir wollen für die Erhaltung der Gartenkultur werben. Wir wollen für lebendige, liebenswerte, nützliche Gärten werben. Wir wollen Menschen fürs Gärtnern begeistern. Unsere Erfahrungen sind sehr positiv. Sonst würden wir die sehr aufwändige (und auch kostspielige) Aktion nicht mehr durchführen. Schön ist immer, wenn sich unmittelbar nach dem Tag der offenen Gartentür schon Teilnehmer fürs nächste Jahr anmelden oder sich notieren lassen, damit sie möglichst früh die Liste zugestellt bekommen. Gleich nach dem Aktionstag melden sich Gartenbesitzer fürs kommende Jahr an. Das waren heute Morgen schon drei. Aber auch Gartenfreunde, die Gärten besucht haben, und dabei den Entschluss fassen, im nächsten Jahr auch dabei zu sein und ihren Garten zu öffnen. Weil ihnen der Tag so gut gefallen hat und weil sie erkennen, dass ihr Garten auch schön ist und auch für andere zugänglich sein sollte.

 Gab es bereits aktuelle Reaktionen?



Lambert-Debong: Nach dem Tag der offenen Gartentür, erhalten wir durchweg positive Rückmeldungen — von den Teilnehmern aber auch von den Besuchern. Teilnehmer sagen häufig „Anstrengend, aber auch sehr schön“, „So viele nette Menschen in meinem Garten“, „Ich bin überwältigt, von der großen Besucherzahl“. Ähnlich ist es bei den Besuchern, die sich einfach an den Gärten erfreuen und nette Gespräche mit Gleichgesinnten führen, Gartenbesitzern wie Besuchern. Ich hoffe, dass der Tag der offenen Gartentür auch in Zukunft stattfinden kann. Das auch in den nächsten Jahren Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer ihren Garten für andere Gartenfreunde öffnen und sich im Vorfeld viel Mühe machen. Denn ohne diese Bereitschaft könnte die Aktion nicht stattfinden.

 Wie sehen Sie persönlich die Gartenkultur im Saarland, wie hat sie sich entwickelt, wo gibt es Schwachpunkte?

Lambert-Debong: Wie bei allem, gibt es positive und negative Entwicklungen. Licht und Schatten sind bekanntlich nah beieinander. Der Garten und das Gärtnern liegen im Trend. Wirtschaftlich gesehen ist das Handelssegment „Garten“ ein Wachstumsmarkt. Viele Menschen lieben es, im Garten zu werkeln, sich zu verwirklichen und ihr Umfeld gärtnerisch zu gestalten, einen lebens- und liebenswerten Garten zu gestalten. Für andere ist der Garten und das Gärtnern eine Last, was ihr Umfeld dann auch widerspiegelt. Gartenkultur ist aber auch Zeitströmungen unterworfen. Derzeit sind das auch die – aus meiner Sicht unsäglichen, Splittgärten. die landauf, landab entstehen. Für die einen passen diese zu der puristischen Baugestaltung, die derzeit modern ist. Klare Linien, grau und weiß, Stein und Edelstahl, aufgeräumt, kalt und abweisend, ja eben puristisch. Andere wollen pflegeleichte Gärten und werden scheinbar entsprechend beraten. Wobei Splittgärten nur für eine kurze Zeit pflegeleicht sind. Wir sehen Gärten in den Dörfern als Lebensraum, für Menschen und Tiere.

 Ein Wort zum Kreis Neunkirchen: Wie sehen Sie den Rosenkreis aufgestellt? Was bedeutet das Freizeitzentrum Finkenrech, was die Rosenkönigin für den Erfolg des Landkreises?

Lambert-Debong: Für den Landkreis Neunkirchen ist der Titel „Rosenkreis“ eine Ehre. Der einzige „Rosenkreis“ in Deutschland. Das Thema Rose ist übrigens auch ein „Hip“-Thema. Seminare über das Thema Rosen sind in der Regel ganz schnell ausgebucht, das Interesse ist groß. Der Landkreis bekennt sich zur Rose. In einigen Gesprächsrunden, bei denen ich auch teilnehmen durfte, wurden Ideen entwickelt, wie die „Rose“ im Landkreis noch stärker in den Fokus gerückt werden kann. Es sind gute Ideen, die sicher noch mal einen Schub geben. Das Umwelt- und Freizeitzentrum Finkenrech ist ein Aushängeschild für den Landkreis. Es ist ein wichtiger Impulsgeber für das Thema Gartenkultur, für lebendige, vielfältige Gartengestaltung und natürlich für die Rosen In der Vergangenheit vielleicht mal etwas in den Hintergrund gerückt, wird die Rosenkönigin und jetzt auch ihre Rosenprinzessin auf sympathische Art für den Rosenkreis und für die Rose werben

  Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was sollte sich in der Gartenlandschaft im Saarland bewegen?

Lambert-Debong: Einmal tief durchatmen und träumen. Ja es wäre schön, wenn ich einen Wunsch frei hätte: Ich würde mir ein blühendes Saarland wünschen. Ein Land mit wunderschönen, lebendigen und farbenfrohen Gärten, mit gemütlichen wohnlichen Häusern. Nein, kein Land in dem Milch und Honig fließt, aber ein Land mit Dörfern, die freundlich und einladend wirken, in denen es sich gut leben und arbeiten lässt. Wäre schön, wenn private Häuser und Gärten, öffentliche Flächen und Plätze, Firmengelände und vor allem die auf mich so abschreckend wirkenden Diskounteroasen vor den Gemeinde- und Dorfeingängen entsprechend gestaltet werden für Menschen, Tiere, Insekten und Vögel.

Das Gespräch führte Carolin Merkel