Auch Löcher bohren kann eine Hilfe sein

Auch Löcher bohren kann eine Hilfe sein

Für kommenden Dienstag hat Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset erneut zum Runden Tisch „Flüchtlinge“ eingeladen. Neben organisatorischen Fragen steht ein dickes Dankeschön auf dem Programm: 25 Ehrenamtliche kümmern sich derzeit rührend um die 53 in Eppelborn lebenden Syrer und Eritreer.

. Das erste Silvester im kalten Deutschland. Sigrid Schmitt schenkt den acht jungen Männern eine Batterie Raketen. "Um Mitternacht gehen alle raus", erklärt sie, was hierzulande zum Jahreswechsel Sitte ist. "Die zwei Leute?", fragt einer der Syrer zurück. Mehr kennen er und seine Zimmergenossen in ihrem neuen Wohnort noch nicht.

Das war einmal - dank dem Engagement von Privatleuten wie Sigrid Schmitt. Die passionierte Gärtnerin engagiert sich schon lange in der terre des hommes-Gruppe Illtal. Warum jetzt auch noch für Flüchtlinge ? "Wenn man diese schrecklichen Bilder im Fernsehen sieht, fühlt man sich so hilflos." Als Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset Ende des Jahres zum ersten Runden Tisch einlud, ergriff Sigrid Schmitt die Chance: "Hier gibt es die Möglichkeit, etwas zu tun."

Kurz vor Weihnachten kamen die ersten Flüchtlinge . Seitdem helfen Sigrid Schmitt und die anderen Ehrenamtlichen in Dirmingen, "allen voran Christa Gordner", wo sie können. Zum Beispiel als Chauffeur für Schwangere zum Arzt oder auch zum Jobcenter - für die Gäste eine Tortur: "Letztens haben wir jemanden gefahren, der hatte vorher so Angst und war anschließend so happy, dass er wieder abgeholt wurde." Einige der Flüchtlinge stehen vor der Abschiebung. Dabei wünschen sie sich nur eines: "Ankommen und Fuß fassen."

Sigrid Schmitt ist eine von 25 Bürgern, die in ganz Eppelborn Flüchtlinge betreuen, informiert Heiko Girnus, Fachbereichsleiter Kultur, Bildung und Soziales. "Wobei Art und Umfang des Engagements sehr unterschiedlich sind." Etwa zehn Personen kümmern sich direkt um die Flüchtlinge durch regelmäßige Besuche, Behördengänge oder auch der Begleitung zur Eppelborner Tafel. "Dann gibt es noch vier bis fünf Personen, die Sprachkurse anbieten." Die restlichen Ehrenamtlichen helfen, wenn Not am Mann ist - zum Beispiel bei der Installation von Geräten, Reparaturen oder dem Fitmachen von Fahrrädern.

Tolle Hilfeleistung

In Eppelborn selbst engagieren sich acht Bürger, koordiniert von Diakon Hugo Naumann. "Vorhin hat eine Frau angerufen, die Bettwäsche übrig hat." In seinem Keller befindet sich mittlerweile ein respektables Lager für Kleider und alles Mögliche, was man zum Wohnen braucht. "Benötigt wird alles, angefangen vom Flügelwäschetrockner und Wasserkocher bis hin zur Couch." Woran es mangelt, ist Wohnraum. "Da sollte man noch mal an die Bevölkerung appellieren."

Naumann ist stolz auf seine Truppe, die so viel leistet: Deutschkurse und Hausaufgabenhilfe, Begleitung zu Vereinen oder ins Hallenbad, "mitgehen aufs Sozialamt" und "Schecks abholen". "Jeder leistet, was er kann", und wenn es das Bohren von Löchern für ein Regal ist. Übersetzt wird übrigens von ehemaligen Flüchtlingen aus Jordanien und dem Libanon. Eines der schönsten Erlebnisse war laut Naumann die Firmung im Ort, zu der man ein syrisches Ehepaar eingeladen hatte. "Der Weihbischof wollte erst nur kurz bleiben - geworden sind es dann vier Stunden." Der Lohn für die Mühe aller Beteiligten ist die riesengroße Dankbarkeit der Gäste. "Sie glauben nicht, wie strahlend Kinderaugen sein können."

Zum Thema:

InfoboxVon Oktober 2013 bis 1. April 2015 wurden der Gemeinde insgesamt 60 Flüchtlinge zugewiesen, vier weitere folgen in den nächsten Wochen. Sieben sind in andere Kommunen verzogen, sodass derzeit zehn Frauen und 43 Männer in Eppelborn leben. Davon sind sieben Eritreer und 46 Syrer. Altersmäßig reicht die Skala von drei bis 60 Jahren. Untergebracht sind die drei Groß-Familien, drei Ehepaare und die übrigen männlichen Einzelpersonen in acht gemeindeeigenen oder von der Gemeinde angemieteten Wohnungen/Häusern. Dazu kommen sechs Wohnungen, bei denen Mietverträge zwischen Vermietern und Asylbewerbern geschlossen wurden. nig

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