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Am Ende wurde es noch ganz schön frivol

Eppelborn. „Casanova“ – so lautete der Name Stückes, mit dem die 26. Eppelborner Figurtheatertage zu Ende gingen. Die waren insgesamt wieder ein großer Erfolg, wobei die Erwachsenenstücke nicht so gut besucht waren. Anika Meyer

Überraschend, wie Handpuppen aufdrehen können, wenn keine Kinder im Raum sind. Die sonst so unschuldig wirkenden Gesellen verloren sich am Freitagabend im Eppelborner Big Eppel in frivolen Konversationen und heißblütigen Nachstellungen. Kein Wunder - das Stück "Casanova", das Elke Siegburg und Stephan Wunsch vom Rosenfisch Figurenspiel Eschweiler zum Abschluss der 26. Eppelborner Figurentheatertage auf die Bühne brachten, basiert auf der originalen "Geschichte meines Lebens" von Giacomo Casanova , Schriftsteller des 18. Jahrhunderts.

Es begann mit Tischfiguren: Casanova bittet den Schneider um ein Gewand und zwar um ein ganz besonders schönes. "Es ist . . . wegen einer Frau!" Ach nee, wer hätte es gedacht. Doch der Schneider will dem ewig klammen Casanova keinen Kredit mehr gewähren. Also bezahlt er mit Geschichten. "Von der Arbeit an meinem Käse-Lexikon", will er erzählen, doch der Schneider will lieber von amourösen Abenteuern hören, die das Publikum fortan als Spiel verschiedener Puppenarten miterlebt.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Casanova gibt sich keineswegs als respektloser Frauensammler, der sich mit jeder Bettgeschichte auf der Männlichkeitsskala gestiegen glaubt. "Er ist kein Don Juan und kein Strauss-Kahn", so drückt es das Programm aus. Er ist vielmehr ein getriebener Geist, der die Welt auf vielfältige Weise zu durchdringen sucht. Die Liebe ist für ihn nur dann eine Freude, wenn er selbst als schöner, geistreicher Mann begehrt wird. Und er lässt bei Weitem nicht Jede ran: "Marina! Ich biete dir eine Dublone, wenn du die ganze Nacht... brav bei deiner Mutter bleibst." In Windeseile und mit einfachsten Mitteln verwandelt sich das Schneideratelier mal in diesen, mal in jenen Ort des manchmal chaotischen, in jedem Fall aber komischen Abenteuers.

Und der Anstand bleibt gewahrt: Als Casanova mit dem sich als Frau entpuppten Kastraten Bellino im Bett landet, schiebt Stephan Wunsch diskret einen Raumteiler davor. Geht ja keinen was an, was die Casanova-Puppe und der Holzkopf mit Perücke da so genau treiben.

Der Abschluss machte den Anspruch der Figurentheatertage nochmals deutlich. Überhaupt, so der Kulturbeauftragte Aloysius Scholtes, sei das Niveau in diesem Jahr durchweg sehr hoch gewesen, die Besucherzahlen der Erwachsenen-Stücke allerdings eher mäßig. "Einfach kein Theaterwetter", vermutet er.

Leider hatte Scholtes noch eine traurige Nachricht mitzuteilen: Der Initiator der Veranstaltungsreihe, Dieter Blass, ist gestorben. "Ich hoffe, dass sich in seinem Sinne noch viele Menschen an den Figurentheatertagen erfreuen werden."