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Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Neunkirchen hat in der Corona-Epidemie alle Hände voll zu tun.

Kostenpflichtiger Inhalt: Wirtschaftsförderung im Kreis Neunkirchen : Das große Thema ist die Liquidität

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Neunkirchen hat in der Corona-Epidemie alle Hände voll zu tun.

Die Corona-Epedemie ist nicht nur gesundheitlich eine Herausforderung, sie trifft auch die Wirtschaft im Kreis Neunkirchen mit voller Wucht. Viele Betriebe haben derzeit geschlossen. Je länger die massiven Beschränkungen im Zuge von Corona andauern, um so härter wird es für die Unternehmen. Ein Gespräch mit Wirtschaftsförderer Klaus Häusler.

Steht das Telefon eigentlich noch still bei der Wirtschaftsförderung? Läuft das Mail-Postfach über?

Häusler: Das Telefon rappelt schon ordentlich. Aber es ist für uns noch zu bewältigen. Das Team der WFG besteht aus vier Personen. Wir arbeiten in Schichten, um auch unser Risiko einer Erkrankung zu minimieren. Viele Informationen finden unsere Nutzer auch im Internet unter www.wfg-nk.de. Für Fragen rund um die aktuellen Problemstellungen stehen wir unter Tel. (0 68 21) 80 01 oder unter der Direkt-Hotline (01 77) 7 69 13 45 zur Verfügung.

 Mit welchen Problemen kommen die Unternehmen im Kreis jetzt zu Ihnen?

 Häusler: Die großen Unternehmen wenden sich direkt an die Ministerien und Kammern. Das entscheidende Thema ist aber für alle Betriebe gleich. Die zentrale Frage ist die nach der Liquidität. Wie komme ich meinen Zahlungsforderungen nach in den nächsten Tagen und Wochen, vielleicht auch Monaten? Auch ein kleines Unternehmen muss seine drei oder vier Mitarbeiter bezahlen, hat laufende Kosten, die beglichen werden müssen. Wenn zum Beispiel eine Bäckerei mit Café derzeit nur an der Theke noch Brot und Brötchen verkauft, aber die Tische im Geschäftsraum nicht mehr besetzt werden dürfen, bleiben die Kosten für diesen Bereich doch die gleichen.

Welche Branchen sind besonders stark, welche weniger betroffen?

Häusler: Von der Schließung sind ja ganz viele Betriebe betroffen, vom Schuhgeschäft bis zum Blumenladen, vom Gastronom über Hotels bis zu den Betrieben im Bereich Freizeit, Gesundheit, Kunst und Kultur. Teilweise auch das Handwerk. Alle, die unter die Verfügung fallen und nicht mit Gütern des täglichen Bedarfs arbeiten. Und natürlich wirkt sich die Krise auch auf Zulieferer und produzierendes Gewerbe aus.

Welche Unterschiede gibt es zwischen den Problemlagen großer Player und kleiner Betriebe?

Häusler: Die großen und mittleren Betriebe kennen sich besser mit Formalien etwa beim Kurzarbeitergeld aus, als dies bei den kleinen Firmen der Fall ist. Sie haben andere Ressourcen. Wenn die Lufthansa 31 000 Mitarbeiter in Kurzarbeit schickt, ist das bei der Agentur für Arbeit eine andere Größenordnung. Auf der anderen Seite kann es sehr schnell eine existenzielle Bedrohung darstellen, wenn bei kleinen Unternehmen bei uns im Kreis Einnahmen wegbrechen.

 Wie lange können Unternehmen die aktuelle Situation überstehen? Welche Hilfen bekommen sie jetzt?

Häusler: Alle hoffen, die aktuelle Krise werde sich so rasch wie möglich auflösen. Wie lange ein Betrieb die derzeitige Situation überstehen kann, hängt natürlich von den Rücklagen und Reserven ab. Das ist individuell ganz unterschiedlich, die Bandbreite der wirtschaftlichen Stärke ist sehr groß. Die aktuellen Corona-Hilfen teilen sich in drei Bereiche auf: Bundeshilfen, Landeshilfen, Unterstützung von der Kreditanstalt für Wiederaufbau KFW und der SIKB, der Saarländischen Investitionskreditbank.  Wir unterscheiden Zuschüsse und Kreditprogramme. Die Zuschüsse müssen die Empfänger nicht zurückzahlen. Sie sind als Soforthilfe gedacht, um die Betriebe zu entlasten. Kredite sind hingegen zurückzuzahlen. Sie dienen zur Überbrückung von Liquiditätsproblemen. Darüber hinaus gilt es auszuloten, was Hausbanken tun können bei Kreditlinien und Tilgungsaussetzung, oder wie es mit der Stundung von Steuern beziehungsweise Verringerungen von Steuervorauszahlungen aussieht.

 Lässt sich abschätzen, wie viele Menschen im Kreis mit seinen rund 40 000 Beschäftigten derzeit in Kurzarbeit sind?

 Häusler: Diese Zahlen hat nur die Bundesagentur für Arbeit. Da ist im Moment natürlich auch wahnsinnig viel Bewegung. Auch die Zahl der Anträge ist mir nicht bekannt.

Wie fühlt sich die aktuelle Situation für einen Wirtschaftsförderer an? Schlagen Ihnen gefühlt die Wellen über dem Kopf zusammen? Oder bleiben Sie auch in dieser Ausnahmesituation optimistisch?

Wirtschaftsförderer Klaus Häusler. Foto: Dirk Guldner - guldner.de/Dirk Guldner - guldner.de;GMLR

Häusler: Wenn ich das Fenster rausschaue, sehe ich eine schöne Frühlingssonne. Das gibt mir ein etwas surreales Gefühl. Denn es sieht alles ganz normal aus, aber wir erleben hier gerade etwas, das historisch einmalig ist. Betriebe stehen still, im sozialen Bereich haben wir Kontaktbeschränkungen. Es prasselt auf uns alle ein, im Beruf wie im Privaten. Wir arbeiten hier im Team motiviert und geben den Betrieben so viel Hilfestellung, wie irgendmöglich.