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Wie man Vorsätze in die Tat umsetzt
Der innere Schweinehund, das Biest

Das neue Jahr hat schon wieder die ersten Meter hinter sich gebracht. Und: Nichts hat sich geändert.
Das neue Jahr hat schon wieder die ersten Meter hinter sich gebracht. Und: Nichts hat sich geändert. FOTO: Sophia Kembowski / dpa
Neunkirchen. Kommunikations-Coach Anne-Kathrin Koch gibt Tipps, wie sich gute Vorsätze besser in die Tat umsetzen lassen. Von Marc Prams

Ein Blick auf den Kalender verrät: Das neue Jahr hat schon wieder die ersten Meter hinter sich gebracht. Und: Nichts hat sich geändert. Zumindest die guten Vorsätze, die man sich Jahr für Jahr  während der Silvesternacht in den Rucksack packt, sind in der Mehrzahl längst wieder verdrängt. Nach zwei Tagen Abstinenz glimmt die erst Zigarette wieder, der eine Waldlauf war irgendwie auch einer zu viel, und machen wir uns nichts vor: Pommes mit Majo schmecken besser als keine Pommes ohne Majo. Es ist einfach nicht einfach, die
theoretischen Vorsätze in die Praxis umzusetzen.



Kommunikations-Coach Anne-Kathrin Koch.
Kommunikations-Coach Anne-Kathrin Koch. FOTO: Marc Prams

Aber warum ist das so? „Um Vorsätze auch wirklich umzusetzen, braucht man einen emotionalen Grund. Man weiß ja, dass zehn Kilo abzunehmen gut für einen sind. Aber nicht nur der Kopf muss einem das sagen, auch das Herz. Man muss es wirklich wollen“, erklärt Anne-Kathrin Koch. Sie ist Beziehungs- und Kommunikations-Coach sowie Heilpraktikerin für Psychotherapie. In ihrer Praxis in Spiesen dreht sich vieles um das Thema Motivation, daher rät sie: „Es ist immer wichtig, ein Ziel vor Augen zu haben, auf das man hinarbeitet.“  Ein Schloss vor Augen, sagt sie auch dazu und fügt an, dass sich eine Schotterpiste nun mal leichter überwinden lässt, wenn man auf ein Schloss zusteuert. „Jede Veränderung ist unbequem. Wer aber von innen heraus etwas will, der scheitert nicht so schnell an äußeren Hürden“, fügt sie hinzu. Und dieses Schloss sei etwas, das besonders motivierend sei.

Aber wie sieht so ein Schloss beispielsweise für einen Raucher aus, der seit 20 Jahren zur Zigarette greift? Dass es besser für die Gesundheit ist, nicht zu rauchen, ist ja schwer greifbar. „Stimmt. Aber das Wissen darüber, dass man dann jede Menge Geld spart und freier ist, erschließt sich einem schnell“, sagt die 36-Jährige, warnt aber davor, sich die Ziele zu hoch zu stecken. Besser sei es, den Weg zum Ziel in kleine, konkrete, machbare Portionen zu untergliedern. „Zehn Kilo in einer Woche abzunehmen ist unrealistisch, innerhalb eines halben Jahres aber gut machbar“, nennt Koch als Beispiel, „und eine Reduzierung von zehn auf acht Zigaretten am Tag ist schon ein enormer Fortschritt.“ Und eben dieser Fortschritt sei bei Vorsätzen sehr wichtig, nicht etwa Perfektion, die man ja gerne als Maßstab ansetzt.

Dass äußere Hürden auf dem Weg zum anvisierten Ziel nicht selten zum Stolperstein werden, weiß jeder, der sich schon einmal vorgenommen hat, dreimal in der Woche zu joggen. Und einmal aus dem Tritt gekommen, fällt es schwer, wieder den Anschluss zu finden. „In diesem Fall muss man wirklich die Termine in den Kalender eintragen. Und was eingeplant ist, ist auch nicht verhandelbar“, erklärt Anne-Kathrin Koch. Erfolg brauche Vorbereitung. Und auch wenn es schwer falle, dürften äußere Faktoren auf dem Weg zum Ziel keine Rolle spielen. Auch nicht das gern angeführte Argument, man habe wegen der Familie keine Zeit. „Gerade aus Liebe zur Familie muss man sich auch Zeit für sich selbst nehmen. Diese Zeit ist ja kein Egoismus. Wenn man ausgeglichener, glücklicher ist, profitiert ja auch das ganze Umfeld davon. Der Familie macht es nichts aus, wenn man eine Stunde weg ist und Sport treibt. Sitzt man aber in dieser Stunde schlecht gelaunt zu Hause, hat auch die Familie nichts davon“, so die Motivations-Expertin.



Und wie findet man wieder den Anschluss, wenn man doch wieder faul war oder zur Torte oder Zigarette gegriffen hat? „Vor allem sollte man sich keine Vorwürfe machen, sondern sich ein Beispiel an Kindern nehmen, die Laufen lernen. Die haben auch ein Ziel vor Augen, fallen aber auf dem Weg dahin immer wieder hin, tun sich sogar weh, stehen aber auf und machen weiter. Bis sie es geschafft haben.“

Und für alle, die der Meinung sind, Vorsätze ließen sich nur oder besonders gut zur Jahreswende erreichen, hat Anne-Kathrin Koch noch eine gute Nachricht. Zwar bringe Neujahr in der Regel einen gewissen Schwung mit sich, aber dieser Schwung könne auch an jedem anderen Tag kommen. Wichtig sei es nur, ihn dann auch für sich zu nutzen.

Anne-Kathrin Koch hält regelmäßig Vorträge und Seminare an der VHS-Neunkirchen. Am 12. März ist das Thema „Fühlen kann man lernen“, am 15. Mai „Selbstbefreiung durch Vergebung“. Anmeldungen sind über die Webseite  möglich.