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Furioser Abschluss der Figurentheatertage
Comeback des mörderischen Diktators

Zum Abschluss des Figurentheater-Festivals gab es eine bitterböse Satire, die das Publikum im Big Eppel begeisterte.
Zum Abschluss des Figurentheater-Festivals gab es eine bitterböse Satire, die das Publikum im Big Eppel begeisterte. FOTO: Merkel Carolin / Carolin Merkel
Eppelborn. Die 29. Eppelborner Figurentheatertage endeten am Wochenende mit einer begeisternden und bitterbösen Satire. Von Carolin Merkel

Als nach gut zwei Stunden am späten Freitagabend der tosende Beifall des Publikums im Big Eppel ausbracht und erst einmal nicht enden wollte, da fiel Aloysius Scholtes, Kulturamtsleiter und zugleich federführend verantwortlich für das Programm der 29. Eppelborner Figurentheater Tage, fast hörbar ein großer Stein vom Herzen. Zum einen freute er sich darüber, dass nach gelungenen acht Tagen die Gemeinde erneut auf ein tolles Festival zurückblicken kann, die Aufführungen für Kinder und Erwachsene erneut rund 2000 Besucher anlockten - gestecktes Ziel damit erreicht. Insbesondere, sagte er, war er aber sehr froh darüber, dass das Stück zum Finale beim Publikum so gut ankam. „Ich weiß, dass man gerade bei Festivals immer wieder Versuche wagen muss, um sich weiterzuentwickeln. Doch bei diesem Stück war ich zugegeben ein wenig skeptisch“, verriet er nach dem letzten Beifall.


Mit der Adaption der Satire „Er ist wieder da“, absolut treffend in Szene gesetzt vom marotte-Tournee-Ensemble aus Karlsruhe hatte er einen absoluten Glücksgriff getan. Die Zuschauer, die Mehrzahl jedenfalls, ließen sich auf diese abstruse Geschichte ein und hatten deutlich hörbar ihren Spaß, verfolgten den Protagonisten auf der Bühne. Der kam mal als Handpuppe, mal als lebensgroß daher, eine direkte Begegnung nicht ausgeschlossen. Für den ein oder anderen mag es befremdlich oder auch verstörend sein, Adolf Hitler in Lebensgröße gegenüberzustehen, doch was Carsten Dittrich und Jan Mixsa unter der Regie von Detlef Heinichen da auf die Bühne brachten, das war wirklich ganz großes Theater.

Angefangen von der Sprache über die Gestik, ja selbst die Mimik der lebensgroßen Puppe, all das fesselte das Publikum. Vor allem die zahlreichen Wortwirte, etwa., als der Arzt nach einer Schlägerei Hitlers mit den Neonazis statt „Gute Besserung“ ein fröhliches „Heile Hitler“ wünscht, war befreiendes Gelächter hörbar. „Er ist wieder da“ rankt sich um den Gedanken, dass Adolf Hitler am 30. August 2011, rund 66 Jahre nach seinem Tod, aufersteht. Er sieht sich konfrontiert mit einer sehr veränderten Welt, nimmt aber schnell Kontakt auf, wird schließlich als Comedian gefeiert. Mit Gesang und Akkordeon eröffnen die beiden Schauspieler ie große „Comeback Show“, sorgen für heitere, aber auch überaus ernste Momente. Denn, das wird nicht nur bei der Begegnung mit dem Inhaber der türkischen Reinigung klar, das Stück ist überaus aktuell. Mit vielen kleinen Details, wie etwa der Bild-Reporterin, die als Barbie Puppe daherkommt, oder die „NBD“, die so gar kein Verständnis für die Ansichten des Führers hat, hält das Ensemble dem aktuellen Zeitgeschehen den Spiegel vors Gesicht. Ob man darüber lachen darf, bleibt wohl jedem selbst überlassen, bei den meisten hat das Stück auf jeden Fall den Nerv getroffen.



So auch bei Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset. Sie betonte am Ende des Festivals erneut, dass dem Jubiläumsjahr 2019 nichts im Wege steht, sie „zu 200 Prozent“ davon ausgeht, im kommenden Jahr die 30. Auflage zu feiern. Ein großes Lob hatte sie für Scholtes, der ein „echter Kenner des Figurentheaters“, sei und „eben auch solche Stücke wie ‚Er ist wieder da’ nach Eppelborn holt“.  „Wir haben hier eine echte Nische entdeckt und sollten das Festival auf jeden Fall aufrecht erhalten“, erklärte sie.