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Borussia Eppelborn - Spaß und sportliche Ambition

Amateurfußball : „Borussia Eppelborn? – Klingt doch klasse!“

Als Hobbymannschaft gestartet nimmt Borussia Eppelborn heute am regulären Ligenbetrieb des Saarländischen Fußballverbandes teil. Der Spaß am Sport steht im Vordergrund – sportliche Ambitionen haben die Borussen aber trotzdem.

„Elf Freunde müsst ihr sein“, forderte schon Sepp Herberger. Und der Leitspruch des Trainers, der die deutschen WM-Helden 1954 zum Wunder von Bern führte, kann ja so falsch nicht sein. Heutzutage scheinen die Fußballer, die zusammen auf dem Platz stehen, vielerorts aber eher eine Zweckgemeinschaft statt Freunde zu sein. Im Millionengeschäft Bundesliga sowieso. Aber auch im Amateurbereich.

Bei den Kickern von Borussia Eppelborn sieht das etwas anders aus. Es wäre womöglich übertrieben zu sagen, dass die Borussia den krassen Gegenentwurf zu anderen Clubs darstellt. Und dennoch: Die Eppelborner sind unter den saarländischen Amateuren die etwas andere Fußballmannschaft. Das liegt auch in ihrer Entstehung begründet. Und die liegt noch gar nicht so lange zurück. Denn die Borussia begann 2010 als reines Hobbyteam. „Wir waren einfach nur ein paar Jungs, Freunde eigentlich, die Spaß am Fußball haben und nach dem Spiel noch länger zusammensitzen wollten“, erklärt Christoph Peter. Der 29-jährige ist im Verein nicht nur der 1. Vorsitzende, sondern auch Spielertrainer. Und an dem Ursprungsgedanken hat sich bis heute kaum etwas geändert. Die Ausnahme: Die Borussen sind heute ein offiziell eingetragener Verein und kicken nun bereits in der dritten Saison unter dem Dach des Saarländischen Fußballverbands. Bis zur Rundenunterbrechung hatte das Team in der Kreisliga A Theel eines seiner sieben Spiele gewonnen und lag auf dem vorletzten Tabellenplatz. Allerdings herrscht in der unteren Tabellenhälfte ein dichtes Gedränge, so dass die Eppelborner in der Restrunde noch einiges an Boden gutmachen könnten.

Christoph Peter, von Beruf Vertriebsleiter, hatte in seiner Jugend beim SV Bubach-Calmesweiler mit dem Fußballspielen begonnen. Eine schwerwiegende Steißbein-Verletzung zwang ihn zu einer Jahre langen Pause. Als die Verletzung endlich ausheilte, wollte der heute 29-Jährige wieder auf den Fußballplatz zurück. Allerdings zunächst nicht in den organisierten Spielbetrieb. Es war die Geburtsstunde des Vereins Borussia Eppelborn. Aber warum ausgerechnet „Borussia“? „Wir wollten uns auch durch den Namen etwas von der Masse abheben. Ein wenig haben wir uns auch an Borussia Dortmund orientiert“, sagt Peter. Die Zeche „Vereinigte Borussia“ ist ein ehemaliges Steinkohlenbergwerk in Dortmund, das bei der Namensgebung des Bundesligisten eine Rolle gespielt haben soll. „Da bei uns auch viele Jungs Eltern in der Grubenarbeit hatten, haben wir uns für den Namen entschieden. Und ich finde auch, dass ‚Borussia Eppelborn‘ echt klasse klingt“, sagt der Vereinsvorsitzende und Trainer.

Gesponsert wird der Club übrigens von dem Unternehmen, für das Peter arbeitet. Als die Chefin von Peter grünes Licht dafür gab, war die finanzielle Grundlage des jungen Vereins gesichert. Mit einem in Österreich ansässigen Unternehmen wurde sogar ein eigener Ausrüstervertrag abgeschlossen. „Es war uns wichtig, unsere Trikots selbst entwerfen zu können. Die sollten unverwechselbar sein“, schwärmt der Vorsitzende über das rot-schwarze Dress, das die Borussen nun bei den Spielen tragen.

Peter und alle, die im Verein mitanpacken, verrichten ihre Arbeit ehrenamtlich „Es geht hier nicht darum, irgendwelche Kohle zu verdienen. Es geht um Zusammenhalt. Bei uns ist auch jeder Spieler willkommen – egal, ob er noch nie in seinem Leben Fußball gespielt hat, oder aus welchem Land er kommt. Wir sind hier eine Multi-Kulti-Truppe“, sagt Peter. „Wenn ein Spieler kein deutsch spricht, verständigen wir uns eben auf Englisch. Und die Sprache Fußball versteht eh jeder.“

Die Spiele und das Training der Eppelborner finden – nach kurzen Stationen in Illingen und Obersalbach – auf dem Kunstrasenplatz von Peters Heimatverein, dem SV Bubach-Calmesweiler statt. „Dort dürfen wir sogar das Verkaufshaus benutzen. Der Verein nimmt wirklich Rücksicht auf uns, das könnte gar nicht besser sein“, schwärmt Peter. Nach ihren Auswärtsspielen kommen die Borussen deshalb meist im Clubheim des SVB zusammen und lassen den Sonntag gemütlich ausklingen. Dennoch halten Peter und Co. die Augen nach einem eigenen Sportgelände offen. „Jeder Verein hätte gerne eine richtige Heimat. Das wäre schon ein kleiner Traum. Auch wenn wir uns in Bubach richtig, richtig wohl fühlen“, sagt der Vorsitzende der Borussia.

Auch wenn Titel und Siege bei den Eppelbornern nicht an erster Stelle stehen – ohne sportliche Ambitionen sind sie keineswegs. „Als wir unser Heimspiel gegen Obersalbach mit 6:3 gewonnen hatten, war das auch eine Anerkennung für unsere Trainingsarbeit. Wir sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen mit vielen Neueinsteigern. Trotzdem wollen wir sportlich Stück für Stück vorankommen. Das wird aber ein langer Prozess. Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden“, weiß Peter

Auch in der kommenden Saison will er in Zusammenarbeit mit einem „Spielerrat aus vier, fünf Akteuren“ die Organisation ehrenamtlich stemmen. „Alles geht bei uns familiär zu – wir sind wie eine kleine Familie.“ Mittelfristig will der junge Verein auch eine zweite Mannschaft aufbieten. „Momentan haben wir auf dem Papier 26 Mann, aber nicht alle sind jeden Sonntag da – der Beruf hat für viele Vorrang.“

Feiern auf Borussen-Art: Die Kicker von Borussia Eppelborn haben zwar durchaus sportliche Ambitionen. Die dritte Halbzeit ist für den Fußball-Kreisligisten aber ebenso wichtig. Foto: Stefan Holzhauser
Christoph Peter Borussia Eppelborn Foto: Stefan Holzhauser

Auch wenn das Projekt Borussia Eppelborn noch einen langen sportlichen Weg vor sich hat – in einer Hinsicht könne mit seinen Jungs schon heute „kaum ein Gegner mithalten.“ Im Pokalspiel beim SV Hofeld kassierten die Eppelborner im letzten September eine 0:9-Klatsche. „Wir waren chancenlos. Trotzdem haben wir dort im Clubheim noch so lange gefeiert, bis wir die letzten Gäste waren und irgendwann rausgeschmissen werden mussten“ erzählt Peter und muss lachen.