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Der Garten von Familie Schmitt aus Dirmingen

Garten-SErie : Dieser Garten – ein Sommernachtstraum

Der Tag der offenen Gartentür fiel in diesem Jahr wie so vieles andere aus. Wir wollen den Lesern aber trotzdem zeigen, welch schöne Gärten es im Kreis gibt. Heute startet unsere Serie mit dem Garten von Familie Schmitt aus Dirmingen.

Rechts der Gemüsegarten, links die Obstbäume. Dazwischen der Weg im 90 Grad Winkel zum Haus. „Wie man es früher halt so hatte“, beschreibt Sigrid Schmitt den rein vom ästhetischen Gesichtspunkt aus betrachtet ziemlich reizlosen Ur-Zustand ihres Mini-Paradieses. Vor 34 Jahren ließen die Schmitts die Mosel hinter sich und kamen zurück ins Saarland, um in Rainers Elternhaus einzuziehen. Rainer Schmitt hatte eine Anstellung (als Arbeitsmediziner) gefunden, was der gelernten Erzieherin mit katholischer Konfession in Dirmingen nur aushilfsweise gelang. Frustrierend für sie, doch dem Garten konnte letztlich gar nichts Besseres passieren. Wer ihn betritt, schaltet augenblicklich von Autopilot auf hier-und-jetzt-genießen-und-entdecken.

Dabei dauerte es zunächst, bis die Sache in die Gänge kam. Als es die Schwiegereltern mit dem Bewirtschaften altersbedingt nicht mehr packten, sprang Sigrid Schmitt in die Bresche. „Meine ersten Versuche verliefen sehr kläglich“, erinnert sie sich. „Da hab ich die Nutzgarten-Idee schnell wieder aufgegeben.“ Ihr „großer Traum“ war allerdings ohnehin ein ganz anderer. „Keine geraden Linien“ nämlich, was bedeutete: Ade Konventionen!

Als die Kinder aus dem Sandkasten-Rutsch-Schaukel-Alter raus waren und man diesbezüglich abrüsten konnte, ging es los. „Wir haben geschaut, wo ist viel Sonne“, der Rest ergab sich. Ein Freisitz wurde angelegt, ein Grillplatz und ein Gerätehäuschen. Doch dann, Überraschung, wurden die Bäume größer und die Schmitts ertappten sich immer wieder bei begehrlichen Blicken in den rückwärtigen Streifen gut besonnten Landes hinter dem Zaun, Grundstück eines Nachbarn. Der wollte tatsächlich verkaufen, aber nur komplett. Man wurde handelseinig und jetzt ging die Arbeit erst richtig los. Per Bagger wurde das Gelände dreifach terrassiert. Große Basaltsteine sichern den Hang.

Statt Mutterboden anzukarren, kiesten die Schmitts die Erde. Das klingt verbotener, als es ist. Tatsächlich entpuppte sich dieser Tipp der fachlich versierten Cousine aus dem Münsterland sogar als genial. Gedeihen doch auf dem kargen Boden „Magerkünstler und Sonnenanbeter“, mit dem wunderbaren Nebeneffekt, weder gedüngt noch gegossen werden zu müssen. Problematisch erweist sich dafür der lehmige Untergrund. Regnet es richtig viel, fault schon mal was ab, zuletzt der schöne hohe Ginsterstrauch.

Ansonsten darf sich hier oben alles wild versamen. Sigrid Schmitt selbst trägt zum Artenreichtum per Hosentaschenvermehrung bei, sprich, Samen von unterwegs mitbringen. Der blaue Natternkopf, auch stolzer Heinrich genannt, zum Beispiel, kam auf diesem Weg hierher. „Der wächst sonst nur am Straßenrand.“ Aber egal, die Bienen hier im Garten lieben ihn heiß und innig.

Mit all seinen verwunschenen Ecken gäbe er die ideale Kulisse für Shakespeares „Sommernachtstraum“. Ein paar Phantasiewesen bevölkern ohnehin die Nischen, alle von Sigrid Schmitt getöpfert. Rainer Schmitt ist mehr so der Mann fürs Grobe, „Mauer- und Fugenbeauftragter“ nennt ihn seine Frau liebevoll. Eine andere Liebe – eine von zig floralen in diesem Garten – ist der japanische Kuchenbaum. Dessen Laub verfärbt sich im Herbst lachsrosa und später goldgelb. Kurz bevor die Blätter zu Boden fallen, duften sie nach Zuckerwatte und frisch gebackenem Kuchen. Ein Traum. Oder das feine Federgras, das an Mädchenhaare erinnert und von der Gärtnerin regelmäßig mit der Haarbürste gepflegt wird.

Beim Wandeln über die geschwungenen Wege weist Sigrid Schmitt auf zarte Doldengewächse: rosa blühende wilde Möhre. Noch so ein Tipp von der Cousine. Aber: „Davon habe ich mir etwas mehr erhofft.“ Nur die wenigsten der angezogenen Pflanzen blühen tatsächlich rosa, und viele Schmetterlinge haben die Blüten wohl auch noch nicht entdeckt, so wie es geplant war. Überhaupt gibt es wenig Schmetterlinge dieses Jahr, bedauert die Gartenbesitzerin. Zur Ehrenrettung tauchen prompt ein paar auf, darunter Taubenschwänzchen und Tagpfauenauge.

Für Taglilie und Phloxe ist es noch zu früh, die Rosen dagegen sind schon verblüht. Die Trockenperiode im ersten Halbjahr hat der Garten erstaunlich gut weggesteckt. „Ich mulche viel“, verrät Sigrid Schmitt. Alles, was im Frühjahr abgeschnitten wird, kommt in den Häcksler und landet zusammen mit dem Rasenschnitt auf den Beeten. „Das hat sich in den heißen Sommern bewährt“, gegossen werden eigentlich nur noch Neuzugänge. Anders wäre das auch kaum zu bewältigen bei 1000 Quadratmetern. Von der Wasserrechnung ganz zu schweigen. Was aber auch bedeutet, dass manches nicht zu halten ist – wie die geliebte Samthortensie, die es trotz hämeln nicht überlebt hat.

Über ihre lauschigen Schattenplätze sind die Schmitts im Übrigen sehr froh mittlerweile. Sie haben ja auch beides zur Genüge. Dazu einen Schwimmteich plus biologischem Klärbecken, ein Gartenhaus für Feiern und davor eine „Hängebank“ vom Schwager, auf der das Paar fürs Foto Platz nehmen darf, ein Gewächshäuschen für Tomaten, Gurken und die Anzucht – und einen leeren Hühnerstall. Nach einer Rattenplage im letzten Jahr mussten die vier kleinen Federviecher – „alle hatten Namen“ – weichen. Leider. An Tieren mangelt es trotzdem nicht, es gibt Molche und Kröten, Eidechsen und ein freches Eichhörnchen, Fledermäuse, Insekten und natürlich Vögel wie jenen kleinen tapferen Zaunkönig, der ausgerechnet im Buchsbaum neben der Sitzecke brütete und Palaver hielt, sobald man diese ihrem Zweck gemäß nutzen wollte. Oft beobachtet Sigrid Schmitt die Ringelnatter. Einerseits faszinierend, anderseits schon leicht grenzwertig, wenn diese versucht, einen Frosch quer runter zu würgen.

Überall im Garten gibt es viel zu entdecken, zu beobachten, zu riechen. Auch Tiere fühlen sich hier wohl. Foto: Anja Kernig
Familie Schmitt, Dirmingen. Foto: Anja Kernig Foto: Anja Kernig
Familie Schmitt, Dirmingen. Foto: Anja Kernig Foto: Anja Kernig
Familie Schmitt, Dirmingen. Foto: Anja Kernig Foto: Anja Kernig
Auch ein Schwimmteich plus biologischem Klärbecken gehört zum Garten dazu. Foto: Anja Kernig
In der Blumenkinderstube gibt es Nachwuchs, rundrum sind Schnittblumen, die zu schönen Sträußen werden. Foto: Anja Kernig
Lauschige Plätze gibt es ausreichend, sowohl sonnig als auch im Schatten, ganz wie es beliebt. Foto: Anja Kernig

Im äußersten Ecken des Gartens schließlich befindet sich die Blumenkinderstube, dazu ein paar Reihen Schnittblumen Mutterkraut, Cosmea, Zinnien: „Hier mache ich meine Sträuße. Das tut mir dann auch gar nicht leid, da schneide ich nach Herzenslust.“