Voller Erfolg für Die Päpstin: Eine Päpstin als Besuchermagnet

Voller Erfolg für Die Päpstin : Eine Päpstin als Besuchermagnet

Am Dienstag lief die letzte von insgesamt zwölf Vorstellungen des Musicals – OB Jürgen Frieds Fazit: Ein voller Erfolg.

Das Jahr hat kaum begonnen, da geht schon die erste Ära zu Ende: Nach zwölf ausverkauften Vorstellungen verabschiedet sich das Ensemble der „Päpstin“ aus der Kreisstadt. Rund 11.500 Besucher sahen die dramatische Geschichte der Johanna, die sich im 9. Jahrhundert als Mann ausgab und es bis nach Rom auf den Thron des Pontifex Maximus schaffte.

Gar nicht mehr aufhören zu applaudieren wollten die Zuschauer nach der letzten Vorstellung am Dienstagabend. Was Hauptdarstellerin Anna Hofbauer sichtlich rührte. Nach der Show gab es noch Stars-zum-Anfassen satt, so schrieb allein Kevin Tarte fast eine Dreiviertelstunde lang Autogramme. Für Sandra Birster war das Ganze eine Art Déjà-vu. War die Saarbrücker Bankkauffrau doch vor Weihnachten schon einmal mit ihrer Mutter in dem Musical gewesen: „Das war so toll“, da musste sie einfach noch mal mit ihrem Mann wiederkommen. Was genau ihr so gefiel? „Alles: Darsteller, Inszenierung, die Lieder, die Umsetzung.“

Für Kilian Riedschy waren „die Seiltänzerinnen“ definitiv das Highlight. „Richtig schwierig“ sei deren Part gewesen, genau wie die „schnellen Umbauten“. Der Zehnjährige war mit seiner Familie aus St. Wendel her gepilgert. Worum es in der Geschichte konkret geht, war ihm in der Pause noch nicht so ganz klar, „Religion halt und Glauben“.

Seiner Frau jeden Wunsch von den Augen abzulesen vermag Otwin Diehl, wie er schmunzelnd verriet. Deshalb legte er ihr Derniere-Tickets unter den Christbaum: „Sie hat das Buch gelesen und sich sehr über die Karten gefreut.“ Den Schwalbacher selbst reizt an der Inszenierung vor allem das Staraufgebot. Richtige Musicalgänger sind Dagmar und Wolfgang Maßmann, in Trier genauso wie in Hamburg. Der Besuch in Neunkirchen war dagegen eine Premiere. Sehr angetan zeigte sich das Paar aus Damflos bei Hermeskeil vom Ambiente der Gebläsehalle – und vom Stück selbst: „Wir sind beide sehr begeistert“, schwärmte Dagmar Maßmann, „sowohl schauspielerisch als auch gesanglich und tänzerisch.“ Sogar das eher schlicht gehaltene Bühnenbild – variabel positionierbare Gerüste – fand ihr Wohlwollen: „Da wurde mit wenigen Mitteln viel erreicht“, woran die Lichteffekte großen Anteil hatten. Für die Kommunikationsdesignerin, die eine Werbeagentur leitet, stach eine Leistung innerhalb des Ensembles besonders heraus: die der jungen Johanna. „Es ist eine Sache, das auswendig zu lernen.“ Aber bei der elfjährigen Clara Mirwald klang es so authentisch, „als ob sie das alles selbst so empfindet. Hut ab.“

„Mitreißend“ fand auch Margit Weber aus Nalbach das Gehört- und Gesehene. „Die Stimmen sind herausragend.“ Beruflich kennt sie die Neue Gebläsehalle bereits von Veranstaltungen, doch kulturell sei es ihr „erstes Mal“ hier: „Sehr bemerkenswert“ sei, wie man solch eine Musicalproduktion hier umsetze, „die Halle hat was.“ Gerade um etwas Neues auszuprobieren, sei dieser Ort prädestiniert, ergänzt Begleiterin Beate Jung. Etwas schade fand die Eppelbornerin den Verzicht auf Live-Musik: Das Orchester fehle manchmal. Ein großes Kompliment machte sie dafür den Darstellern, gerade auch den Laien: „Man hat gemerkt, mit wie viel Herzblut die dabei sind.“

Was Oberbürgermeister Jürgen Fried freuen wird. Wie überhaupt das ganze „Päpstin“-Projekt als einziger Erfolg zu werten ist. „Wir hatten eine 95-prozentige Auslastung, wo gibt es das noch mal? Das hat kein Staatstheater, nirgends.“ Gelegen hat es zum einen am historischen Stoff und dem zugrunde liegenden Bestseller von Donna W. Cross. Zum andern zogen natürlich die großen Namen: „Von den zehn besten deutschen Musicalsängern hatten wir fünf da.“ Was sehr viele Fans aus Rheinland-Pfalz, aber auch aus Bayern, Berlin und Hessen ins Saarland lockte.

„Alle überregionalen Magazine der Branche waren da“, bilanziert Fried. „In den sozialen Medien haben wir 190.000 Menschen erreicht.“ Bei Bewertungen im Internet kam „Die Päpstin“ auf 4,8 von 5 möglichen Sternen. Sogar das Experiment Silvesterparty funktionierte. Der Verwaltungschef selbst hatte es sich trotz grippalem Effekt nicht nehmen lassen, vorbei zu schauen – und war erstaunt, wie viele Besucher „vom Alter her bunt gemischt zwischen 20 und 70“ nach der Vorstellung gemeinsam mit den Darstellern feierten, „bis weit in die Morgenstunden“.

Sandra Birster aus Saarbrücken. Foto: Jörg Jacobi
Otwien Diehl aus Schwallbach. Foto: Jörg Jacobi
Dagmar und Wolfgang Maßmann aus Hermeskeil. Foto: Jörg Jacobi

Nächste Station für „Die Päpstin“ ist Stuttgart. Dort wird das Musical vom 2. bis 6. März erneut aufgeführt und „die Stadt Neunkirchen als Mitinitiator genannt“, so Fried. Veränderungen bei der Besetzung sind nicht geplant, sogar die Nebendarsteller und Kinder will Produzent Benjamin Sahler „mitnehmen“. Als Einziger nicht dabei sein wird Lokalmatador Matthias Stockinger, der bei der Derniere krankheitsbedingt fehlte. Im November gastiert „Die Päpstin“ dann in Füssen. Die Neunkircher dürfen sich übrigens auch wieder auf ein großes Jahresend-Musical-Ereignis freuen. Welches, sei allerdings noch offen.