Alles wird heil gemacht: Dem Wegwerf-Trend den Kampf ansagen

Alles wird heil gemacht : Dem Wegwerf-Trend den Kampf ansagen

Reparatur-Café Neunkirchen wird am 20. Oktober im Komm-Zentrum eröffnet. Helfer sind jederzeit willkommen

Jetzt muss mal langsam Butter bei die Fisch. Immerhin trifft man sich jetzt schon zum dritten Mal hier im Komm-Zentrum, um ein Repair-Café in Neunkirchen auf den Weg zu bringen. „Beim ersten Mal waren wir 25 Leute“, staunt Uli Heckmann von der Bürgerinitiative Stadtmitte nachträglich immer noch ein bisschen. Diesmal sind es drei Frauen und sechs Männer, alle nicht mehr ganz jung, dafür hoch interessiert und -motiviert, ihren Teil zum Projekt beizutragen. Wobei die Idee ja schon einen kleinen Bart hat.

„Die Initiative dazu kam aus der Stadtteilarbeit.“ Umwelt und Miteinander leben liegen der Bürgerinitiative von jeher am Herzen: „Die Ausgangsidee war, anständig und ökologisch miteinander umzugehen, Ressourcen zu schützen und das wertzuschätzen, was man besitzt.“ Lange habe man an dem Repair-Café „geschafft“, erinnert sich Uli Heckmann. „Aber allein war das nicht zu stemmen.“
Mit der Ehrenamtsbörse des Landkreises und Koordinator Matthias
Schilhab hat sich in diesem Jahr endlich ein passender Kooperationspartner gefunden. Gemeinsam moderiert man das Arbeitstreffen, bei dem jeder Anwesende zunächst sagen soll, was das Repair-Café für ihn bedeutet. „Fähigkeiten teilen“, fällt dabei, „neue Zeit sinnvoll investieren – für die Gesellschaft“ und „weniger Elektroschrott produzieren“. „Reparieren kann ich nichts, aber Kaffee kochen“, meint eine der Damen. „Ich trenne mich auch ungern von Sachen.“ Schilhab ist nicht zuletzt der pädagogische Ansatz wichtig: „Ein Gerät hat einen Wert.“

Gastgeber Wolfgang Hrasky, als Stadtteilmanager zwangsläufig in das Projekt involviert, schenkt Kaffee aus. Starten wird das Repair-Café bei ihm im Kommunikationszentrum. „Es macht Sinn, das Projekt hier zu verorten.“ Profitieren doch „Reparateure“ wie auch ihre „Kunden“ von der zentralen Lage, der Infrastruktur und der guten Parksituation. Im Gegenzug erweitert das Komm seine Angebotspalette um eine innovative, interessante Dienstleistung, die, wie der Stadtteilmanager hofft, im besten Falle „viele Bürger des Landkreises in die Unterstadt führen wird“. Eine Win win-Geschichte also.
Läuft alles nach Plan, reparieren ab Herbst jeden dritten Samstag im Monat ehrenamtliche Helfer von 9 bis 14 Uhr kaputte Alltags- und Gebrauchsgegenstände wie Fahrräder, Kleidungsstücke, Spielzeug und elektrische Geräte. Werkzeug und Material wird zur Verfügung gestellt. Andere Helfer übernehmen die Bewirtung. Die internationale Kochgruppe hat bereits ihre Unterstützung angeboten, aber „vielleicht brauchen wir die gar nicht“, sagt Uli Heckmann.

Aber wie soll das Kind heißen? Recht schnell einigt man sich auf den Namen „Reparatur-Café Neunkirchen“, was nun noch fehlt, ist ein Logo - irgendwas mit Tasse und Werkzeug, schlägt Schilhab vor. Beim nächsten Treffen werden vielleicht schon ein paar Entwürfe vorliegen. Fest steht dagegen bereits der Eröffnungstermin am 20. Oktober. Ursprünglich hatte man September anvisiert, doch „das war zu sportlich“, lächelt Schilhab und läutet den aktiven Teil ein: Drei Arbeitsgruppen bilden sich – Organisiation, Café und Werkstatt. Letztere bekommt eine Liste mit Vorschlägen für die Ausrüstung: Braucht man einen Lötkolben, Pinzetten, einen Kettentrenner, Holzdübel, Gripzangen, eine Rückensäge und und und? Die Café-Damen überlegen derweil, wie viele Bistrotische und -stühle benötigt werden. Ob man Geld für den Kaffee verlangen soll, hatte man vorher schon in großer Runde ausdiskutiert. „Gegen Spende“, steht nun im Protokoll. Am 20. Juni um 17 Uhr wird weiter geplant, außerdem geht es um das Thema „Rechtssicherheit“, verrät Uli Heckmann: „Wer noch einsteigen will bei uns, ist herzlich willkommen.“