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Tourismus im Landkreis Neunkirchen
Der Alm-Ebi fällt aus der Statistik

Die Ottweiler Altstadt ist zu jeder Jahreszeit einen Ausflug wert.
Die Ottweiler Altstadt ist zu jeder Jahreszeit einen Ausflug wert. FOTO: Stadt Ottweiler
Kreis Neunkirchen. Entgegen dem Landestrend gingen die Übernachtungen im Landkreis Neunkirchen im Jahr 2017 leicht zurück. Die Tourismuszentrale ist mit den Zahlen dennoch zufrieden.

Das hat nicht geklappt mit der avisierten Viertelmillion. Vor einem Jahr hatte unsere Zeitung eine entsprechende Schlagzeile zu den Übernachtungszahlen im Landkreis Neunkirchen veröffentlicht. Die Statistiken der vergangenen Jahre gaben auch durchaus Anlass für entsprechenden Optimismus. Denn von 2011 bis 2016 stiegen die Übernachtungen kontinuierlich von 206 612 auf insgesamt 244 933 an. Wobei die Jahre 2014 (Eröffnung des Holiday Inn Express in Neunkirchen) und 2015 mit 7,24 Prozent bzw. 5,21 Prozent erklärbare Ausreißer nach oben waren. Warum es im Jahr 2017 nun ein Minus von 2049 und damit 0,84 Prozent gab, kann auch Christian Rau, der Leiter der Tourismus- und Kulturzentrale des Landkreises Neunkirchen (TKN) nur vermuten. Landesweit ging nämlich die Übernachtungskurve weiter um 2,28 Prozent auf 3,09 Millionen nach oben. Noch habe er nicht mit allen Hotelbetrieben im Landkreis gesprochen, aber er könne sich vorstellen, dass es weniger Kur- oder Klinikaufenthalte gegeben habe, deren Zahlen fließen nämlich ebenfalls in die Statistik ein. Auch eine Rolle könnte es spielen, dass immer mehr Geschäftsleute statt einem Hotel ein Gästezimmer wählen. Die Vermieter von Privatzimmern freuen sich über stärkere Nachfrage, allerdings fallen die Zahlen von Gastgebern mit weniger als zehn Betten quasi unter den Tisch und kommen nicht in die Statistik. Die Zahl der Ferienwohnungen hat sich übrigens in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.


Sei’s drum, prinzipiell ist man bei der TKN immer noch sehr zufrieden mit den Übernachtungszahlen, schließlich sind sie nur minimal gesunken. Das Gros der Gäste kommt wie gehabt aus Deutschland, hier zählt man 224 343 Übernachtungen, ein Minus von 2,7 Prozent. Dafür ist bei den Gästen aus dem Ausland ein Plus von 29,8 Prozent auf 18 541 Übernachtungen zu verzeichnen. Recht spannend ist der Blick auf die Statistik bei den Herkunftsländern. So übernachteten im vergangenen Jahr 173 Finnen im Landkreis, das sind 66 Prozent mehr als im Vorjahr. Beliebt ist der Landkreis bei den Niederländern, die mit 1795 Übernachtungen zu Buche schlagen. Die Zahl der französischen Gäste ist wiederum gestiegen, hier wurden 2 695 und damit die meisten Übernachtungen aus dem Ausland gezählt. Beliebt ist der Landkreis auch bei den Schweizern. Ob hier der Käse-Peter aus Davos, der bei der Sommer-Alm sein Raclette kredenzt, kräftig Werbung in der Heimat macht?

Apropos Werbung, hier will der Landkreis Neunkirchen so manchen alten Zopf abschneiden und über Social Media (Facebook, Instagram) auch jüngere Zielgruppen ansprechen. Aktualisiert werden außerdem die Broschüren und Flyer, die ebenfalls ihr Publikum finden. Sehr gut angenommen werde die neue Webseite, die im vergangenen April freigeschaltet wurde, berichtet Rau. Die Gastgeber der Region können sich hier mit ihrem Angebot präsentieren. Sechs Betriebe – zwei Hotels und vier Ferienwohnungen – machen mit bei der Saarland-Card. Deren Gäste können über 70 Attraktionen im Saarland und über die Grenze sowie Bus und Bahn kostenfrei nutzen. „Unser Ziel ist“, sagt Rau, „dass noch mehr Gastgeber die Saarland-Card anbieten und mehr Sehenswürdigkeiten aus dem Landkreis teilnehmen wie etwa der Neunkircher Zoo oder Gondwana.“ Noch sind die kostenlosen Attraktionen mit den Stadtführungen in Ottweiler sehr überschaubar.

450 000 Euro hat die TKN im vergangenen Jahr in die touristische Arbeit des Landkreises gesteckt. Das spiegelt sich zwar auch, aber nicht nur in den Übernachtungszahlen wider. Schließlich bringen die Tagestouristen oder die Saarländer selbst bei ihren Ausflügen einen kräftigen Mehrwert in die Region. Damit sich die Gäste hier wohlfühlen, sollen beispielsweise die Gästeführer der TKN und der Kommunen weiter geschult werden. Führungsangebote für Hörgeschädigte, wie es sie bereits in Ottweiler gibt, sollen erweitert werden.

Das Saarland wirbt verstärkt als „Genuss-Region“. Da sei der Landkreis Neunkirchen doch auf Platz eins, meint der TKN-Chef selbstbewusst. Ist doch „Wern’s Mühle“ in Fürth beim Wettbewerb „Genuss-Gastwirt“ 2017 ganz oben gelandet. Deshalb werde die erste Landratswanderung in diesem Jahr am 6. Mai über den Mühlenpfad führen, mit einer Verköstigung in eben dieser Ölmühle. Wandern ist auch in 2018 ein großes Thema. Die TKN arbeitet derzeit daran, den Themenwanderweg „Itzenplitzer Pingenpfad“ premiumreif zu machen. Die Prüfer haben sich für Mai angesagt, eine Prämierung wird für August/September erwartet. Wiederbelebt mit einer neuen Streckenführung soll der „Hartfüßlerweg“ werden, Startpunkt ist das Wibilohaus in Wiebelskirchen. Neue Portaltafeln an den Startpunkten der Themen- und Premiumwanderwege sowie Kilometeranzeigen im Wald sollen das Wandern allgemein attraktiver machen. Nicht zu vergessen Veranstaltungen wie die Sommeralm, die Gäste aus nah und fern in den Kreis lockt. Die neun Übernachtungen des Alm-Ebi in seiner Hütte auf der Halde gehen übrigens auch nicht in die Statistik ein.



Moderne Ferienwohnungen wie hier in Illingen gibt es auch andernorts im Landkreis Neunkirchen.
Moderne Ferienwohnungen wie hier in Illingen gibt es auch andernorts im Landkreis Neunkirchen. FOTO: My Suite Home
Der Weißkopfseeadler ist einer Attraktionen im Neunkircher Zoo. Dieser zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen im Landkreis.
Der Weißkopfseeadler ist einer Attraktionen im Neunkircher Zoo. Dieser zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen im Landkreis. FOTO: Zoo Neunkirchen
Das Landhotel Finkenrech in Dirmingen hat seinen Gästen auch einiges zu bieten.
Das Landhotel Finkenrech in Dirmingen hat seinen Gästen auch einiges zu bieten. FOTO: Landhotel Finkenrech