Die Erdmännchen sind los!

Nach langem und eifrigem Proben war es soweit: Der Theaterverein Saargold Humes präsentierte sein neues Stück „Philly Phantastico oder Die Erdmännchen im Elfenwald“ im Gasthaus Ziegler.

Philly ist ganz aus dem Häuschen: "Ich kriege endlich meinen zweiten Namen", verkündet das Erdmännchen nach der Lektüre eines gerade zugestellten Amtsschreibens. Leider hält die Freude nicht lange an. Denn der kurz darauf mit Gefolgschaft eintreffende Bürgermeister tauft ihn wenig schmeichelhaft "Faulpelz". Aus gutem Grund, wie überhaupt alle Erdmännchen in dem von Christina Stenger geschriebenen Stück ihre Namen einem hervorstechenden Wesenszug verdanken. Bestes Beispiel ist Phillys Freund und Kollege Harry Hasenfuß. Mit Faulheit und Ängstlichkeit kommen die Zwei diesmal allerdings nicht weiter: Sollen sie doch der Elfenkönigin ihren Zauberstab zurückbringen. Was einiges an Courage und Mut erfordert. Immerhin möchte auch Waldhexe Grusella den Stab in ihren Besitz bringen.

Dass sie ein ernst zu nehmender Gegner ist, muss Biologielehrer Bertram Buntspecht, den die beiden Erdmännchen unterwegs kennen lernen, am eigenen Leib erfahren: Ihm hext die giftige Alte gleich mal die Sprache weg. Und hätte das Publikum im Saal des Gasthauses Ziegler nicht kräftig Eulenrufe imitiert und Grusella damit vertrieben, wer weiß, was noch alles passiert wäre.

Seit Ostern haben die Nachwuchsmimen des Theatervereins Saargold Humes fleißig auf diesen Sonntag hingearbeitet. "Teilweise wurde bis zu drei Mal wöchentlich geprobt", erzählt Spielleiterin Laura Ziegler. Mit diesem Theaterstück verbindet die 17-jährige Schülerin übrigens ganz besondere Erinnerungen: "Das war damals mein erstes Stück, bei dem ich selbst auf der Bühne gestanden habe" - als kleine Elfe, "die nichts gesagt hat". Die größte Motivation für die theaterpädagogische Arbeit mit den Kindern ist für Laura Ziegler zu sehen, wie die fünf- bis 13-jährigen Mädchen und Jungen über sich selbst hinauswachsen. Vorher heißt es oft, "das kann ich nicht" oder "das trau ich mich nicht": "Aber dann überraschen sie mich und sich selbst mit ihren tollen Leistungen."

Wie sehr sich Sprecherziehung und intensive Probenarbeit auszahlen, zeigte sich in den rund anderthalb Stunden der Aufführung. Sofort in die Herzen spielte sich Leon Hoffmann, der einen herrlich tollpatschigen Harry gab und ohne mit der Wimper zu zucken, kurioseste Sachen erzählte: Da wurde der Elfenstab zum Zwölfenstab, er selbst zum Angstlappen und Waschhasen und statt Kinder sagte er Rinder. Nicht weniger redegewandt erwies sich Isabella Simmet als Hausfee Walburga Waldmeister, die Harry resolut die Leviten las.

Für außerplanmäßige Belustigung sorgte der kleine Lennert im Saal.

Völlig gefangen vom Spiel auf der Bühne, kommentierte er jede Szene und bot immer wieder seine Mithilfe an. Als die Erdmännchen beispielsweise berieten, wie man der Hexe den Zaubertrank unterjubeln könnte, empfahl der Sechsjährige: "Mit Apfelschorle." Natürlich war er auch zur Stelle, als "ein Haar von einem Kind unter 12 Jahren" benötigt wurde. Am Ende durfte Lennert mit auf die Bühne, um seinen Teil des Applauses und ein kleines Präsent entgegen zu nehmen. Perplex und ein bisschen stolz meinte sein Vater: "Da willst du einfach nur ins Theater gehen und dann so was."

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Hintergrund Es spielten außerdem: Muriel Michels (Philly Phantastico), Michelle Mailänder (Briefträger), Aljoscha Schmidt (Bertram Buntspecht), Simon Lehmann (Bürgermeister), Sophia Hoffmann (Prof. Schneuz), Elaine Hellbrück (Prof. Hust), Paul Biesel (Hauptmann Schnarch), Charis Huwig (Elfenkönigin), Theresa Schikofsky (Waldhexe Grusella), Hanna Hans (Elfe), Elias Pink (Wächter der Königin), Anna Haupenthal, Henri Hans, Joshua Scholz und Leonie Biesel (Erdmännchen). nig