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Diskussionen um umweltschädliches Plastikgranulat in Bubach-Calmesweiler

Neuer Kunstrasen in Bubach-Calmesweiler : Kicken auf sieben Tonnen Kork

Bangen um Fördergeld: Mitten in die Sanierung seines Kunstrasens erwischte die Diskussion über umweltschädliches Plastikgranulat auch den SV Bubach-Calmesweiler.

Im Stadion am Schloss haben die Kicker jetzt Kork unter den Schuhen. Das Projekt Sanierung Kunstrasenplatz SV Bubach-Calmesweiler ist abgeschlossen. Der alte Plastikgrashalm-Teppich mit Gummigranulat wartet abseits aufs Entsorgtwerden. Am kommenden Sonntag, 13. Oktober, feiern sie im Eppelborner Ortsteil offiziell Einweihung des runderneuerten Fundaments für ihre Fußballer. Beim Termin mit unserer Zeitung können die Projekt-Verantwortlichen doch ziemlich unbeschwert lachen, wenn sie fürs Foto die Korkkörnchen durch die Finger rieseln lassen.

Das war nicht immer so in den zurückliegenden Wochen. Da war Vorsitzendem Erich Horras, Kassierer Sebastian Michel und Jugendleiter Martin Saar das Lachen schon mal vergangen. Nicht nur, weil es auf der Baustelle hin und wieder hakte. Vor allem auch, weil sich ihr Sanierungsprojekt mit dem Szenario „Aus für Kunstrasenplätze wegen Umweltschutz?“ überlappte. Horras: „Da hat die Luft hier schon mal gebrannt: Wie geht es weiter?“ Hintergrund: Die Europäische Union will im Kampf gegen Plastikmüll umweltschädliches Füllgranulat mit Mikroplastik verbieten (die SZ berichtete, siehe „Info“).

Eine Schockwelle ging im Sommer durch die Amateurfußballwelt. Die EU gab ein Stück weit Entwarnung: Sie prüfe ein Verbot von Gummigranulat ab 2022. Die Entscheidung falle im Frühjahr 2020. Wichtige Fragen im Falle des Falles: Übergangsregelungen? Finanzhilfen? Alternatives Füllmaterial? Förderstopp neuer Bauvorhaben? Kosten Umrüstung? Förderprogramm Naturrasenplätze? Ende Juni hieß es, es gäbe für Gummigranulat keine Zuschüsse mehr, erinnert sich Horras. Da waren sie schon mitten drin im Sanieren, sagt Michel. „Wenn ihr nicht mit Kork macht, dann kriegt ihr nichts“, sah Horras seinen Klub unter Druck.

Sie sprachen mit Saarländischem Fußball-Verband, Sportplanungskommission und ihrer Vertragsfirma Polytan. Was jetzt tun? 30 Tonnen Gummigranulat waren bestellt und Bestandteil des Vertrags mit Polytan. Letztlich haben sie es hingekriegt: Kork statt Gummi. Aber über Kork gab es kaum Erfahrungswerte, wie Horras sagt. Wenig Transparenz zu Preis, Pflege, Nachfüllen. Der Finanzrahmen hatte Bestand: 230 000 Euro beträgt das Gesamtvolumen. 50 000 kommen von der Sportplanungskommission. Auf die Bedarfszuweisung aus dem Innenministerium warten sie noch („so zwischen 100 000 und 150 000 Euro“). Den Rest stemmen zu einem Drittel die Gemeinde Eppelborn und zu zwei Dritteln der Verein.

350 Mitglieder zählt der SV Bubach-Calmesweiler. Neben zwei aktiven Mannschaften (die Erste spielt in der Bezirksliga) kicken zwei AH-Teams (mit Humes und Eppelborn) sowie der Nachwuchs von Minis bis A-Jugend jeweils in Spielgemeinschaften.

Seit dem 21. August laufen wieder Trainings- und Spielbetrieb auf dem 104 mal 67 Meter großen Platz. Rund 7000 Quadratmeter hatten sie zu verlegen und zu befüllen. Ein Kilo Korkgranulat pro Quadratmeter (Gummigranulat vier Kilo pro Quadratmeter) macht sieben Tonnen Korkkörnchen zwischen den vier Zentimeter langen Halmen. Der alte Kunstrasen im Stadion am Schloss war nach 16 Jahren verschlissen. Ab 4. Juli entfernten die Experten den alten Belag, kontrollierten die elastische Trageschicht und besserten 50 Quadratmeter aus. Ab 3. August verlegten sie den neuen Kunstrasen, flickten die Linien ein. Eigentlich hatte alles Ende Juli fertig sein sollen, verzögerte sich aber „nach der ganzen Diskussion um das Gummigranulat“. Als dann am Freitag, 9. August, ein schweres Gewitter niederging, kam das für den Bubacher Platz zu früh: Der Halmenteppich war zwar ausgelegt. Sand und Kork sollten Montag folgen, lagerten abseits. Der Gewitter-Wind rollte das leichte, noch unbefüllte Grün auf. Arbeitsteam und Feuerwehr räumten auf. Eine Web-Cam zur Dokumentation des Projekts hat auch diese Szenen festgehalten.

Der SV Bubach-Calmesweiler ist nicht alleine mit dem Problem. Der Saarländische Fußball-Verband warnt vor verheerenden finanziellen Folgen für die Vereine. Von rund 390 Sportplätzen im Saarland seien 127 mit Kunstrasen ausgestattet. Im Landkreis Neunkirchen sind 21 Sportplätze mit Kunstrasen belegt: vier in der Gemeinde Eppelborn, fünf in der Gemeinde Illingen, zwei in der Gemeinde Merchweiler, sechs in der Stadt Neunkirchen, je einer in der Stadt Ottweiler und in der Gemeinde Schiffweiler, zwei in der Gemeinde Spiesen-Elversberg.

Der alte Kunstrasen-Belag wird als Sondermüll entsorgt. Foto: Claudia Emmerich

svbubach.de