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Der Borkenkäfer schlägt im Kreis Neunkirchen zu

Kreis Neunkirchen : Für den Borkenkäfer ist es ein Super-Jahr

Hitze und Trockenheit dieses Sommers setzen den Wäldern im Kreis zu. Die Fichten leiden unter Käfer-Befall.

Es war ein super Sommer für einen Besuch im Freibad. Und es war auch ein super Sommer für Buchdrucker und andere Unterarten des Borkenkäfers. Zuerst ein feuchtes Frühjahr, dann heiß und trocken, die Insekten haben sich auch im Kreis Neunkirchen bestens vermehrt. Förster Lars Kreinbihl spricht von der dritten Generation, die diesen Sommer schon unter der Baumrinde der Fichten sitzt. Früher habe es ein bis zwei Generationen gegeben, zwei seien mittlerweile Standard. Eine dritte – das ist nach den Worten des Experten schon ungewöhnlich. Die Fichte ist ein Baum, der viel Wasser braucht. Die Bedingungen dieses Sommers haben die Nadelbäume geschwächt. Der Borkenkäfer hat leichtes Spiel.

Kreinbihls Kollege Ingo Piechotta spricht von einem massiven Problem. Der Förster ist im Kreis für Illingen, Eppelborn und Marpingen zuständig. Piechotta schätzt, über tausend Kubikmeter Fichtenholz dürften bei ihm in diesem Jahr betroffen sein. Die Bäume müssten eingeschlagen werden, um eine weitere Ausbreitung der Schädlinge nach Möglichkeit zu unterbinden und den Wert des Holzes halbwegs zu erhalten. Besonders betroffen seien in seinem Einzugsbereich Flächen in Uchtelfangen hinter dem Schwimmbach und in Marpingen/Berschweiler.

Die Fichte gehört eigentlich nicht in die Wälder der Region. Piechotta: „Sie ist eine Baumart, die bei uns künstlich angebaut worden ist. Im Grunde ist sie, was die Wasserbedingungen anbelangt, immer an ihrer Grenze.“ Buche, Eiche und andere Laubbäume gehören hierher. Wenn es um den Borkenkäufter-Befall geht, schlagen deshalb zwei Herzen in seiner Brust. Weniger Fichten, das ist unter ökologischen Gesichtspunkten durchaus in Ordnung. Auf der anderen Seite bezeichnet Piechotta die Fichte aber als „Brotbaumart des Forstes“. Sie sorge in Deutschland mengenmäßig für das meiste Frischholz. Jeder befallene Baum sei dem Tode geweiht. Damit das Holz noch gut zu vermarkten sei und sich die Borkenkäfer nicht noch besser weiter verbreiten können, müsse es schnell raus aus dem Bestand. Allerdings seien die Sägewerke schon gut ausgelastet.

Sein Förster-Kollege Roland Wirtz ist im Kreis in der Gemeinde Eppelborn unterwegs. Daneben umfasst sein Revier Flächen im Regionalverband Saarbrücken und im Landkreis St. Wendel. „Im gesamten Revier ist derzeit Borkenkäferbefall festzustellen. Es werden sowohl Altfichten als auch jüngere Bäume befallen. Es handelt sich überwiegend um kleinflächigen Befall bis etwa einen halben Hektar Größe.“ Wie Piechotta hat auch er festgestellt, dass in den vergangenen Tagen immer noch weitere Bäume frisch befallen wurden. Wirtz: „Den Schadholzanfall schätze ich derzeit für das gesamte Revier von 1800 Hektar auf rund 400 Kubikmeter Fichtenholz.“ Die Schadmenge mache dieses Jahr etwa das 20-fache dessen aus, was ansonsten in den vergangenen Jahren an Borkenkäferbefall festzustellen war.

Lars Kreinbiehl spricht für das „Regionalparkrevier – Lik-Nord“. Er betreut rund 1300 Hektar Staatswald, rund 300 Hektar Gemeinschaftswald (ein Zusammenschluss von Merchweiler Gemeindewald und Staatswald) und rund 50 Hektar Gemeindewald in Schiffweiler. „Da in meinem Revier die Laubbäume deutlich dominieren, ist der Schadanfall im Gesamten – in Festmeter beziffert –  nicht so erheblich wie bei meinen Kollegen, jedoch auf den Flächenanteil der Baumart Fichte gerechnet  sehr hoch.“ Vor neun Jahren hatte er die Baumartenverteilung genauer unter die Lupe genommen. Im von ihm betreuten Staatswald dominieren Eiche (32 Prozent) und Buche (27 Prozent) deutlich. Die Fichte macht nur etwa vier Prozent aus. Auch im Gemeinschaftswald sind die beiden Baumarten mit 27 und 26 Prozent auch klar vorne. Die Fichte kommt dort aber auf 18 Prozent.

Der Buchdrucker hat nach seiner Beobachtung in diesem Jahr schon etwa 300 Festmeter im Staatswald befallen und etwa 200 Festmeter im Gemeinschaftswald. Die einzige nennenswert große Fichtenfläche im Schiffweiler Wald wurde nach dem starken Befall im vergangenen Jahr in diesem Jahr quasi zur Gänze befallen, erläutert der Förster. Rund 100 Festmeter Fichtenholz rechnet er dort.

Aber auch wenn sich Klimaveränderungen an dieser Stelle deutlich zeigen, der saarländische Wald ist nach Kreinbihls Worten gut aufgestellt: „Wir haben eine große Baumvielfalt im Saarland.“ Allerdings müsse jeder Förster auch den wirtschaftlichen Teil in seinem Wald im Auge behalten. „Wir sind nicht profitgierig. Aber die Nutzfunktion des Waldes finanziert natürlich auch die Erholungs- und Öko-Funktion, für die wir sorgen.“

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