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Firma Alois Gihl aus Eppelborn auf Abbruch und Tiefbau spezialisiert

Unternehmen Alois Gihl in Eppelborn : Mit schwerem Gerät Platz für Neues

Ein Familienunternehmen aus Bubach-Calmesweiler: Die Firma Alois Gihl ist seit über 70 Jahren in den Bereichen Abbruch, Tiefbau, Deponie, Entsorgung und Natursteinwerke im Südwesten Deutschlands tätig.

Der wunderschön restaurierte Oldtimer, ein Transporter der französischen Marke Berliet aus den 1950er-Jahren, ist der perfekte Hintergrund fürs aktuelle Familienfoto am Firmensitz in Bubach-Calmesweiler. Firmengründer Alois Gihl hatte ein Faible für die robusten Kraftfahrzeuge. Im Jahr 1948 gründete er ein Unternehmen, das Kohle und Baustoffe transportierte. Der gebürtige Niederbayer war während des Zweiten Weltkriegs in Eppelborn stationiert, lernte hier seine spätere Ehefrau Anna Theobald kennen und ließ sich im Eppelborner Ortsteil Calmesweiler nieder.

1950 kaufte Alois Gihl das Steinbruchgelände in St. Wendel-Haupersweiler. Dort begann er – zunächst von Hand – mit der Produktion von Schotter. Für Vater Alois war es eine Selbstverständlichkeit, dass der am 18. April 1950 geborene Sohn Hermann ebenfalls mit anpackte. Und das mit gerade mal 13 Jahren. „Das war schon heftig“, erinnert sich Hermann Gihl. Morgens Schule im benachbarten Rheinland-Pfalz, dann sechs Kilometer zu Fuß zum Steinbruch und dann Steine schleppen, Lastwagen beladen und natürlich auch selbst ans Steuer. Das war damals so. Im Jahre 1960 wurde dann die erste Baumaschine angeschafft und ein neues Geschäftsfeld eröffnet, das sich in den folgenden Jahrzehnten rasant entwickeln sollte. Vor allem, als 1977 die Alois Gihl GmbH gegründet und Hermann Gihl zum Geschäftsführer wurde. Tatkräftig unterstützt von Ehefrau Gertrud, die fürs Betriebswirtschaftliche zuständig war und erst im Januar dieses Jahres mit 66 Jahren in den Ruhestand ging. „Sie war immer das Bindeglied zwischen Familie und Firma“, verrät Sohn Matthias. „Und die gute Seele.“

Der 42-jährige Matthias hat Groß- und Einzelhandelskaufmann gelernt, sein zwei Jahre älterer Bruder Martin ist Straßenbaumeister und seit 2016, dem Firmenabschied von Hermann Gihl, alleiniger geschäftsführender Gesellschafter. Über 70 Mitarbeiter und ein Jahresumsatz, der zwischen sechs und acht Millionen Euro schwankt – so stellt sich die Alois Gihl GmbH heute in Bubach-Calmesweiler dar. An vier weiteren Standorten im Saarland und in Rheinland-Pfalz ist die Gihl-Gruppe aktiv. Vor allem in den Bereichen Abbruch alter Gebäude, Hallen, Fabriken und aller sonstigen Gebäude wurde in den vergangenen 30 Jahren am stärksten investiert und Abbruchtechniken weiterentwickelt. An ein paar außergewöhnliche Aufträge erinnern sich die Familienmitglieder im SZ-Gespräch. Etwa an den Abriss des 55 Meter hohen Schornsteins (Hochkamin) auf dem Gelände der ehemaligen St. Ingberter Brauerei Becker. Unter der Regie der Firma Gihl wurde das Industriedenkmal am 27. August 2013 gesprengt. Früher hat Hermann Gihl die Sprengungen noch selbst durchgeführt, natürlich mit Erlaubnis. Seit gut 20 Jahren übernehmen dies Firmen mit entsprechender Erfahrung.

Eine besondere Herausforderung sei 2005 der Abriss der Firma Agepan in Eiweiler gewesen, erzählt Martin Gihl. Innerhalb von nur drei Monaten mussten 300 000 Kubikmeter umbauter Raum abgerissen werden, damit der spätere Laminate Park entstehen konnte. Die Produktion von Faserplatten und Laminatböden wurde Ende des vergangenen Jahres jedoch eingestellt. Eingestellt werden musste auch – allerdings nur vorübergehend – das Fußballspielen im Saarbrücker Ludwigsparkstadion. Innerhalb des Areals des alten, 1953 eröffneten Ludwigsparks wird ein Stadionneubau errichtet. Die Abrissarbeiten der alten Tribünen haben am 18. Februar 2016 begonnen und wurden im Herbst 2016 abgeschlossen. Die Außenanlage des Stadions ist derzeit auch das größte laufende Bauprojekt der Gihl GmbH, die neben Abbruch und Recycling die Standbeine Tiefbau, Straßenbau, Außenanlagen und Entsorgung/Deponie hat. Die Brüder äußern sich erwartungsgemäß vorsichtig zu einem Fertigstellungstermin des Stadions. „Sicher dauert es noch ein paar Monate“, meint Martin Gihl mit einem Lächeln. Er berichtet, dass es wie in vielen Handwerksberufen schwierig sei, Nachwuchs zu finden. Das Unternehmen bildet Straßenbauer, Land- und Baumaschinenmechaniker sowie Bürokaufleute aus.

Gerne hätte die Familie mit Senior Hermann Gihl dessen 70. Geburtstag am 18. April im großen Kreis gefeiert, natürlich mit den Mitarbeitern. „Wir pflegen ein sehr kollegiales und persönliches Miteinander“, sagt Ehefrau Gertrud, ein gutes Betriebsklima sei stets sehr wichtig gewesen. Nun, die Feier wird sicher irgendwann nachgeholt. Bis dahin wird Hermann Gihl, der früher ein begeisterter Skifahrer war und 40 Jahre lang Theater im Ort spielte, wenigstens seinem Hobby Jagd nachgehen können. Denn dies ist trotz derzeitigem Kontaktverbot weiterhin möglich.

Da bleibt nichts übrig: Immer häufiger werden alte Häuser abgerissen – hier eine Aufnahme aus dem Raum Trier – weil die neuen Besitzer nach ihren Wünschen neu bauen wollen. Foto: Martin Gihl
Im Kanal- und Rohleitungsbau steht das Unternehmen oft vor größeren Herausforderungen, etwa durch enge Straßen. Foto: Martin Gihl
Erst abgerissen, jetzt neu gebaut: Die Neugestaltung der Außenanlage des Saarbrücker Ludwigsparks ist das größte laufende Bauprojekt der Firma. Foto: Martin Gihl

Zum Schluss dann noch eine letzte Frage, was Hermann Gihl denn ursprünglich gelernt habe. „Gar nix“, kommt die bescheidene Antwort wie aus der Pistole geschossen. Andere würden sagen: Eigentlich alles, was mit dem Bau zu tun hat. Außer Betriebswirtschaft, erklären die Söhne. Und Gertrud Gihl fügt lachend hinzu: „Desweje hat er mich geheirad!“