Der Arbeitskreis Kindergesundheit des Kreis Neunkirchen stellt Rezeptebuch für Eltern und Kinder vor

Richtig kochen bei Adipositas : Bester Tipp: Bewegung an frischer Luft

Arbeitskreis Kindergesundheit des Kreises stellt Rezeptebuch für Eltern und Kinder vor.

Am Montag, 23. September, laden der Arbeitskreis Kindergesundheit des Landkreises Neunkirchen und das Projekt Vitalregion Landkreis Neunkirchen ins Centrum für Freizeit und Kommunikation der Lebenshilfe nach Spiesen-Elversberg ein. Dort wird sich ab 8.30 Uhr dem Thema Ernährungsbildung gewidmet. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Vorstellung des Kinderkochbuches „Eltern-Kind-Rezepte für Frühstück und Abendbrot“. Es wurde in den vergangenen neun Monaten von den beiden Organisatoren in Zusammenarbeit mit den Kindertageseinrichtungen Kita Lehbesch Ottweiler, Kita Stennweiler und dem Hort Kleiststraße Neunkirchen sowie der Agentur Quattropolis/Honk Foto umgesetzt. Das Buch soll dazu beitragen, die ausgewogene Ernährung zu Hause ganz praktisch mit leckeren Brotaufstrichen, erfrischenden Getränken aus eigener Herstellung und selbstgebackenem Brot zu unterstützen. Die Saarbrücker Zeitung unterhielt sich mit Jutta Schäfer vom Kreisgesundheitsamt Neunkirchen, Dr. Lieselotte Simon-Stolz (Landkreis Neunkirchen) und Michaela Rebel (Kreisjugendamt Neunkirchen).

Wie ist es derzeit laut Ihrer Erfahrung im Landkreis Neunkirchen um die Kinderernährung bestellt?

Schäfer: Nach sieben Jahren Berufserfahrung als Adipositas-Therapeutin in der Beratungs- und Vernetzungsstelle für übergewichtige Kinder des Gesundheitsamtes Neunkirchen gibt es für mich keine Unterschiede zum bundesweiten Trend im Bereich der Kinderernährung - aber es zeigt sich auch ein Wandel. Kinder und Jugendliche konsumieren weniger Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke als noch vor zehn Jahren. Das zeigen auch Daten aus der zweiten Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Jüngere Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren und Mädchen konsumieren geringere Mengen an zuckerhaltigen Getränken, Süßwaren sowie süßen Aufstrichen und mehr Obst und Gemüse als ältere Kinder ab elf Jahren und Jungs. Allerdings wird im Jugendalter auch weniger Gemüse gegessen.

Wie sieht das Idealbild einer ausgewogenen Kinderernährung aus?

Dr. Simon-Stolz: Eine optimale Ernährung, die den Bedarf an essentiellen Nährstoffen deckt, fördert im Kindes- und Jugendalter das Wachstum sowie die körperliche und geistige Entwicklung und beeinflusst den Gesundheitszustand. Wasser wird als Regelgetränk empfohlen. Es sollten mindestens vier Mahlzeiten pro Tag einschließlich eines Frühstücks eingenommen werden. Dabei sind regelmäßige Familienmahlzeiten wünschenswert. Der Verzicht auf häufigen Fastfood-Verzehr und die Beachtung altersgemäßer Portionsgrößen sind zu beachten.
Schäfer: Eine ausgewogene Ernährung sollte daher nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene abwechslungsreich sein. Der Durst sollte mit viel Wasser oder Mineralwasser gelöscht werden. Obst, Gemüse, Salate und auch Vollkornprodukte gehören auf den Speiseplan. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, täglich mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen. Der Anteil der Mädchen und Jungs, die diese Empfehlung erreichen, ist in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Allerdings ist er mit insgesamt 14 Prozent sehr gering.

Wie wichtig ist es, dass die Erzieherinnen, Lehrer und Eltern ein gesundes Essverhalten vorgeben?

Schäfer: Im Kindes- und Jugendalter werden die Weichen für das Gesundheitsverhalten im späteren Leben gestellt. Es ist wichtig, dass sich Eltern ihrer Vorbildfunktion bewusst sind. Sie bestimmen zum Beispiel durch ihr Einkaufsverhalten und gemeinsame Mahlzeiten das Ernährungsverhalten ihrer Kinder. Spätestens mit dem Eintritt in eine Kindertagesstätte lernen Kinder nicht nur zu Hause, was und wie sie essen. Jetzt nimmt der Einfluss von Erziehern und Lehrern zu. Sie prägen die Ernährungsbildung bewusst und unbewusst - und zwar durch ihr Vorbild und Verhalten sowie durch die pädagogische Begleitung bei den Mahlzeiten.
Rebel: Da viele Kinder in der Kindertagesbetreuung mindestens drei der täglichen Mahlzeiten zu sich nehmen – in der Regel das Frühstück, das Mittagessen und einen Imbiss am Nachmittag – sind die Kindertageseinrichtungen angehalten, hier ein ausgewogenes Nahrungsangebot bereitzustellen. Dies ist im überarbeiteten Bildungsprogramm der Kindertageseinrichtungen auch entsprechend gefordert. Die angebotenen Nahrungsmittel sind dabei aufeinander abzustimmen. Hier bedarf es meiner Ansicht nach einem entsprechenden Lehrangebot hinsichtlich ausgewogener Nahrung bereits in der Ausbildung der Fachkräfte. Ebenso sind Fortbildungen für Fachkräfte in den Einrichtungen gefragt.

Wie steht es im Kindergarten und in der Grundschule um die Bewegung?

Dr. Simon-Stolz: Unbestritten ist, dass sich körperliche Bewegung auf die körperliche und geistige Entwicklung positiv auswirkt und Bewegungsförderung im Alltag und den Lebenswelten der Kinder – also Kita und Schule – die kindliche Entwicklung der Kinder insgesamt fördert. Leider ist zu beobachten, dass Kinder und Jugendliche wie Erwachsene auch ihre Zeit vorwiegend in geschlossenen Räumen verbringen. Die Freizeit ist oft durch organisierte Angebote und Kurse strukturiert. Hinzu kommt die zunehmende Beschäftigung mit elektronischen Medien wie Smartphone, Fernseher und Computer. Neben der Förderung der Alltagsaktivitäten im Elternhaus kommt daher auch den Einrichtungen, welche die Kinder und Jugendlichen zu einem Großteil ihres Wachzustandes besuchen, eine wichtige Aufgabe zu, Bewegung und körperliche Aktivität zu erhöhen. Die gesundheitsrelevanten positiven Effekte sind nicht nur durch den Sport zu erreichen, sondern auch durch Alltagsaktivitäten, die mit einem Energieverbrauch einhergehen, der deutlich über dem Grundumsatz liegt und damit zu einer ausgeglichenen Energiebilanz beiträgt. Deshalb ist Bewegungsförderung ein wesentlicher Faktor bei der Prävention und Behandlung von Übergewicht und Adipositas.
Rebel: Im Bereich der Kindertageseinrichtungen wäre es daher wünschenswert, wenn alle Kinder möglichst täglich Bewegung an der frischen Luft hätten. Auch in der nun kommenden dunklen und kalten Jahreszeit ist es notwendig, so viel wie möglich mit den Kindern ins Freie zu gehen, damit auch die Produktion des wichtigen Vitamin D erfolgen kann.

Welche Rolle im Alltag spielen die bekannten Fastfood-Ketten mit ihrer intensiven Werbung?

Rebel: Das Essen auf die Schnelle wird immer beliebter. Bei Kindern nimmt dies mit dem Alter zu. Jugendliche essen mehr Fastfood als Schulkinder und diese mehr als Vorschulkinder. Das Angebot reicht von Döner Kebab, Pommes frites, Bratwürsten, Hamburgern bis hin zur Pizza in allen Variationen. Bedenklich sind vor allem die in den Fastfood-Restaurants aufgestellten Bildschirme in Form von TV‘s oder Tablets. Sie bringen Kinder und Erwachsene dazu, mehr zu essen. Durch den gleichzeitigen digitalen Medienkonsum wird ein Sättigungsgefühl nicht oder erst zu spät wahrgenommen und entsprechend mehr gegessen.

Wie genau soll das Kinderkochbuch allen wichtigen Anlaufstellen wie Kitas, Schulen und Eltern zugänglich gemacht werden?

Rebel: Dank des Förderprogramms Landaufschwung werden in den kommenden Wochen die Büchlein an alle Einrichtungen und jede Familie des Landkreises Neunkirchen, deren Kind eine Kindertageseinrichtung besucht, kostenfrei ausgegeben. Darüber hinaus können weitere Exemplare beim Landesinstitut für Präventives Handeln angefordert werden.

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