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Bombenentschärfung
Um 11.23 Uhr war die Welt wieder in Ordnung

 Erleichterung nach Entschärfung der Bombe: v.l. Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset, Werner Fuchs und Dirk Otterbein vom Kampfmittelräumdienst.
Erleichterung nach Entschärfung der Bombe: v.l. Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset, Werner Fuchs und Dirk Otterbein vom Kampfmittelräumdienst. FOTO: Andreas Engel
 Eppelborn. 328 Helfer sorgten am Sonntag in Eppelborn dafür, dass die Entschärfung der 250-Kilo-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg planmäßig über die Bühne gehen konnte. Von Marc Prams

Als Dirk Otterbein gegen 11.30 Uhr im Kleintransporter   Werkzeuge richtet und auf der Ladefläche Ordnung macht, ist ihm nicht anzumerken, dass er noch vor wenigen Minuten eine 250-Kilo-Bombe entschärft hat. Zusammen mit Werner Fuchs hat der Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes des Saarlandes dafür gesorgt, dass die Anwohner des Eppelborner Ortskerns aufatmen könne. Relativ einfach sei die Entschärfung gewesen, meint Otterbein, weder Kopf- noch Heckzünder der Bombe seien verrostet und somit leicht zugänglich gewesen. „Es handelt sich um Aufschlagzünder, die nicht vorgespannt waren. Die Bombe lag allerdings wegen des Regens im Wasser, das wir zuerst noch abpumpen mussten“, erklärt er in ruhigem Ton.


74 Jahre lag der Koloss in unmittelbarer Nähe zu den Gleisen nur knapp unter Erde. Die Zeit hat allerdings kaum Spuren hinterlassen. „Man kann sogar noch die Farbe erkennen. Bei einer Wandstärke von einem Zentimeter kann man sich ungefähr vorstellen, wie lange es dauern würde, bis die weggerostet ist. Das passiert so schnell nicht“, sagt Otterbein. Dieser Typ Bombe sei der meist abgeworfene, weiß der Experte. Nun werde sie in ein Munitionslager gebracht und zu einem späteren Zeitpunkt in der Lüneburger Heide zerlegt. Aber bevor das Team Otterbein/Fuchs in den mehr als verdienten Feierabend geht, gibt es noch Komplimente von den Bombenentschärfern: „Das hat hier alles prima geklappt. Alles wurde in Ruhe organisiert und die Eppelborner haben sich super verhalten. Das haben wir auch schon anders erlebt“, sagt Otterbein.

Damit der gesamte Ablauf so reibungslos über die Bühne gehen konnte, mussten viele Hände mit anpacken: von der Gemeindeverwaltung, vom THW, von der Feuerwehr, dem DLRG, Malteser Hilfsdienst, DRK und von der Polizei. Ein Rad musste ins andere greifen, alles klappte tadellos.



Los ging es für die ersten der 328 Helfer am Sonntag gegen 6 Uhr. In der Hellberghalle liefen da die Vorbereitungen in Sachen Verpflegung an. Zwar hatten nur rund 50 der 800 Personen, die evakuiert wurden, ihr Kommen angekündigt, versorgt werden mussten aber auch die Helfer. Für jeden gab es ein Lunchpaket mit zwei Rohessern, zwei Brötchen, zwei Schokoriegeln und zwei Flaschen Sprudel. Diese Pakete mussten gepackt, dazu noch Brötchen für die Helfer im Rathaus geschmiert, Kaffee und Tee gekocht werden. DLRG und Malteser teilten sich diese Arbeit.

Und dann, um kurz nach sieben, kamen auch schon die ersten Evakuierten in die Hellberghalle. Familie Alavashi setzte sich an einen der vielen Tische. „Wir kommen aus Syrien und haben hier in der Nähe keine Verwandten, zu denen wir hätten gehen können. Also sind wir jetzt hier“, sagten die Vier. „Was sein muss, muss sein. Es ist gut, dass wir hier unterkommen und es ist sehr nett, dass wir sogar noch Kaffee bekommen.“

Kaffee gab es auch kaum 100 Meter weiter im Rathaus, wo Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset als Leiterin des Einsatzstabes dieselbe Ruhe ausstrahlte, die eigentliche alle Helfer verbreiteten. Von Hektik keine Spur. Auf einer großen Leinwand wurden alle Funksprüche dokumentiert, alle Einsätze koordiniert. So hieß es zur Überraschung aller bereits um 8.20 Uhr: Im Seniorenheim befinden sich keine Personen mehr. Das war weitaus früher als erwartet. Nur zehn Minuten später wurde allerdings relativiert: Es sind noch 15 Bewohner im Heim. Man war wieder voll im Zeitplan.

Auch sonst lief die Evakuierung ohne nennenswerte Schwierigkeiten. Ab 7.30 Uhr durften nur noch Autos aus dem Ortskern raus, die Zufahrten wurden gesperrt. Wer jetzt noch im Bett lag, wurde wenig später von Feuerwehr und Polizei per Lautsprecher aufgefordert, die Sperrzone, die sich über einen Umkreis von 300 Metern um die Bombe erstreckte, zu verlassen. Und um auf Nummer Sicher zu gehen, setzten sich ab 9 Uhr Klingeltrupps in Bewegung, die jedes Haus und jede Wohnung noch einmal überprüften.

Jedem dieser 19 Trupps war ein Mitarbeiter der Verwaltung zugeteilt. So auch Carsten Ackermann. „Sollten die Trupps noch Leute antreffen, die uneinsichtig sind und ihre Wohnung nicht verlassen wollen, können die Mitarbeiter der Verwaltung Zwang anordnen und die Polizei einschalten“, erklärte er. Das war allerdings nicht notwendig. Abgesehen von einem Anwohner, der überrascht schien, ob der geisterhaften Stimmung im verlassenen Ort und der immensen Präsenz von Polizei und Feuerwehr, wurde niemand angetroffen. Auch dieser Herr nahm es gelassen. „Dann geh ich in die Sauna“, meinte er und machte sich auf den Weg.

Nachdem alle Klingeltrupps Meldung gemacht hatten, mussten Dirk Otterbein und Werner Fuchs aber noch auf ihren Einsatz warten. Ein Hubschrauber der Bundespolizei nahm gegen 10.40 Uhr das Gebiet unter die Lupe. „Die Kollegen sind technisch so ausgestattet, dass sie Personen in dem Gebiet erkennen und Auffälligkeiten heranzoomen können“, erklärte Polizeisprecher Jürgen Glaub. Da niemand entdeckt wurde, verkündete die Bürgermeisterin um 10.47 Uhr: „Freigabe zur Entschärfung.“

Nach getaner Arbeit war Müller-Closset dann sichtlich zufrieden und stolz auf das Team: „Alles ist überplanmäßig gut verlaufen. Die Bevölkerung hat sich vorbildlich verhalten und die Hilfsorganisationen haben super zusammengearbeitet.“ Außerdem sei es für sie wichtig zu wissen, dass das kommunale Krisenmanagement mit zentraler Einsatzleitung im Rathaus so gut funktioniere.

Fast kann man von einem perfekten Tag sprechen, hätte nicht um 11.15 Uhr im Rathaus plötzlich eine Schreckensbotschaft die Runde gemacht: „Der Kaffee ist alle!“ Gut, dass acht Minuten später alles vorbei war.