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Hospizteam
Den Abschied vom Leben würdevoll gestalten

„Würdevoll leben bis zuletzt“: Das Hospizteam Illtal um die Vorsitzende Claudia Ganster (links) begleitet schwerkranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige. 
„Würdevoll leben bis zuletzt“: Das Hospizteam Illtal um die Vorsitzende Claudia Ganster (links) begleitet schwerkranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige.  FOTO: Merkel Carolin / Carolin Merkel
Eppelborn. Neues Hospizteam Illtal will Schwerkranken, Sterbenden und deren Angehörigen zu einem würdevollen Leben bis zuletzt verhelfen. Von Carolin Merkel

„Zu viel Zeit zu haben, ist nicht gut. Da habe ich mich entschieden, etwas zu tun. Ich werde die Ausbildung zur Hospizhelferin machen und den Verein, der extrem wichtig ist, unterstützen“, erklärt Karin Kunkel aus Jägersfreude entschlossen. Seit vielen Jahren, erzählt Stephan Schwinn aus Eppelborn, kommt er als Handwerker in Haushalte, ist dabei öfter mit schwerstkranken alten Menschen konfrontiert. „Als ich die Anzeige des Vereins gelesen habe, habe ich Nägel mit Köpfen gemacht und mich für eine Ausbildung entschieden.“


Bereits einen Schritt weiter ist Marlene Busch aus Marpingen. „Ich habe die Ausbildung im vergangenen Jahr gemacht, wollte in meiner Rente Menschen Zeit spenden“, berichtet sie. Von anfänglichen Besuchen bei Senioren im Altenheim, die keine Verwandten vor Ort haben, hat sie sich schließlich für die würdevolle Sterbebegleitung interessiert. „Es ist etwas ganz Besonderes, Menschen auf diesem letzten Weg zu begleiten. Man gibt ihnen etwas, bekommt aber auch sehr viel zurück“, erzählt sie von ihren Erfahrungen. Es sei schwer zu erklären, was da zwischenmenschlich passiert, aber sie habe es bereits mehrfach fühlen dürfen. Mit ihren Erzählungen hat sie längst ihren Mann, Jürgen Doods, angesteckt. „Ich unterstützte meine Frau, aber auch den Verein mit den Möglichkeiten, die ich habe“, erklärt er.

Wir sitzen in den Räumen seiner Firma in Eppelborn. Als stellvertretender Vorsitzende will er zusammen mit der Vorsitzenden Claudia Ganster die Öffentlichkeit über die Arbeit des am 16. Juli gegründeten Hospitzteams Illtal informieren. Denn, das wissen alle Akteure, die rund um den großen Tisch sitzen: Noch immer ist das Sterben ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Vor allem im ambulanten Bereich, betont Ganster, wollen sie und ihr Team das Thema aus dieser Tabuzone holen. Dabei engagieren sich die aktuell 15 ehrenamtlichen Helfer, darunter auch drei Männer, vor allem darin, Betroffenen einen würdevollen, letzten Lebensabschnitt zu Hause zu ermöglichen. Im Blick haben sie dabei sowohl die Patienten als auch deren Angehörige.



Gefunden hat sich die Gruppe durch die ehrenamtliche Arbeit. Schlussendlich konkretisierte sich die Idee, die Kräfte im Hospizteam, einem eingetragenen Verein mit Geschäftsstelle, zu bündeln. „Wir verstehen uns als weiterer Baustein neben dem Palliativteam, wollen die Menschen, Patienten und Angehörige unterstützen“, erklärt sie. Der Bedarf, ergänzt Doods, ist da, mit dem Hospizteam wollen die Akteure schnelle und unbürokratische, dazu kostenlose Hilfe leisten.

Im Rahmen der Gründungsversammlung wurde jüngst der geschäftsführende Vorstand gewählt. Nun wird die Satzung bei Notar und Amtsgericht vorgelegt. Eigene Räume in der Koßmannstraße 11 in Eppelborn sollen am Welthospiztag, 13. Oktober, eröffnet werden. Für die Vereinsgründung, sagt Doods, wurde ein Sponsor gefunden, weitere Unterstützer seien herzlich willkommen. Ganz wichtig ist es Doods zu betonen, dass der Verein keine Konkurrenz zu bereits bestehenden Angeboten sondern eine Ergänzung sein möchte. Eine wichtige Aufgabe im Team hat Claudia Groß-Lorrang aus Bubach übernommen. Die Krankenschwester agiert als Koordinatorin, bringt Familien mit den Begleitern zusammen, führt die Erstgespräche vor Ort bei den Patienten, um den Bedarf abzuklären. Sie freut sich, dass sich der Verein der Aufgabe stellt. „Im Krankenhaus ist es immer hektisch, ich glaube, man kann das Sterben zu Hause ruhiger gestalten“, sagt sie. Der Herzenswunsch des Teams ist, sagt Ganster, „dass die Menschen im Bedarfsfall wissen, dass es uns gibt.“

Weitere Infos zum Hopizteam Illtal: Claudia Ganster, Tel.(0163) 3 35 16 03, oder Alexa Hecker, Tel. (0 68 21) 9 14 86 80 oder (0174) 9 54 54 20.