Ein Obelisk mit "bewegter" Geschichte

Ein Obelisk mit "bewegter" Geschichte

Neunkirchen. Die Neunkircher, gemeinhin ihre Stadtplaner, sahen sich im Laufe der Stadtgeschichte häufiger gezwungen, fest eingemauerte Denkmäler zu versetzen. Drei Mal versetzt wurde beispielsweise das stattliche Denkmal des Freiherrn Karl-Ferdinand von Stumm, zwei Mal das noch junge Denkmal des Sense Eduard am Hammergraben und zwei Mal die Mariensäule auf dem Platz vor der Marienkirche

Neunkirchen. Die Neunkircher, gemeinhin ihre Stadtplaner, sahen sich im Laufe der Stadtgeschichte häufiger gezwungen, fest eingemauerte Denkmäler zu versetzen. Drei Mal versetzt wurde beispielsweise das stattliche Denkmal des Freiherrn Karl-Ferdinand von Stumm, zwei Mal das noch junge Denkmal des Sense Eduard am Hammergraben und zwei Mal die Mariensäule auf dem Platz vor der Marienkirche. Den Rekord an Flexibilität aber hält die acht Meter hohe Säule am Unteren Markt, hinter der Christuskirche. "Geburtsort" dieses Obelisken war ein Standort zum Hüttenberg hin, zwischen Christuskirche und dem Hause des Uhrmachers Dispot, später Drogerie Ohm, heute ein leer stehendes Ex-Möbelhaus. Der "Vaterländische Frauenverein Neunkirchen" hatte die Säule aus "Nassauischem Marmor", der ein Kalkstein ist, in Erinnerung an die Neunkircher Opfer des "glorreichen Krieges" 1870/71 errichten lassen. Einweihung war am 25. Oktober 1874. 1898 wurde der schlanke Finger in der Sichtachse Viktoriastraße (heute Lutherstraße)/Christuskirche aus stadtplanerischen Gründen, verschoben. 1939 "wanderte" der Gedenkstein vom für Kundgebungen neu gestalteten Adolf-Hitler-Platz hinter der Christuskirche, dem heutigen Unteren Markt, auf den früheren katholischen Friedhof an der Schlossstraße, damals Horst-Wessel-Park geheißen. Von dort verfolgte er die Zerstörung Neunkirchens unbeschadet.1962/63 erforderten Baumaßnahmen in dem Gelände an der Schlossstraße, dass der Obelisk zum Hauptfriedhof Scheib gebracht wurde, wo er, wie der promovierte Kunsthistoriker Rainer Knauf im Stadtbuch bemerkt, "zwei Jahrzehnte lag". Nach 1983 aber erlebte die Säule ihre Renaissance und fand auf dem zum Parkplatz umfunktionierten Unteren Markt hinter der Christuskirche erneut eine Bleibe. Sichtachse wieder Lutherstraße/Christuskirche. Da steht er jetzt, der stramme Bursche, den Rainer Knauf im Stadtbuch sach- und fachkundig wie folgt beschreibt: "Er besteht aus einem mehrstufigen Postament mit überkragendem dreiecksgiebeligen Abschluss mit Eckakroterien und dem sich über einer Sockelstufe erhebenden Obelisken." Die am Postament angebrachten Schriftplatten waren in der Nachkriegszeit, vermutlich von Schrottsammlern, gestohlen worden. 1957 wurden sie anhand der Unterlagen nachgebildet und wieder angebracht. > Lesen Sie in Teil 3 nächste Woche über die Musikschule

HintergrundDer Obelisk erinnert an 68 gefallene oder nach Verwundungen gestorbene Soldaten. Da die militärische Hierarchie über den Tod hinaus gewahrt wurde, werden zwei Oberleutnants, elf Unteroffiziere, ein Einjähriger Freiwilliger und 54 Mannschaften, darunter sieben Franzosen, genannt. Die Deutschen stammten aus der Bürgermeisterei Neunkirchen oder waren auf den beiden alten Friedhöfen, dem katholischen an der Schlossstraße, dem evangelischen an der Büchelstraße/Brauereigelände, sowie in Elversberg beigesetzt. gm

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