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Öko-Bauernhof Wackenberg Wiesbach
Auf dem Weg zum Öko-Bauernhof

Die Bauernfamilie Dörr aus Wiesbach hat ihren Betrieb auf ökologischen Landbau umgestellt. Hier: Hildtrud Dörr mit ihrem Sohn Johannes.
Die Bauernfamilie Dörr aus Wiesbach hat ihren Betrieb auf ökologischen Landbau umgestellt. Hier: Hildtrud Dörr mit ihrem Sohn Johannes. FOTO: Andreas Engel /
Wiesbach. Am Wackenbergerhof in Wiesbach hat sich so manches verändert. Zum Vorteil von Mensch und Natur.

Neue Wege, die eigentlich ja gar nicht so neu sind, beschreitet die Bauernfamilie Dörr, die in Wiesbach den Wackenberger Hof bewirtschaftet. Sie schlagen den Weg vom herkömmlichen Landbau mit hohen Kosten und allen Folgen, die daraus resultieren, hin zur ökologisch ausgerichteten Landwirtschaft ein. „Wir haben es zu keiner Zeit bereut, wenngleich die Umstellung nicht leicht gewesen war“, sind sich alle einig.


Vor vier Jahren mussten Matthias und Hiltrud Dörr feststellten, „dass es so nicht mehr weitergehen kann“. Über viele Jahre hinweg hat Landwirschaftsmeister Matthias Dörr mit seiner Mannschaft eine konventionelle Landwirtschaft mit schnellen Fruchtwechseln und eher wenigen Getreidesorten betrieben. Dazu kam eine Schweinezucht, später verlegte man sich nur noch auf Schweinemast. „Als wir merkten, dass wir mit dem Verkauf des Fleisches nicht einmal mehr die Futtermittelkosten, Energie und Personal bestreiten konnten“, habe das endgültig den Ausschlag zum Umstieg, „zuerst nur gedanklich“, in Richtung ökologisches Wirtschaften gegeben. 2011 wurden die letzten Schweine verkauft. Die Schweinezucht habe gezeigt, so Matthias Dörr, dass die konventionelle Landwirtschaft in die Sackgasse führe. Dörr wurde Mitglied im Biolandverband und sein Betrieb wurde gemäß Eu-Öko-Verordnung zertifiziert. Jährlich finden Kontrollen statt, ob alle vertraglichen Vereinbarungen laut Verordnung auch eingehalten werden.

Mit ihrer Entscheidung liegt die Bauernfamilie Dörr offenbar goldrichtig. Denn nach einer Meldung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sei der ökologische Landbau in Deutschland auch 2017 deutlich gewachsen. Damit setze sich der positive Trend fort. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche sei um fast zehn Prozent gewachsen. Auch die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe habe sich um 8,3 Prozent erhöht. Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, erklärte dazu im Juli, dass biologisch basierte und konventionelle Landwirtschaft Anbauweisen seien, die zusammen existieren können, nicht gegeneinander. Ob ein Landwirt ökologisch oder konventionell wirtschafte, könne jeder für seinen Betrieb selbst entscheiden. Es liege an den politischen Rahmenbedingungen, so Klöckner, ob die Politik Hürden senke und Bauern Mut mache, den Weg des Biolandbaus zu gehen. Auch die Nachfrage nach Produkten aus ökologischem Anbau wachse stetig.



Das bestätigen Hildtrud und Matthias Dörr, die ihre Produkte direkt vermarkten. Im Eingangsbereich ihres Betriebes ist ein Häuschen errichtet, in dem die Familie ihre Produkte verkauft. Zudem gibt es in der Umgebung noch weitere Betriebe, die die Produkte vom Wackenberger Hof übernehmen. Auf dem Hof werden Eier von den 950 Freilandhühnern, Getreide, Obst und Gemüse erzeugt. „Uns freut, dass wir so viele positive Rückmeldungen von den Kunden erhalten“, berichtet Hildtrud Dörr. Das mache Mut.

Früher hat der Betrieb Raps, Weizen, Futtergetreide und Kartoffel angepflanzt. Heute hat sich das Angebot deutlich ausgeweitet. Hafer, Dinkel, Roggen, Kresse, Linsen, Erbsen, Ackerbohnen und vieles mehr bauen die Dörrs an. Diese Diversivität mache sie auch unabhängiger. „Sollte mal ein schlechtes Jahr für Weizen die Ernte beeinträchtigen, schadet uns das weniger als früher, weil wir viel mehr Produkte anpflanzen. Hat eine schlechte Weizenernte vor der Umstellung unseren Umsatz etwa zu einem Drittel geschmälert, ist es heute nur noch vielleicht ein Fünftel oder Sechstel. Zudem sparen wir enorme Mengen an Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Wir haben unseren Betrieb zukunftssicher gemacht“, sagt Dörr nicht ohne Stolz. Das haben auch die Söhne Jonas (31) und Johannes (28) erkannt, die beim Projekt „Ökobauernhof Wackenberg“ dabei sind.