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Fußball
Deftige Klatsche für die Hertha

Wiesbach. Fußball-Oberligist Wiesbach verliert zu Hause gegen Saar 05 mit 0:6. Von Mirko Reuther

Als die Fußball-Oberliga-Partie zwischen dem FC Hertha Wiesbach und dem SV Saar 05 Saarbrücken am Samstagnachmittag abgepfiffen wird, regnet es in Strömen. Für die Wiesbacher, die wie begossene Pudel vom Feld schlichen, passte das Bild. Schließlich hatte der FC Hertha im Heimspiel gerade eine heftige 0:6 (0:2)-Abreibung kassiert. Die Spieler vom SV Saar 05 feierten ihren Kantersieg hingegen ausgelassen im Regen. „Das Wetter ist das letzte, was mich gerade stört. Für mich ist das heute ein kleiner Befreiungsschlag“, sagte SV-Spieler Christian Hertel. Er hatte doppelten Grund zur Freude. Hertel war mit zwei Toren und einer Vorlage nicht nur der Spieler des Tages. Es war auch sein erster Startelf-Einsatz in der Liga seit fast zwei Jahren. Seit Oktober 2015 war der 26-Jährige wegen eines Knorpelschadens im Knie ausgefallen. Während bei den Saarbrückern Ausgelassenheit herrschte, war Hertha-Trainer Michael Petry bedient: „Zwischen der 15. und der 90. Minute war das das schlechteste Spiel, das ich von meiner Mannschaft gesehen habe, seit ich Trainer bin.“



Vor knapp 200 Zuschauern war Saarbrücken in der zehnten Minute in Führung gegangen. Ein schwacher Klärungsversuch der Hertha landete beim Ex-Wiesbacher Jannik Schliesing. Und der traf aus 15 Metern in die linke Ecke. Die Hausherren versuchten sich zu wehren und hatten Halbchancen. Zwingender und kämpferischer agierten aber die Gäste. Nach einem weiten Einwurf der Saarbrücker von der linken Seite warf sich Fatih Günes ins Getümmel und stocherte den Ball am langen Pfosten über die Linie (26.). Die Saarbrücker machten geschickt die Räume eng und erstickten den Wiesbacher Angriffsfluss oft schon im Ansatz. „Die Defensivarbeit fängt vorne an. Wir haben Wiesbach gut zugestellt. Da kamen nur lange Bälle“, lobte Hertel.

Er sorgte im zweiten Durchgang fast im Alleingang für die Entscheidung. Nach einem Abwehrfehler der Hausherren umkurvte er Hertha-Torwart Julian Wamsbach und traf zum 3:0 (55.). Rund zwanzig Minuten später erhöhte er nach einem Steilpass aus dem Mittelfeld mit einem gefühlvollen Schuss in die rechte Ecke (74.). Kurz darauf ging Hertel über die rechte Seite bis zur Grundlinie durch, passte quer auf Lars Anton, der das 5:0 aus Sicht der Gäste markierte (77.). Selbst die Wiesbacher Anzeigetafel mochte das nicht mehr mit ansehen und verweigerte kurzfristig den Dienst. Beim FC Hertha klappte nun gar nichts mehr, während beim SV Saar 05 alles funktionierte. Wiesbachs Stürmer Björn Recktenwald, beim 6:0 Pokalsieg am Mittwoch mit vier Treffern der gefeierte Held, schoss aus zehn Metern freistehend über das Tor. Auf der Gegenseite hielt der Saarbrücker Marc Jung aus 20 Metern halbrechter Position einfach mal drauf – und das Leder schlug zum 0:6-Endstand im linken Torwinkel ein (85.). „Wir haben heute so ziemlich alles richtig gemacht. Das war unsere beste Saisonleistung. Jetzt kommen die Knallerspiele gegen Homburg und Pirmasens. Aber wenn wir nach der Partie heute kein Selbstbewusstsein haben, wann dann? Wir können noch etwas reißen in dieser Saison“, meinte Hertel.

Wiesbachs Trainer Petry sagte: „Das 0:6 ist eine schöne Klatsche, aber wir haben nur ein Spiel verloren. Zum Ende der englischen Woche nach einem Rückstand wieder zurückzukommen, ist brutal schwer. Es bringt nichts, auf die Mannschaft draufzuhauen. Bei diesem Ergebnis weiß jeder, dass er keine Topleistung abgerufen hat. Wir müssen das Ergebnis abschütteln und daraus lernen.“