Der Landkreis Neunkirchen hat gewählt

Die Bürger hatten die Wahl : Fünf von sechs sind im ersten Anlauf durch

Erstmals Stichwahl für Neunkircher OB. Überraschungen bei Bürgermeisterwahlen in Spiesen-Elversberg und Eppelborn.

In sechs Städten und Gemeinden des Kreises gab es Urwahlen. Fünf davon gingen im ersten Wahlgang über die Bühne.

Neunkirchen:Die einen (CDU) hatten es gehofft, die anderen (SPD) hätten es gerne vermieden. Aber am Ende eines langen Wahlabends stand fest: Es wird eine Stichwahl geben. Am Pfingstsonntag dürfen die Neunkircher nochmal ihr Kreuzchen machen und dann entscheiden, wer künftig Oberbürgermeister von Neunkirchen sein wird. Die Entscheidung fällt zwischen Jörg Aumann (SPD), für den am Sonntag 46,8 Prozent der Wähler stimmten, und Dirk Käsbach (CDU), der 27,5 Prozent erzielte. Für die anderen drei Kandidaten ist die Wahl gelaufen. Für Tina Schöpfer (Grüne) stimmten 11,9 Prozent, für Christoph Schaufert (AfD) 8,6 Prozent und für den FDP-Kandidaten Peter Habel 5,2 Prozent. Jörg Aumann war optimistisch: „Wir werden heute mit gebremstem Schaum feiern und in zwei Wochen dann richtig.“ Sein Herausforderer Dirk Käsbach gab sich ebenfalls kämpferisch: „Wir haben unser Etappenziel erreicht. Die Zeit, in der nur SPD-Kandidaten eine Chance in Neunkirchen haben, ist vorbei.“ Eine Wahlempfehlung wollte gestern noch keiner der anderen Kandidaten aussprechen.

Spiesen-Elversberg: Da hat der Zeitgeist aber kräftig durch die Gemeinde Spiesen-Elversberg gepustet. Der unabhängige Bewerber Bernd Huf wird neuer Bürgermeister und Nachfolger von Reiner Pirrung (CDU), der nicht mehr antrat. 20.50 zeigt die Uhr, als im Sitzungssaal des Rathauses Beifall aufbrandet: Das vorläufige Endergebnis bestätigt, was sich seit den Zahlen aus dem ersten von 14 Wahlbezirken abgezeichnet hat: Bernd Huf ist mit 58,0 Prozent durch. Seine Mitkonkurrenten Heike Morgenthal (SPD) und Thomas Thiel (CDU) erreichen Kopf an Kopf 21,1 und 20,9 Prozent. Huf bekam das Strahlen gar nicht mehr aus dem Gesicht: „Ich bin total überrascht. Ich habe gedacht, es geht in eine Stichwahl.“ Dachten auch die unterlegenen Kandidaten und rangen um Fassung. „Ich werde jetzt weitermachen wie bisher und mich im Gemeinderat engagieren“, sagte Heike Morgenthal. „Es ist wohl der Trend, dass die etablierten Parteien Probleme haben“, sagte Thiel.

Eppelborn: Um Fassung ringend betritt um 21 Uhr die noch amtierende Bürgermeisterin Birgit Müller-Closset mit ihrem Mann Peter den Big Eppel in Eppelborn. Noch ist das amtliche Endergebnis nicht per Beamer auf die Leinwand geworfen worden, aber seit 20.32 Uhr besteht kein Zweifel mehr: Die SPD-Amtsinhaberin hat ein niederschmetterndes Ergebnis eingefahren. Sie erhält lediglich 27 Prozent der Stimmen. Ihr Herausforderer Andreas Feld von der CDU feiert mit 64 Prozent einen mehr als überzeugenden Sieg, den etwa 40 Anhänger und die Familie mit Jubel und Klatschen feiern. „Damit hätte ich nie gerechnet“, sagt der Gewinner der Wahl. Feld sieht den „Wahnsinnserfolg auch in der Geschlossenheit der Eppelborner CDU begründet.“ Enttäuscht ist Birgit Müller-Closset nicht nur über die „heftige Niederlage“, sondern auch darüber, dass der Wähler ihre Anstrengungen nicht gewürdigt habe. Zufrieden mit ihren Ergebnissen äußern sich Patrik Paul, FDP, 3,9 Prozent, und Peter Josef Groß AfD,  5,1 Prozent.

Ottweiler: Ruhige Atmosphäre am Wahlabend im Ottweiler Rathaus: Bei Amtsinhaber Holger Schäfer (CDU) im Büro sitzen eine Handvoll Leute. Europawahl läuft auf dem Bildschirm an der Wand, die Kommunalwahl auf einem eigenen Bildschirm. Schon nach den ersten zwei ausgezählten Wahlbezirken liegt Schäfer mit rund 70 Prozent klar vorne. Und das soll sich bis zum vorläufigen Endergebnis, das um 20.38 Uhr kommt, nicht mehr ändern. 71,3 Prozent der Stimmen gehen an den Christdemokraten. Gerd Rainer Weber (SPD) wählen 21,8 Prozent, Uwe Hartmann (AfD) bekommt 6,9 Prozent. Wahlsieger Schäfer nimmt das Ergebnis mit einem Lächeln auf. Bei über 70 Prozent? „Das ist meine Art, mich zu freuen. Ich muss das erst mal sacken lassen.“ Der klare Sieg des Amtsinhabers ist für den Sozialdemokraten Gerd Rainer Weber keine Überraschung: „Ich bin Realist genug und habe das erwartet.“ Was ihm nicht gefallen hat, sind die 6,9 Prozent für den AfD-Kandidaten. Das sieht der genauso, allerdings mit anderer Stoßrichtung. Hartmann sagt, er sei schon enttäuscht: „Ich hätte mir mehr erhofft, eher zehn Prozent.“

Illingen: Bürgermeister in Illingen bleibt Armin König. Der Christdemokrat setzte sich mit  56,1 Prozent  der Stimmen gegen seinen  einzigen Herausforderer Michael Christ (SPD, 43,9 Prozent) durch.  Mit  „Hauptsache, gewonnen“, kommentierte der 62-Jährige das Ergebnis, das er mit gedämpften Jubel zur Kenntnis nahm. Denn das respektable  Abschneiden des in der Kommunalpolitik noch recht unerfahrenen Christ muss als durchaus überraschend  eingestuft werden. Erst im Februar war der  40-Jährige von seiner Partei als Kandidat für das Bürgermeisteramt  gekürt worden.  Wogegen der promovierte Verwaltungswissenschaftler König hocherfahren in der Politik ist. Seit 23 Jahren ist er Verwaltungschef in Illingen, hat schon viele Schlachten geschlagen. Er stellte sich der vierten Direktwahl. Die volle Amtszeit von zehn Jahren kann König nicht ausschöpfen.

OB-Neunkirchen. Foto: SZ/Müller, Astrid
Andreas Feld (CDU) ist neuer Bürgermeister von Eppelborn. Vorgängerin Birgit Müller-Closset gratuliert sichtlich bewegt. Foto: Heike Jungmann
Michael Christ (rechts SPD) gratuliert Armin König zum Wahlsieg. König bleibt in Illingen auch weiterhin Bürgermeister. Foto: Engel
Die Parteifreunde und Ehefrau Nicole gratulieren Holger Schäfer zur erneuten Amtszeit als Bürgermeister von Ottweiler. Foto: Jörg Jacobi
Bernd Huf (unabhängig) ist neuer Bürgermeister in Spiesen-Elversberg. Die Söhne (hier Elias) ließen die Konfettikanone knallen. Foto: Jennifer Klein

Schiffweiler: Mit einem fast identischen Ergebnis wie 2010 verteidigt  der Schiffweiler Bürgermeister Markus Fuchs sein Amt. 57,3 Prozent (damals waren es 57,8 Prozent) der Wähler stimmten für den Sozialdemokraten. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, lautet seine erste Einschätzung, „auch insgesamt, denn Schiffweiler bleibt rot.“ Eine Stichwahl habe er zwar nicht ausgeschlossen, aber auch nicht unbedingt damit gerechnet. Er freue sich, weiter für die Gemeinde arbeiten zu können. CDU-Herausforderer Mathias Jochum ist mit 33,5 Prozent nicht dort angekommen, wo er hin wollte: „Ich bin natürlich enttäuscht. Ich hatte mir mehr erhofft.“ Wichtig ist ihm, dass die absolute Mehrheit der SPD im Gemeinderat gebrochen ist. Zu ihren 9,3 Prozent sagt FDP-Kandidatin Vera Haböck: „Das Ergebnis ist auf jeden Fall gut. Mein Team hat mich toll unterstützt.“ Sie hätte sich für die Truppe mehr als den einen Sitz im Rat erhofft.

Mehr von Saarbrücker Zeitung