| 20:38 Uhr

Neue Hängung
Farbenfrohe Werke in Tusche und Öl

Eine neue Hängung wurde im Lurcat-Museum eröffnet. Matthias Marx (links) erläutert die Werke einem interessierten Publikum.
Eine neue Hängung wurde im Lurcat-Museum eröffnet. Matthias Marx (links) erläutert die Werke einem interessierten Publikum. FOTO: Carolin Merkel
Eppelborn. Im Jean-Lurçat-Museum sind seit Montag sehr frühe und sehr späte Werke des Künstlers zu sehen. Von Carolin Merkel

So richtig konnte es Dechant Matthias Marx, Leiter des Jean-Lurçat-Museums in Eppelborn, am Montagabend nicht abwarten, bis alle Gäste der Eröffnung der neuen Hängung eingetroffen waren. „Schauen Sie, das ist das letzte Bild, das der Maler kurz vor seinem Tod im Jahr 1965 gemalt hat. Wenn ich einmal sterbe, möchte ich auch so ein fröhliches und farbenfrohes Bild malen“, erklärte er. Das Bild, die Gouache „Santa Cruz“, die erstmals im Museum zu sehen ist, bildet mit einigen weiteren ganz späten Werken des französischen Malers den absoluten Kontrast zu seinen frühen Arbeiten.


Werke aus den Anfängen, dazu einige Spätwerke, sie bilden den Kern der neuen Hängung, die Marx am Montagabend einem überaus interessierten Publikum vorstellen durfte. Eins gleich vorweg: Die gute Stunde, in der er in das Werk des Malers einführte und zu den Bildern, Keramikern und Wandteppichen in der Ausstellung allerlei Wissenswertes parat hatte, verging wie im Flug. Matthias Marx schafft es, seine Begeisterung für die facettenreiche Kunst Lurçats auf die Museumsbesucher zu übertragen. Dabei gibt er eine Einführung in das Schaffen, ordnet die Werke zeitlich ein, lässt aber auch viel Raum für eigene Interpretationen. Wobei: Marx warnt gerne davor, zu viel in ein Bild interpretieren zu wollen, mag es lieber, wenn die Besucher die Bilder einfach betrachten. So wie die Vielzahl der frühen Werke, die in der Zeit des Ersten Weltkrieges entstanden sind.

In Tusche, als Bleistiftzeichnung, aber auch in Öl zeugen sie von der Schaffenskraft des Soldaten Lurçat, der seine unterschiedlichsten Eindrücke aus dem Kriegsgeschehen in seinen Bildern verarbeitet hat. „Wohl eher untypisch für einen französischen Soldaten“, erklärt Marx, sei bereits 1916 der Traum von einem neuen Europa bei Lurçat. Während diese Werke aus eher dunklen Tagen oftmals sehr positiv wirken, sind seine Werke aus den 1930er Jahren, die ebenfalls neu in der Ausstellung zu sehen sind, eher befremdlich. Sie zeigen zumeist verstört wirkende Menschen am Strand. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Lurçat eine sehr glückliche Zeit mit Frau und Kind, zudem in Reichtum verlebt hat.

„Die Diskrepanz zwischen seiner Lebenssituation und seinen Bildern zieht sich bis zu seinen späten Werken durch, nur so konnte er am Ende seines Lebens wohl solch farbenfrohe und fröhliche Bilder vom Strand malen“, sagte Marx. Neben dem Spätwerk präsentiert Matthias Marx mit dem Team der Jean-Lurçat-Gesellschaft auch einige Leihgaben aus privatem Besitz in der aktuellen Ausstellung. Hier, verriet er, warte er noch auf den unscheinbaren Besucher mit dickem Geldbeutel, der dem Museum zu dem ein oder anderen Bild verhelfen wird. Abgerundet wird die neue Hängung von frühen und späten Teppichen des Künstlers sowie einigen bisher nicht gezeigten Keramiken.

Das Jean-Lurçat-Museum Eppelborn in der ehemaligen Mädchenberufsschule findet man: Auf der Hohl, 66571 Eppelborn, Öffnungszeiten: mittwochs und sonntags von 14.30 Uhr bis 18 Uhr, Führungen auf Anfrage. Kontakt: Telefon (0 68 81) 89 78 88 oder beim Kulturamt Eppelborn unter (0 68 81) 96 26 28.