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Handball
Der Mann mit den 1000 Namen

Illtals Abwehrspieler Jonas Guther will gegen Vallendar endlich wieder einen Heimsieg feiern.
Illtals Abwehrspieler Jonas Guther will gegen Vallendar endlich wieder einen Heimsieg feiern. FOTO: Horst Klos (Klosfoto) / Klos Horst
Eppelborn. Gegen den HV Vallendar vertraut Illtal auf eine stabile Abwehr. Ein Spieler ist für seine Defensivarbeit besonders bekannt. Von Lucas Jost

Ein Insider und Vertrauter der Handballfreunde Illtal, der an dieser Stelle unerkannt bleiben möchte, fand in feinstem Tholeyer Dialekt eine wahrhaft vortreffliche Charakterisierung: „Der geht draan wie de Hannes an die Nüss.“ Oder, wie es Mitspieler Pascal Meisberger mit einem stark ausgeprägten Grinsen formuliert: „Er ist mit Abstand unser fairster Abwehrspieler.“ Die Rede kann nur von einem sein: Jonas „Jakari“ Guther. Den Weg in die Zebra-Herde hat der Marpinger vor drei Jahren über Fischbach und die Jugend-Bundesliga bei der HSG Völklingen gefunden. Seitdem hat er sich neben seinem Ruf als „Abwehrsau“ auch durch seine extravagante Wurftechnik einen Namen gemacht. Denn ob Links- oder Rechtshänder, das ist eine Frage, um die sich Legenden ranken. „Das weiß ich manchmal selber nicht so genau. Das Gute ist: Ich weiß es nicht, der Torwart aber auch nicht“, sagt er und lacht.



Durch seinen Fahrgemeinschafts- und Mannschaftskollegen Moritz Dörr, mit dem er mehrfach wöchentlich aus seiner Wahlheimat Landau in der Pfalz „auf der B10 wie die einsamen Cowboys“ ins Ill­tal reist, hat er hunderte weitere Namen verliehen bekommen. Und so hat der Mann mit den 1000 Namen aka „Johnny Westside“ nicht nur viele Namen, sondern auch ähnlich mannigfaltige und facettenreiche Rollen, in die er tagtäglich schlüpft. In absteigender Reihenfolge lauten diese: Motivator der HFI, Publikumsliebling, Beachvolleyball-Star, Oldtimer-Aficionado, Multitalent in den Bereichen Logistik, Holzverarbeitung und Hausbau, Fußball-Fan und Hobby-Kreisliga-Hooligan – seiner Freundin zuliebe – und Conaisseur der englischen und französischen Sprache.

Offiziell ist „John G-Force“ übrigens eingeschriebener Student für Grundschullehramt an der Universität Landau. Für Deutsch und Sport. Wobei er selbst mit einem Lachen behauptet: „Deutsch eher nicht so gerne. Eher Sport.“ Ob das eine gute Idee ist? Kollege Dörr: „Ich denke, da kommt viel Arbeit auf mich als angehender Gymnasiallehrer zu, die Arbeit von Jonas auszubügeln.“ Vielleicht liegt das auch daran, dass „Don John“ seine Freizeit eben lieber auf einer Sand-Anlage in Landau oder in einem Ford Mustang oder einer Cobra verbringt. „Jesus Lefthand“: „Das Beachvolleyball-Feld ist im Sommer meine zweite Heimat. In den Semesterferien nutze ich jede freie Minute, um unterm Auto oder in der Motorhaube zu liegen.“

Doch bevor er sich das nächste Mal zwischen Ölwannen und Werkzeugen austoben kann, trifft Guther am Sonntag mit seinen Zebras, knapp eine Woche vor seinem 24. Geburtstag, auf Oberliga-Gegner HV Vallendar. Anpfiff in der Eppelborner Hellberghalle ist um 18 Uhr. Er meint: „Ein Sieg wäre extrem wichtig. Weil wir gegen den SV Zweibrücken verloren und seit elf Wochen kein Heimspiel mehr hatten. Jetzt müssen wir mal ein Zeichen setzen, dass wir immer noch vorne dabei sind. Die ganze Mannschaft will ein Exempel statuieren.“ Seine eigene Rolle ist klar definiert: „Ich muss keine Tore werfen, nur die Gegner kaputtmachen.“ Auf ihn verzichten möchten die Zebras sicher auf keinen Fall. Wegen seiner handballerischen Fähigkeiten. Und wegen seiner Person. Denn, wie Dörr sagt: „Jonas ist ein etwas zu kurz geratener, guter Freund und beidhändiger Handballer.“ Oder eben: einfach ein verdammt geiler Typ.