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Bachmann besucht Neunkirchen
Ein Besuch im „sozialen Herz“ der Stadt

Ministerin Monika Bachmann überreicht Oswald Jenni (rechts) und seinem Team eine Spende für die Aktion am Heiligen Abend.
Ministerin Monika Bachmann überreicht Oswald Jenni (rechts) und seinem Team eine Spende für die Aktion am Heiligen Abend. FOTO: Thomas Seeber
Neunkirchen. Doppelter Besuch der Gesundheitsministerin Monika Bachmann: Neunkircher Tafel und Heilig-Abend-Feier sind der Anlass.

Zwei Tage hintereinander steuerten Gesundheitsministerin Monika Bachmann und ihr Tross die Kreisstadt an: Am Dienstag besuchte sie die Neunkircher Tafel, am Mittwoch das Pfarrheim Herz Jesu in der Norduferstraße. Im Keller der zum Arthouse umgewandelten Kirche war letzteres nicht auf Anhieb zu finden. Doch die Suche lohnte sich für beide Seiten: Für das gastgebende Team um Diakon Oswald Jenni, dem Bachmann einen Scheck über 1000 Euro überreichte. Und für die Ministerin, die zu Kaffee, belegten Brötchen und selbst gebackenem Kuchen eingeladen war – was ihr wohl nicht allzu oft passiert, wie sie dankbar einräumte. Eine Art Tournee führt sie und den Staatssekretär derzeit zu allen Tafeln des Landes: „Es ist erschreckend, wie viele Menschen dahin gehen müssen. Wir dachten am Anfang, das wäre nur eine Phase.“ Doch der Bedarf besteht nach wie vor und steigt eher noch. Weshalb man im kommenden Jahr unter anderem auf Landesebene einen „Aktionsplan gegen Armut“ schmieden wolle.



Der Anlass für ihren Besuch sei ein Brief der Gemeinde gewesen und „mehrere Anrufe von Tobias Hans“. Dem Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion liegt die Heilig-Abend-Feier der Katholischen Kirchengemeinde St. Marien besonders am Herzen. „Wir haben hier in Neunkirchen ein hohes Niveau an Bedürftigkeit“, betonte Hans. Der Sozialraum sei „schwierig geworden“. Umso höher ist konkrete Hilfe, wie die der Gemeinde, zu werten. Einmal mehr, weil sie sich an alle und jeden richtet – in Zeiten, in denen die AfD im Landtag unverblümt Stimmung gegen Flüchtlinge macht.

„Hier im Pfarrheim Herz Jesu schlägt das soziale Herz“ der Stadt, erklärte Pfarrer Michael Wilhelm. „Und es hat auch ein Gesicht, das von Oswald Jenni.“ Der stellte den Gästen zunächst die Heilig-Abend-Feier vor. Sie richte sich vor allem an „Menschen, die alleine sind und nicht wissen, wohin“ an diesem emotional brisantesten Tag des Jahres, so Jenni. Etwa 220 Leute werden wieder am 24. Dezember erwartet. Der Nachmittag beginnt mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken, dazu gibt es Programm auf der Bühne, an dem sich seit zwei Jahren auch Landrat Sören Meng mit einer Lesung beteiligt. „Es bleibt aber auch immer genügend Zeit zum Quatschen.“ Es folgen das Abendessen in Form eines kleinen Menüs und die „Bescherung“ mit Stoffbeuteln, die unter anderem Lebensmittel enthalten – „damit die Beschenkten über die Feiertage etwas zu essen haben“, wie ein Helfer verriet.

Apropos: Es sind fast 70 Frauen und Männer, die im Vorfeld, bei der Feier selbst und beim Aufräumen anschließend mit anpacken, viele davon seit Jahren. Wie Günther Schröder: „Als ich vor 17 Jahren in Rente ging, wollte ich irgendwas tun“, erinnerte sich der gelernte Schreiner. „Durch einen Zufall habe ich von der Aktion in der SZ gelesen. Seitdem mache ich mit.“ Der 77-jährige Ottweiler klappert an Heilig Abend ab 14 Uhr Bäckereien und Supermärkte ab. Mit der Ausbeute wird ein großes Kuchenbuffet aufgebaut. Zwar sei er nur für die erste Schicht bis 17 Uhr eingeteilt, aber meist bleibe er doch bis zum Schluss. „Dort habe ich schon Geschichten gehört, da hätte man mitheulen können.“ Mit seiner Familie feiert Schröder dann einfach später. Seine Enkel, acht und 14 Jahre alt, hat er schon angesteckt mit seiner Begeisterung für die Aktion. „Sie helfen vorher mit beim Tüten packen.“

„In der Herberge ist Platz für viele …“, steht auf dem Plakat, dass mit dem Bild der heiligen Familie in Bethlehem für die Weihnachtsfeier wirbt. Monika Bachmann freute sich besonders über ein kleines Wort, notiert auf ein Schild, das vor dem Stall zu sehen ist: „Ganz toll, da reserviert drauf zu schreiben.“ Reserviert nämlich ausnahmslos für jeden, unabhängig von sozialem Status, Herkunft und Hautfarbe. Ihr großer Dank ging schließlich an die Ehrenamtlichen, die all das erst ermöglichen.