Der Film Schlussklappe mit Szenen aus Neunkirchen

Filmstadt Neunkirchen : Filmemacher finden Filmstadt filmreif

Für Filmemacher ist Neunkirchen offenkundig ein attraktiver Drehort. Die zweitgrößte Stadt des Saarlandes war jetzt Kulisse für „Schlussklappe“.

Der Himmel über Neunkirchen. Am Montag gegen 17 Uhr spannt er sich eisblau hinter der Silhouette des Alten Hüttenareals mit Hochofen und Wasserturm. Das Parkdeck West des Saarpark-Centers ist einmal mehr Drehort. Schon beispielsweise bei „Fisch über Bord“, einem Werk von Carl Rolshoven, spielte die offene Parkfläche eine tragende Rolle. Damals, im Jahr 2015, ging es den Saarbrücker Film- und Kreativschaffenden um die Liebes- und Leidensgeschichte von Lotte und Gustav. In „Schlussklappe“, dem Film von Produzent Andreas Berg und Regisseur Niclas Mehne, geht es auch um große Gefühle. Die Protagonisten heißen Julia und Ben und bewegen sich in einem Konstrukt von Film im Film. Wobei „Schlussklappe“ erst einmal ein Film von Filmemachern für Filmemacher über das Filmemachen ist. Die zentrale Rolle spielt dabei das eben zu Ende gegangenen Festival Max Ophüls Preis (MOP) in Saarbrücken. Dort haben Berg und Mehne den Großteil ihres Filmes bereits abgedreht. In Neunkirchen war letzter Drehtag. Und an dem hat die Crew in einer gut vierstündigen Kälte-Aushalt-Aktion die Szenen gedreht, mit denen „Schlussklappe“ beginnen soll.

Warum ausgerechnet Neunkirchen? Hier kommen das Neunkircher Kreativzentrum Kutscherhaus, das Stadtmarketing mit Cornelia Feld und der filmaffine Oberbürgermeister Jürgen Fried ins Spiel. Wolfgang Reeb, begnadeter Multi-Strippenzieher in der Kulturbranche regional und auch international und einer der Nutzer des Kutscherhauses, war einer der Kontaktknüpfer. Außerdem ist Neunkirchen, nicht zuletzt wegen des Günter Rohrbach Filmpreises, auf der entsprechenden Landkarte längst kein weißer Fleck mehr. Iris Berben beispielsweise, eine der ganz Großen der Branche, war jüngst sowohl in der Landeshauptstadt als auch in Neunkirchen. Filmpreise machen’s möglich.

Jetzt freuen sich Niclas Mehne und Andreas Berg, die schon seit Jahren beim MOP unterwegs sind, auf die Fertigstellung ihres Debütstreifens. „Wir haben im Saarland viel Unterstützung für unser Projekt bekommen“, danken sie den Saarbrücker Festival-Machern um Svenja Böttger für die Möglichkeit, im dortigen Gewusel und an den verschiedenen Schauplätzen zu drehen. In Neunkirchen waren nicht nur das Parkdeck mit seinen optischen Möglichkeiten, sondern auch die Bliesterrassen und der Furpacher Weiher (mit den nicht festgefrorenen, sondern allenfalls bewegungsfaulen Schwänen) Hintergrund für die Handlung. So gibt Pina  Kühr die Regisseurin (Film im Film!) Rebecca Förster, unter deren Fittichen sich die Geschichte der beiden Mittdreißiger Julia und Ben entwickelt. Hält die Beziehung? Zusammenziehen? Kinder?

Die „Schlussklappe“-Macher Berg und Mehne kommen aus den Großstädten Berlin und Hannover und sehen doch gerade im Saarland beste Möglichkeiten für Filmschaffende. Die kurzen Wege und die Vorteile des regional-typischen klüngelns, neudeutsch netzwerken, sind also offenbar ein Standortvorteil, der auch Neunkirchen als „Filmstadt“, wie von Jürgen Fried gerne tituliert, weiter voran bringt.

Für den Fim „Schlussklappe“ und dessen junges Team würde sich der Kreis schließen, wenn das fertige Werk im kommenden Jahr als Wettbewerbsfilm für den dann 41. Max Ophüls Preis angenommen  und dann auch gleichzeitig uraufgeführt würde. Denn schließlich hat das Duo seinen Fim auch als „Liebeserklärung“ an das MOP-Festival und damit an die ganze Region bezeichnet.

Mehr von Saarbrücker Zeitung