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Gastronomie und Kinos weiter geöffnet
Ein Turm sieht rot

Ein Wahrzeichen von Neunkirchen: der Wasserturm mit seinen Kinos und der umliegenden Gastronomie.
Ein Wahrzeichen von Neunkirchen: der Wasserturm mit seinen Kinos und der umliegenden Gastronomie. FOTO: Andreas Engel
Neunkirchen.  Die Gerüstbauer haben  begonnen. In  zwei bis drei Wochen folgt das Einhüllen des Neunkircher Wasserturms. Dann startet die Sanierung  von Haube und Klinkern. Von Solveig Lenz-Engel

  Vor gut  20 Jahren war  der Umbau des 1936 erbauten Wasserturms auf dem  alten  Hüttenareal zu einem Kino mit vier Sälen und 420 Plätzen  der absolute Knaller. Mit der Gastronomie rundum entwickelte sich der markante Backstein-Bau mit der bulligen Stahlhaube zu einem Anziehungspunkt im Herzen von Neunkirchen. Aber Rost und Verwitterung machen auch vor einem „Alleinstellungsmerkmal“, wie der Turm gerne genannt wurde, nicht halt.  Bei der  Pressekonferenz am Dienstagvormittag im lauschigen Nebenzimmer des Brauhauses  zu Füßen des Wasserturms brachte es die Sprecherin der Investorengruppe Wasserturm, Sigrid Getrey auf den Punkt: „Nun ist der Wasserturm nach 20 Jahren Sturm- und Drangzeit etwas in die Jahre gekommen. Wind und Wetter und jährlich  rund 100.000 Kinogäste haben ihre Spuren hinterlassen“.  Die Investorengruppe, bestehend aus Mitgliedern der Neunkircher Familie Getrey, hatte seinerzeit rund elf Millionen Euro  in die Wiederbelebung der  Neunkircher Industriebrache investiert, nun soll eine Million Euro folgen, um das Ensemble in unmittelbarer Nachbarschaft zu Saarpark-Center, Neuer Gebläsehalle und Stummscher Reithalle  wieder in Lack zu bringen.



Die Neunkircher und die Besucher der Stadt werden beobachten können, was da vor sich geht. Die  Firma Zimmer aus Friedrichsthal hat dieser Tage mit dem Aufstellen des Gerüstes begonnen, das den kompletten 41 Meter hohen und in der Turmhaube 14 Meter im Durchmesser breiten Turm von außen begehbar machen wird. Damit beim anschließenden Sandstrahlen der mittlerweile erkennbar angerosteten  „Birne“  keine Teile unkontrolliert weggeschleudert werden können, wird das Gerüst vorher umhüllt. Natürlich nicht mit dem berühmten  metallisch-hellen Material, wie es Christo und Jeanne Claude  bei der Reichstagsverhüllung verwendeten, sondern mit einem eher leichten Netz in profanem Rot.  Schließlich ist man ja auf einer Baustelle und nicht bei einem Kunst-Event. Wie es sich aber für ein  bauhistorisch interessantes Teil wie den Neunkircher Wasserturm gehört,  gehen bei der  Sanierung Leute ans Werk, die das auch schon am Weltkulturerbe Völklinger Hütte gemacht haben. Hinter dem roten Netz wird die Firma Bauschutz aus Völklingen  arbeiten. Gleichzeitig laufen die Malerarbeiten im inneren des angebauten Glasturmes an.

Wenn alles fertig ist, womit man im Laufe des Novembers rechnet, wird auch die Kinokasse wieder im Erdgeschoss, wie zu Beginn der Wasserturm-Kino-Zeiten sein. Ein Glastunnel wird sie direkt mit dem Fahrstuhlturm verbinden, wie Sigrig Getrey erläuterte. Sie verspricht im Entrée ein „Lounge-Ambiente“.

Mittlerweile ist das Wasserturm-Kino nach der Schließung des Neuen Eden in der Hüttenbergstraße der einzige Kino-Standort in der zweitgrößten Stadt des Saarlandes. Und auch während der Sanierung des Wasserturmes müssen die Cineasten nicht auf  ihr Vergnügen verzichten. Während der Bauarbeiten sind alle mit der neuesten Kino-Technik ausgestatteten Säle zu erreichen und auch die Gastronomie rundum ist geöffnet, Allerdings sind die Zugänge wegen der Sperrung der Ringgasse teilweise verlegt. Hinweisschilder lotsen die Besucher, die direkt am Wasserturm über 120 kostenlose Parkplatze vorfinden. Ganz in der Nähe  finden sich  weitere 600 Plätze, ein Teil davon auf der neuen Parkfläche im Hüttenpark, die nach Beobachtung der Stadtverwaltung wohl noch recht wenig  bekannt und daher  eher zögerlich genutzt wird.   In Arbeit ist auch ein  Beleuchtungskonzept, passend zu den   Industrierelikten, , das  den Turm  auch als weithin sichtbaren Werbeträger wieder zum Einsatz kommen lässt.