| 20:25 Uhr

Leerstände im Kreis
Ein altes Haus als Entwicklungsbremse

Der Eppelborner Markt (Foto) und die umliegenden Straßen leiden unter Abgeschnittensein und Unsichtbarkeit für Ortsunkundige.
Der Eppelborner Markt (Foto) und die umliegenden Straßen leiden unter Abgeschnittensein und Unsichtbarkeit für Ortsunkundige. FOTO: Andreas Engel
Eppelborn. Die Hauptstraße als wichtigste Einkaufs- und Geschäftsmeile in einem Ort heißt in Eppelborn Dirminger Straße und ist Teil der B 10. Eine Hauptstraße gibt es im Ortsteil Wiesbach. Die SZ hat  sich im Rahmen ihrer Serie zum Zustand der Ortszentren jetzt in Eppelborn umgesehen. Von Solveig Lenz-Engel

Keine Frage, das Kultur- und Kongresszentrum mit dem wunderbaren Namen „Big Eppel“ bildet den Dreh- und Angelpunkt von Eppelborn. 2003 wurde der die Eppelborner Durchgangsstraße dominierende Bau eingeweiht und war seiner Zeit eigentlich weit voraus. Denn schon damals wurde verwirklicht, was heute als Lösung vieler innerstädtischer Raumprobleme gilt: Im  hinteren Bereich des Ergeschosses wurde mit Aldi ein publikumsstarker Discounter in der Ortsmitte angesiedelt. Darüber war dann Platz für den großen Veranstaltungssaal mit Nebenräumen für Praxen, Büros und Wohnungen. Zur Dirminger Straße hin sorgen weitere Geschäfte und ein — zurzeit allerdings leer stehender — Gastronomiebereich für Leben im Ort. Der  große Parkplatz hinter dem Big Eppel dient tagsüber den Kunden und abends Veranstaltunggästen.


Eine beinahe visionäre Sache, entstanden zu Zeiten des Eppelborner Bürgermeisters Fritz-Hermann Lutz (CDU), die es ermöglichte trotz klammer Kassen, den Eppelborner Traum von einer repräsentativen Veranstaltungsstätte zu verwirklichen.

Vision war auch, den Bereich des Europaplatzes, so die Adresse des Big Eppel, mit dem bereits bestehenden Marktplatz und den anderen Geschäftsstraßen, beispielsweise Am Markt, zu verbinden. Doch scheiterte dieses Vorhaben, an dem sich seit Jahren nun schon auch schon Lutz’ Nachfolgerin Birgit Müller-Closset (SPD) und der Gemeinderat die Zähne ausbeißen, an den Besitzern eines verfallenden Bauernhauses, das   im Wege steht. Der Eppelborner Gewerbevereinsvorsitzende Günter Schmitt   wertet  diese Situation als einen der Hauptgründe für die zahlreichen Leerstände im Ort und das insgesamt ziemlich unübersichtlich wirkende Erscheinungsbild des Ortes als Einkaufs- und Geschäftsgemeinde. „Schon Karl Eckert, der vor Fritz-Hermann Lutz Bürgermeister war, wollte vor 35 Jahren das Bauernhaus erwerben und abreißen lassen. Doch gab und gibt es immer wieder neue Schwierigkeiten“, sagt Schmitt, der seit Jahren in Eppelborn einen Friseur-Salon führt.



Die Versorgungssituation ist in Eppelborn grundsätzlich recht gut. Der Lidl-Markt liegt allerdings am Ortsrand Richtung Bubach-Calmesweiler, Aldi ist der Platz im Big Eppel mittlerweile zu knapp geworden, Wasgau hat seine Filiale  mit separatem Getränkemarkt hinter dem Marktplatz im Bereich des Bahnhofes. Die Politiker im Ort sind sich seit längerer Zeit nicht grün, was den so genannten zentralen Versorgungsbereich anbetrifft. Vor allem die CDU setzte  sich für  eine Erweiterung  in Richtung das bisher gewerblich nicht genutzten Areals am Güterbahnhof (hinter Steinkunst Pink) ein, konnte sich aber nicht durchsetzen.  Auch Günter Schmitt hätte das gut gefunden, um für  Aldi und möglicherweise auch andere Anbieter, wie einen  von den Verbrauchern sehr gewünschten Drogeriemarkt, Flächen  zur Verfügung zu haben. Die Gegner der Erweiterung halten sich unter anderem an die  städtebauliche Maxime „Innen-Entwicklung geht vor Außen-Entwicklung“, soll heißen, man will weitere Zersiedlung verhindern.Trotz dieser Problematik hat Eppelborn einiges zu bieten. Weithin bekannt sind beispielsweise die Konditorei Resch,  der Stammsitz der Juchem-Gruppe mit dem Backschwestern-Laden oder Möbel-Arop. Man kann in Eppelborn Autos und Matratzen kaufen, Internationales und Eis essen, Bier in etlichen Gaststätten trinken, Musikinstrumente erlernen, Bankgeschäfte erledigen und sich ziemlich oft frisieren lassen. Und einkleiden kann man sich hier auch von Kopf bis Fuß inklusive  feiner Wäsche. Und es gibt Altenheime direkt in der Ortsmitte. „Viele der Leerstände resultieren aus altersbedingten Geschäftsaufgaben“, meint Günter Schmitt, der die Hoffnung nicht aufgibt, dass mit dem Fall des alten Bauernhauses ein Aufstieg für Eppelborn beginnt.

Bereits erschienen: Illingen, SZ vom 21. Januar 2018;   Merchweiler, SZ vom 20. Februar 2018; Ottweiler, SZ vom 13. März.