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Gutzjer-Fang-Test
Der große Rosenmontags-Gutzjer-Fang-Test

Die Fänger von links: Elke „Die Krake“ Jacobi, Solveig „Moet“ Lenz-Engel, Petra „Hut ab“ Ensch und Michael „Die Katze“ Kipp. Werfer: Marc „Hoch die Tütcha“ Prams.
Die Fänger von links: Elke „Die Krake“ Jacobi, Solveig „Moet“ Lenz-Engel, Petra „Hut ab“ Ensch und Michael „Die Katze“ Kipp. Werfer: Marc „Hoch die Tütcha“ Prams. FOTO: Jörg Jacobi
Neunkirchen. Die Redaktion testet: Womit lassen sich heute am besten die meisten süßen Wurfgeschosse fangen? Von Marc Prams

Heute wird man sie wieder zuhauf sehen, die Süßigekeiten-Fänger, wie sie zum Hechtsprung ansetzen und dann im Bauchplatscher auf dem Asphalt landen. Auf der Jagd nach genau diesem einen Gutzjen, das sich auf den Weg gemacht hat, hinaus in die Freiheit, aus den Händen des NKA-Fürsten Karl Albert hinweg über die Brüstung des geschmückten Wagens, bis kurz neben den Gullideckel am Ellenfeld, wo es jetzt darauf wartet, von seinem Finder in eine schnöde Plastiktüte gesteckt zu werden. Aber muss das wirklich sein? Muss man Bonbons, Gummibärchen, Schokoriegeln, Kokosbällchen, Mäusespeck und was da sonst noch an Rosenmontag von den Wagen geworfen wird, eine solch harte Landung zumuten?


Muss man nicht, findet die Redaktion der Neunkircher Lokalredaktion der Saarbrücker Zeitung, und hat weder Mühen noch Kosten gescheut, um diverse Gutzjes-Auffang-Utensilien auf Herz und Nieren zu testen.

„An mir fliegt keine Lakritzschnecke vorbei“, ist sich Elke „Die Krake“ Jacobi sicher, die jeden ihrer Arme mit ganz speziellen Fangvorrichtungen versehen hat. Das XXXL-Sieb wird nach ersten Fangversuchen mit „ausgezeichnet“ ausgezeichnet. Hier landet wirklich jedes Schnäkes drin, so es denn größer als ein Kubikmillimeter ist. Aus dem Baseballhandschuh hingegen springt das ein oder andere Gummibärchen wieder in die Freiheit zurück. Also beim Test durchgefallen? Weit gefehlt: „Den hab ich doch nur an, falls mal ein Becher mit Hochprozentigem vom Wagen verschwinden muss“, beweist „Die Krake“ Weitsicht bei der Wahl ihrer Fangutensilien.

Sportkamerad Michael „Die Katze“ Kipp kommt ganz bescheiden  mit einem Regenschirm um die Ecke, unter dem eine Großfamilie Platz finden könnte. Umgestülpt sieht der aus wie eine sehr, sehr billige Sattelitenschüssel und soll für gut 30 Pfund Gutzjer taugen. „Wer mit so einem Geschoss zum Rosenmontag geht, fängt auch mit Dynamit Fische“, wird ihm vorgeworfen. „Keine schlechte Idee“, findet Kipp, der auch sein Schmetterlingsnetz mitgebracht hat. Wo der Regenschirm keinerlei sportliche Aktivität zulässt, erfordert das Netz einiges an Reaktionsvermögen von „der Katze“ ab. Zwar landen darin nur wenige Wurfgeschosse, die wurden aber hart erarbeitet und schmecken umso besser. Kipps Fazit: „Der Regenschirm ist was für Fang-Faulenzer. Echte Champions hechten mit dem Netz.“

Hechten ist nun so gar nichts für Petra „Hut ab“ Ensch. „Was im Sommer zum Schutz für Sonnenbrand dient, erfüllt auch an Rosenmontag seinen Zweck“, lautet ihre Devise. Mit gekonnter Geste setzt ihren mit großer Krempe versehenen Sonnenhut ab, um mit leichter Hand das ein andere Tütchen Gummibärchen zu erwischen. Als Genießerin meint sie: „Mehr als ich esse, fange ich ohnehin nicht.“ Und so ist sie mit ihrer kargen, aber ausreichenden Ausbeute sichtlich zufrieden. Ihr Fazit: „Wer sich mit wenig Süßem zufrieden gibt, ist mit so einem Sonnenhütchen bestens bedient.“



Solveig „Moët“ Lenz-Engel besitzt zwar auch einen Sonnenhut, aber sie sagt sich: „Wenn ich schon Gutzjer fange, dann mit Stil.“ Was läge da näher, als den Champagnerkübel mit auf dem Umzug zu nehmen. „Vieles“, ist sich „Moët“ nach wenigen Minuten sicher. „Das Ding ist ja sau schwer.“ Zwar landet etliches an Süßem in der großen Schüssel, aber das macht sie nicht gerade leichter. „So ein Kübel ist dann wohl doch eher was für Muckibuden-Gänger. Ich steige lieber auch auf den Sonnenhut um“, lautet ihr Fazit.

Ja, es gibt so einiges, womit man an Rosenmontag in Neunkirchen auf Gutzjesfang gehen kann, aber nach etlichen anstrengenden Stunden Fangtest sind sich alle einig: „E gudd Plastik-Tut duuts eigentlich aach.“ Hei-Joo!