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Erlebnispfad auf dem Abstieg
Eine Himmelsleiter, die ins Nirgendwo führt

Ein Bewohner der Teufelsschlucht lässt grüßen.
Ein Bewohner der Teufelsschlucht lässt grüßen. FOTO: Jörg Laux
düppenweiler/Nalbach. Die Litermont-Gipfel-Tour wurde 2007 zu Deutschlands schönstem Wanderweg gewählt. Wer dem Pfad heute folgt, kann’s kaum glauben. Von Jörg Laux

Eines vorweg: Die Litermont-Gipfel-Tour gehört zu den eher anspruchsvollen Wanderstrecken, die eine gute Kondition und festes Schuhwerk erfordern, denn es geht buchstäblich über Stock und Stein. Für die knapp zehn Kilometer lange Strecke und 425 Höhenmeter, die sich je nach Kondition – und Abenteuerlust des Wanderers – in „leicht“ und „schwer“ aufteilt, sollte man gut vier Stunden einplanen – oder auch länger. Doch eine Stelle des Wegs ist auch für versierte Wanderer nicht mehr begehbar.


Doch von Anfang an: Zunächst steigt der Wanderer vom Wanderparkplatz Maldix am Fuß des Litermonts in die Gipfeltour ein. Eine abwechslungsreiche Tour erwartet ihn ab hier durch den Nalbacher Forst: vorbei an liebevoll mit Sagengestalten, Tieren oder Waldpilzen verzierten Sitzbänken, über die Quelle der Etzelbach – in Nalbach sagt man „die“ Etzelbach – zum Froschparadies. Die ehemalige Sandgrube mitten im Wald, kann man – je nachdem, ob man‘s lieber „leicht“ oder „schwer“ hat – auch umgehen. Wer zur Sandgrube hinabsteigt, kommt über schmale, aus dem Waldboden herausgearbeiteten Treppenstufen – man sollte also auf seine Füße schauen – hinunter auf einen Stegweg, der durch das Biotop hindurchführt, anschließend geht es wieder hinauf. Hier treffen „schwer“ und „leicht“ wieder aufeinander und es geht weiter um den Litermont herum. Langsam mehr und mehr ansteigend vorbei an der kleinen Mariengrotte, „Absturzgefahr“-Schildern an steilen Stellen ohne Weggeländer oder kurz vor dem Gipfelkreuz dem Weidendom, der auch für Trauungen zur Verfügung steht. Dann endlich, nach etwa sieben Kilometern, hat man das Gipfelkreuz erreicht und wird mit einer einmaligen Aussicht über das Saarlouiser Land belohnt. Ein Nachbau eines optischen Telegraphen aus der Zeit Napoleons ist ebenfalls auf dem gut gepflegten Litermont-Plateau zu bestaunen. Ein wirklich schönes Plätzchen, das einen Besuch immer lohnt und einfach und schnell vom Waldparkplatz „Grauer Stein“ zu Fuß zu erreichen ist.

Die Gipfel-Tour geht von nun an bergab, bis man schließlich unterhalb des Gipfelkreuzes zu einer Weggabelung gelangt. Hier weist ein Wegweiser „Himmelsleiter“ den vermeintlich kürzesten Weg zurück zum Fuß des Litermonts. Wer diesen Weg wählt, hat jedoch nur als Bergsteiger eine Chance, heil unten anzukommen. Wirkt die „Himmelsleiter“ auf den ersten Metern noch relativ vertrauenswürdig, so werden alsbald die Geländer entlang des Weges brüchig und brüchiger. Ein wenig vertrauenserweckender Steg führt über einen kleinen Felsspalt weiter ins. . . Nichts. Plötzlich endet der „Himmelssteig“ und man fühlt sich unvermittelt an den Led-Zeppelin-Klassiker „Stairway to heaven“ erinnert, denn auch hier führt die besungene „Himmelsleiter“ letztendlich ins Nirgendwo. Lediglich ein paar Reste eines Handlaufs an den Bäumen lassen noch erahnen, dass hier einmal ein Weg war, wo jetzt nur noch Bruchholz und Geröll einen felsigen Hang zieren. Selbst für den mutigen Wanderer heißt es spätestens hier, umkehren und zurück, was nicht ganz ungefährlich ist. Irritiert fragt man sich, wieso hier oben immer noch ein Schild auf die Himmelsleiter hinweist, statt eines Warnschilds, der vor der Nutzung dieses Teils der „Himmelsleiter“ warnt. Oder eine Absperrung.



Wer schließlich wieder an der Weggabelung angekommen ist, gelangt auf diversen mehr oder weniger steilen Wegen zum Steinbruch unterhalb des Gipfelkreuzes. Von hier gibt es ebenfalls einen Einstieg zur Himmelsleiter, allerdings nach oben. Wer also die Gipfeltour in der entgegengesetzten Richtung läuft, was ebenfalls beschildert ist, könnte hier in die Himmelsleiter einsteigen. Und tatsächlich führt hier eine steile, aber begehbare Waldtreppe hinauf auf ein Aussichtsplateau neben dem Steinbruch. Auch hier steht ein Wegweiser „Himmelsleiter“, diesmal in Richtung Gipfel. Doch dieses Schild weist ins Leere, denn dort, wo die ehemalige „Himmelsleiter“ den Hang hinauf führte, ist nur noch Gestrüpp und Geröll. Etwa 50 Meter oberhalb befindet sich die Stelle, an der der Steig endete, und man von oben kommend umkehren musste. Schade, gilt der Himmelssteig doch immer noch als eines der Highlights der Litermont Gipfel-Tour. So steht es zumindest auf der Homepage der Gemeinde Nalbach.

Das Problem der Himmelsleiter sei bekannt, sagt Peter Lehnert, Bürgermeister der Gemeinde, die für die Instandhaltung der Gipfel-Tour verantwortlich ist. Gleichzeitig kündigt er an, dass der Wanderweg im Herbst auf der Agenda des Nalbacher Bauhofs stehe. Dazu gehöre dann, dass die Beschilderung der Gipfeltour überprüft und entsprechend angepasst werde – auch an anderen Stellen ist die Beschilderung nicht optimal und kann auf die falsche Fährte führen. Ebenfalls sollen brüchige oder defekte Geländer, Seile und Handläufe erneuert werden. Die inzwischen unpassierbaren Teile der Himmelsleiter sind jedoch voraussichtlich nicht mehr sanierbar – der finanzielle Aufwand sei einfach zu hoch. Sie müssen aus der Wegführung wahrscheinlich gestrichen werden. Derweil ist die Verwaltung Nalbach dankbar für Hinweise von Wanderern, gerne auch per Mail mit Foto, an welchen Stellen der Gipfel-Tour ebenfalls Hand angelegt werden sollte.

Die Gemeinde Nalbach ist per E-Mail unter info@nalbach.de oder unter Tel. (0 68 38) 9 00 20 zu erreichen. Eine Wegbeschreibung zur Gipfel-Tour gibt es im Internet.

Mehr Höllentrip als Himmelssteig
Mehr Höllentrip als Himmelssteig FOTO: Jörg Laux