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Die Fußballer vom FC Uchtelfangen III bezeichnen sich selbst als „reine Reservemannschaft“

Amateurfußball : Die etwas andere Fußballmannschaft

Spaß und Teamgeist sind wichtiger als verbissener Ehrgeiz: Die Fußballer vom FC Uchtelfangen III bezeichnen sich selbst als „reine Reservemannschaft“. Das ist weder negativ gemeint – noch bedeutet es, dass die Kicker keine wichtige Rolle in ihrem Verein spielen.

 „Wenn wir keine gezielte Vorbereitung haben, dann hat sie niemand“, sagt David-Lee Lenz – und prustet dann lauthals los. Der 26-Jährige ist einer der Trainer der dritten Fußballmannschaft des FC Uchtelfangen. Und die Kicker des FCU machen keinen Hehl daraus, dass sie bei der Vorbereitung auf ihre Ligaspiele einen eher ungewöhnlichen Weg einschlagen. „Bei Heimspielen treffen wir uns immer vorher in unserer Dorfkneipe. Dort steht Frühschoppen auf dem Programm. Dann geht es mit dem Kofferradio Richtung Sportplatz, wo vor dem Anpfiff auch mal eine Schnapsrunde weggezogen wird“, berichtet der Spielertrainer.

Das hat aber nichts damit zu tun, dass die Uchtelfanger ihre Gegner oder das Spiel nicht ernst nehmen. Die dritte Mannschaft des FCU ist vielmehr ein Sammelbecken für Spieler, die eines gemeinsam haben: Im Vordergrund stehen Spaß und das Gemeinschaftsgefühl – und nicht verbissener Ehrgeiz. „Wir sind bei der Dritten ein großer Freundeskreis. Da sind etliche Jungs dabei, die früher höherklassig gespielt hatten, aber jetzt kürzer treten wollen“, sagt Lenz. Zum Team gehörten auch einige befreundete Handballer der HF Illtal, die mit ihren Kollegen „einfach nur entspannt kicken wollen“, ergänzt der Spielertrainer.

Wer nun die Vermutung hegt, dass die Uchtelfanger keine sportlichen Ambitionen hegen und von ihren Gegnern eine Klatsche nach der anderen verpasst bekommen, der irrt. Und zwar gewaltig. Uchtelfangen III war in der Kreisliga B Nord bis zur Unterbrechung der Saison das Maß aller Dinge, kassierte keine Niederlage und führt die Tabelle souverän mit fünf Punkten Vorsprung an.

Es ist laut Lenz, der in sieben Spielen zwölf Treffer erzielt hat, das erste Mal in der Vereinsgeschichte, dass der FC Uchtelfangen eine dritte Aktivenmannschaft am Start hat. Die Erste ist momentan Tabellen-14. der Landesliga Nord und die Zweite Neunter der Kreisliga A Blies. Er schwärmt vom Zusammenhalt in seinem Team: „Manchmal haben wir 30 Mann im Training. Da kann man sich schon vorstellen, dass sonntags die 18 Trikots schnell vergeben sind. Bei uns gibt es eigentlich nie einen Personalengpass. Wir helfen sogar der Ersten und Zweiten mit Spielern aus.“

Spielertrainer David-Lee Lenz ist Spielertrainer beim FC Uchtelfangen III. In den sieben Partien, in denen er auf dem Feld stand, erzielte er zwölf Treffer – und bereitete sieben weitere vor. Foto: Stefan Holzhauser
Mannschaftsgeist wird beim FC Uchtelfangen III großgeschrieben. Foto: Rolf Serwe

Auch wenn die unmittelbare Vorbereitung auf ein Punktspiel zuweilen ungewöhnlich ist – zu Auswärtspartien wurde auch bereits mehrfach ein Bus angemietet – sind die Jungs im Alter zwischen 20 und 35 Jahren für ein B-Klassen-Team durch die Bank fit. Jeden Montag wird – außer­halb der Corona-Zeit – ab 19 Uhr auf dem Platz trainiert, die andere Spielhälfte gehört dann der A-Jugend. „Beim gemeinsamen Abschlussspiel sammeln die Jungs aus der A-Jugend dann wertvolle Erfahrungen, um sich an den Aktivenbereich zu gewöhnen. Das bringt sie weiter“, sagt Lenz. „Und unter der Woche gehen wir zusätzlich noch oft gemeinsam joggen. Wir haben sehr viel Spaß – wollen aber auch sonntags unsere Spiele gewinnen“, betont der Trainer. Im Verein wurden sich durchaus Gedanken darüber gemacht, die erfolgreiche Dritte – intern nur FCU1C genannt – wegen ihrer Spielstärke aufstiegsberechtigt in einer A-Klasse anzumelden. Auch dort würde die Mannschaft vermutlich weit oben in der Tabelle mitspielen. „Das wollen wir aber nicht. Klar ist es schön, sportlich so viel Erfolg zu haben. Wir sind und bleiben aber eine reine Reservemannschaft, die für den Umsatz in der Kneipe zuständig ist. Und sobald man sich wieder nach Corona treffen darf, haben wir in Sachen Kameradschaft noch einiges nachzuholen“, verspricht Lenz.