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Neunkircher Kirmes vor dem Start
Alles startklar für die Neunkircher Kirmes

Neunkirchen. Gestern liefen die Aufbauarbeiten für „Neinkeijer Kerb“ noch unter Hochdruck. Start ist an diesem Freitag um 16 Uhr. Von Anja Kernig

Alpha 1 ist abgängig. Holger Janes, Leiter des Ordnungsamtes, deutet auf die gelbe Rasenfläche neben dem fix und fertig aufgebauten „Chaos“-Pendel, das wie aus dem Ei gepellt in der Sonne glänzt. Aus Aachen wollte Schausteller Raymond Peeters anreisen. Doch der Platz ist leer, telefonisch niemand erreichbar - „wir wissen gar nichts“, meint Janes seelenruhig, als ob die „Neinkeijer Kerb“ nicht in weniger als 28 Stunden eröffnet würde.


Aber Ersatz für den „Huss Ufo“ ist jetzt eh nicht mehr zu kriegen. Vertraglich geregelt, wird man Peeters einen Teil des Standgeldes in Rechnung stellen. Schwerer als der Mietausfall wiegt allerdings der Schaden fürs Image. Lücken hinterlassen keinen guten Eindruck, zumal auch der Betreiber der Pony-Reitbahn vorgestern abgesagt hat. Oder vielmehr absagen musste: „Er hat niemanden für den Aufbau und die Betreuung gefunden.“

„Das massivste Problem ist - neben den Vorschriften (vor allem die seit 2016 geltende Sicherheitsnorm DIN EN 13814 für ‚Fliegende Bauten’) - das Personal“, nickt Thomas Sonnier, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Saar, der mit drei Warenautomaten und Gastronomie vertreten ist. „Wir finden einfach keine Leute, die diese Arbeit wollen.“ Dabei seien die Helferdienste mittlerweile „gut bezahlt“. Gleichwohl ist die Neunkircher Kirmes auf einer Fläche von rund 15 000 Quadratmetern „eines der größten Volksfeste im süddeutschen Raum“. 56 Schausteller beteiligen sich Anno 2018 – in etwa das gleiche Level wie die vorangegangenen Jahre. Tatsächlich sind die meisten Schausteller Wiederholungstäter, weiß Janes. „Die Masse kommt seit Jahrzehnten hierher.“



Der Rundgang übers Festgelände startet an der Fressmeile auf der Bliesseite, eine bewährte Mischung aus „Spielwaren, Verlosungsständen und Essen“ – mit festen Standplätzen. Aus Sicherheitsgründen musste man diesmal alles zehn Meter nach hinten verschieben. „Da war das Geschrei groß“, berichtet Janes. „Wie kommen die Leute zu mir“, haben die Betreiber um ihre Stammkunden gebangt. Verprellen mag man natürlich niemanden. Denn es wird immer schwieriger, Schausteller zu finden. Schon mal gar nicht von weiter weg: Die Sache rechnet sich einfach nicht mehr bei drei-, vierhundert Kilometern Anfahrtsweg. Bestes Beispiel ist das Bierzelt. Das vermissen viele Besucher, aber es rentiert sich halt nicht. „Die Erfahrung zeigt, dass man mit fünf Tagen Umsatz die Kosten nicht gedeckt bekommt.“ Allein die Anmietung des Zeltes schlägt mit mehreren 1000 Euro zu Buche.

Für die Stadt ist die Kirmes sowieso ein Verlustgeschäft. Größter Kostenpunkt ist das Personal: „Der kommunale Ordnungsdienst übernimmt tagsüber die Marktaufsicht, ergänzt durch vier Leute eines privaten Sicherheitsdienstes.“ Der Bereich „Märkte“, zu dem auch die Wochenmärkte zählen, beschert dem Haushalt jährlich ein Defizit von 60 000 bis 90 000 Euro.

Mit dem Wasserschlauch abgespritzt wird gerade der bonbon-bunte „Phantom“-Druckluftflieger. Ein Anblick, der den Leiter des Ordnungsamtes in die Kindheit zurückkatapultiert: „Ich war einer der ersten Nutzer“, erinnert sich Janes gern an wilde Verfolgungsjagden. Seit 55 Jahren gibt es das nach einem Militär-Jet benannte Karussell, das sich dank individuell steuerbarer Gondeln nach wie vor großer Beliebtheit bei den Knirpsen erfreut. Die Gondeln werden alle zwei, drei Jahre neu lackiert, verrät Sascha Schraut, Schausteller in vierter Generation. Nötig sei das nicht wegen randalierender Dreikäsehochs, sondern wegen Macken, die beim Auf- und Abbau entstehen. Die Schrauts sind am Wochenende parallel in Gersweiler und Dudweiler vertreten. Hier auf den Eisweiher zu kommen, lohne sich durchaus noch, findet Sascha Schraut. Das Wetter muss halt mitspielen. „So wie es gemeldet ist, wird es perfekt, genauso, wie wir es brauchen“, freut sich Kollege Sonnier auf moderate 20 Grad und Sonnenschein. „Das wird richtig klasse.“