Der Mann mit dem fotografischen Handball-Gedächtnis

Der Mann mit dem fotografischen Handball-Gedächtnis

Wustweiler/Dirmingen. Der Grandseigneur des Illtaler Handballs wird 70 Jahre alt. Erich Hinsberger, Vorsitzender der Handballfreunde Illtal, feiert heute seinen Geburtstag. Seit nunmehr 56 Jahren ist Hinsberger mit dem Handballsport im Illtal, und im Speziellen in Dirmingen, verwachsen. 1954 war es, da trat der damals 14-jährige in die Handballjugend des TV Dirmingen ein

Wustweiler/Dirmingen. Der Grandseigneur des Illtaler Handballs wird 70 Jahre alt. Erich Hinsberger, Vorsitzender der Handballfreunde Illtal, feiert heute seinen Geburtstag. Seit nunmehr 56 Jahren ist Hinsberger mit dem Handballsport im Illtal, und im Speziellen in Dirmingen, verwachsen. 1954 war es, da trat der damals 14-jährige in die Handballjugend des TV Dirmingen ein. Die ersten Nachkriegsjahre waren überwunden, man fand wieder Spaß am Spiel und am sportlichen Wettkampf. Damals wie heute hatte Dirmingen jedoch keine handball-taugliche Sporthalle zu bieten. Doch das machte nichts, denn zu dieser Zeit bedeutete Handball allenthalben noch Freiluftsport, Feldhandball.Hinsberger erinnert sich noch genau: "Erstmals Meister wurden wir 1959." Es ist seine Stärke, über die noch heute jedermann staunt. Seien es Einzelheiten der Vorwochenbegegnung seiner Handballfreunde Illtal, seien es Dirminger Statistiken der vergangenen 50 Jahre - Hinsberger scheint ein fotografisches Handballgedächtnis zu haben. Und was er nicht in Erinnerung hat, das steht in den dutzenden Büchlein, die er seit 1979 ununterbrochen führt, Spieltag für Spieltag seit 21 Jahren. Ein echter Almanach des Dirminger Handballs: Auf der linken Doppelseite die handgeschriebenen Statistiken, auf der rechten die entsprechenden Zeitungsberichte eingeklebt. "1961 gewannen wir neun zu sechs gegen Erzrivalen Uchtelfangen und stiegen in die Feld-Bezirksklasse auf. Ein legendäres Spiel." Hinsberger spielte zu dieser Zeit Saarlandauswahl in Halle und Feld. Im Jahr 1966 dann gelang erstmals der Aufstieg in die Regionalliga. Vier Jahre später, im Alter von 30 Jahren, hing Hinsberger die Handballschuhe an den Nagel. Das Knie machte immer wieder Schwierigkeiten, dann kam auch das jüngste von drei Kindern, Volker, zur Welt und es wurde gebaut. Hinsberger hatte drei Jahre nichts mehr mit Handball zu tun. Bis 1975. Unter dem ersten bezahlten Trainer, Fritz Bauernfeind, wurde er Mannschaftsbetreuer. 1977 kam dann Trainerfuchs Murat Pohara, der auch auf Hinsberger baute. "Die Jahre mit Murat waren wirklich unvergesslich", erinnert sich Hinsberger gerne zurück. "Wollte nie Funktionär werden" Echte Highlights waren zwei vierzehntägige Spielreisen mit der ganzen Mannschaft, 1978 nach Mexiko und 1980 nach Brasilien. Im Jahr 1979 ging TVD-Abteilungsleiter Bernd Grimm als Spieler zu den Sportfreunden Uchtelfangen. Hinsberger rückte nach. "Ich wollte ursprünglich nie Funktionär werden, immer nur Trainer", erinnert er sich heute schmunzelnd - nach 31 Jahren Funktionärstätigkeit. In seinem ersten Amtsjahr gelang dem TV Dirmingen die Meisterschaft in der Oberliga, doch in den Aufstiegsspielen scheiterte der Traum von der Regionalliga. Dann, 1990, war der Aufstieg perfekt. Und es begann auch die Handballkarriere von Sohn Volker, die ihn bis in die Auswahl des Deutschen Handballbundes führte. Von 1990 bis 1993 und 1995 bis 1998 spielte Dirmingen in der Regionalliga. Dann wurde 2002 aus der Fusion der ehemaligen Erzrivalen Uchtelfangen und Dirmingen das Kind Handballfreunde Illtal (HFI) geboren. Seither ist er auch eines der jüngsten Ehrenmitglieder beim Handballverband Saar. Hinsberger ist ein Präsident, der immer nah am Geschehen ist. Mindestens einmal in der Woche besucht er das Training der Mannschaft, organisiert die Auswärtsfahrten vom Bus bis hin zur Verpflegung, empfängt und betreut bei Heimspielen die Schiedsrichter, hängt (zusammen mit Freund Erich Gabler) die Bandenwerbung auf und ab, entfernt Harzflecken.Am 26. November 2008 erlitt Erich Hinsberger einen Herzinfarkt. Selbst im Krankenhaus war er jedoch allzeit informiert, hatte sogar eine Telefonstandleitung während der Spiele seiner HF Illtal. "Mir geht es wieder prima", sagt das Handball-Urgestein heute grinsend - und man sieht es ihm an. Nächstes Jahr will er das Amt des Vorsitzenden abgeben. Aber so richtig vorstellen kann sich das niemand; er selbst am wenigsten.

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